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DFL-Versammlung Profiklubs streiten um TV-Gelder

Wenn sich heute Deutschlands 36 Fußball-Erst- und Zweitligisten treffen, geht es ums liebe Geld. Im Zentrum dabei zwei ganz unterschiedliche Klubs: der FC Bayern München und der FC St. Pauli.

Wieviel Geld können die Vereine der 1. und 2. Fußballbundesliga künftig durch die Vermarktung ihrer Fernsehrechte verdienen? Und vor allem: Wie werden diese Millionen in Zukunft verteilt? Diese beiden strittigen Fragen stehen im Mittelpunkt, wenn sich die Vertreter der 36 deutschen Profiklubs heute in Frankfurt am Main zur Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) treffen.

Bislang werden die Einnahmen aus der TV-Vermarktung zentral verteilt. Auf dem Spiel steht nun nicht weniger als die seit Jahren gelebte Solidarität unter den deutschen Erst- und Zweitligisten.

  • Zunächst sorgte ein Antrag des FC St. Pauli für Wirbel. Der Zweitligist fordert, alle Vereine von der Zentralverteilung der Fernsehgelder auszuschließen, die sich zu mehr als 50 Prozent im Besitz eines Konzerns oder Mäzens befinden. Aktuell betrifft das die beiden sogenannten Werksklubs VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen, dazu 1899 Hoffenheim und in naher Zukunft auch Hannover 96. Dieser Antrag hat aber kaum Aussicht auf Erfolg, denn er würde das Ende einer seit Jahrzehnten praktizierten Solidargemeinschaft bedeuten. "Das provoziert, dass die Großen rausgehen und sich einzeln vermarkten. Das wäre eine Katastrophe für die Liga", so Augsburg-Manager Stefan Reuter.

  • Mit dem Szenario Einzel- statt Zentralvermarktung droht allerdings der FC Bayern München. Der Rekordmeister möchte erreichen, dass die großen und sportlich erfolgreichen Klubs deutlich mehr Geld erhalten als bisher. Gern im Rahmen der Zentralvermarktung - aber nicht um jeden Preis. "Wir führen jede Diskussion über Solidarität mit, solange sie nicht unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem "Kicker".

Sollte die zentrale Vermarktung wegfallen, würde der FC Bayern davon am meisten profitieren. Denn kein anderer deutscher Verein könnte seine Übertragungsrechte in Eigenregie teurer verkaufen. Derzeit bekommen die Münchner rund 50 Millionen Euro aus dem Topf, bei einer TV-Einzelvermarktung wären für den Klub wohl bis zu 200 Millionen Euro zu erlösen.

Es gibt seit längerer Zeit Vorschläge von Traditionsklubs wie Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt oder Werder Bremen, die Zentralvermarktung beizubehalten, aber dabei auch Faktoren wie Fanaufkommen oder Einschaltquoten bei TV-Übertragungen zu berücksichtigen.

Die neuen Fernsehverträge sollen Anfang 2016 ausgeschrieben, im Mai 2016 unterschrieben werden und ab der Saison 2017/2018 in Kraft treten. "Schritt eins muss die Steigerung der Einnahmen auf 1,x Milliarden Euro pro Saison sein. Im zweiten Schritt geht es um den Verteilermechanismus", sagte Rummenigge. In dieser Saison werden rund 850 Millionen Euro an TV-Geldern an die 36 deutschen Profiklubs ausgeschüttet.

ham/sid/dpa
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