DFL-Versammlung Showdown um die Bundesliga-Rechte

Die Entscheidung, wer künftig die Fußball-Bundesliga im Fernsehen zeigt, steht kurz bevor - laut einem Zeitungsbericht ist sie bereits gefallen: Premiere und die ARD teilen sich demnach die Rechte. Bleibt also alles beim Alten? Nicht ganz. Denn die Liga muss wohl auf Geld verzichten.


Frankfurt am Main - Ein Tag noch, offiziell. Im Millionen-Poker um die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga werden am Freitag die Karten auf den Tisch gelegt. 28 Tage nach der offiziellen Ausschreibung der 37 Rechtepakete ab der Saison 2009/2010 soll auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) endgültig entschieden werden.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung, die keine Quellen nannte, ist der Deal aber bereits perfekt. Demnach soll Premiere erneut die Pay-TV-Rechte erhalten. Die Erstverwertungsrechte der Samstagsspiele im Free-TV sollen weiter bei der ARD und damit bei der Sportschau liegen, die der Sonntagsspiele beim DSF. Die Premiere Chart zeigen-Aktie gewann im Verlaufe des heutigen Tages deutlich. Am Mittag hatte das Papier um 30 Prozent zugelegt.

Bundesliga-Übertragung (Archiv): Poker um die Millionenrechte
DDP

Bundesliga-Übertragung (Archiv): Poker um die Millionenrechte

Noch am Donnerstag trafen die DFL-Bosse um Geschäftsführer Christian Seifert mit den 19 verbliebenen Bietern zu einer letzten Verhandlungsrunde zusammen. Und obwohl sich alle Beteiligten maximale Geheimhaltung auferlegt haben, mehren sich die Anzeichen, dass die Proficlubs künftig sogar auf Geld verzichten müssen. 409 Millionen Euro hatte die Liga in der vergangenen Saison mit der Inlands-TV-Vermarktung verdient. Weniger als 400 Millionen sollen es nun angeblich sein.

Die Verhandlungsposition der DFL-Geschäftsführung war nach dem Scheitern des bereits perfekten 500-Millionen-Euro-Deals mit der Kirch-Tochter Sirius (siehe Kasten) deutlich geschwächt. Auch die Finanzprobleme beim Pay-TV-Sender Premiere, in den vergangenen Jahren der größte Geldgeber, dürften in der DFL-Zentrale keinen Jubel ausgelöst haben. So verwundern die jüngsten Gerüchte kaum, denen zufolge sich die Gebote vor der Runde am Donnerstagabend angeblich bei 370 Millionen Euro eingependelt haben.

Das Kartellamt hatte die dringende Empfehlung ausgesprochen, samstags Spieltagszusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen vor 20 Uhr zu senden. Andernfalls sei eine Zentralvermarktung nicht akzeptabel. Daraufhin versuchte die Liga, den Pay-TV-Bietern noch größtmögliche Exklusivität zu bieten. Die Fußballfans müssen sich deshalb auf zerrissene Spieltage einstellen.

Angedacht ist künftig ein Live-Spiel am Samstagabend um 18.30 Uhr, das dann bei Premiere (oder doch beim Konkurrenten ESPN) laufen würde - parallel zur Ausstrahlung der Zusammenfassung von den Nachmittagsbegegnungen in der ARD-Sportschau oder bei einem Konkurrenzsender. Außerdem sollen die beiden Sonntagsspiele nicht mehr um 17 Uhr, sondern versetzt um 15.30 beziehungsweise 17.30 Uhr angepfiffen werden. Zudem ist die Einführung von zwei Zweitligaspielen am Samstag um 13 Uhr geplant.

Sollten der Liga die letzten Gebote am Donnerstag zu niedrig sein, hält sie sich ein Hintertürchen offen. Aus formalen und juristischen Gründen lud die DFL außer zur Mitgliederversammlung am Freitag die 36 Profivereine auch zu einer weiteren am kommenden Mittwoch ein, betonte aber gleichzeitig, dass sie davon ausgehe, dass am Freitag die Präsentation der Zahlen erfolgen werde. Dennoch lässt auch diese Vorsichtsmaßnahme darauf schließen, dass die bisherigen Angebote die zuletzt erzielte Summe nicht erreichen.

Eine weitere Verschiebung will die Liga aber vermeiden. In ihren Augen sollen Vertragsverhandlungen nicht zu einem Basar verkommen, wo erst Scheinangebote vorgelegt werden, um dann nach langem Palaver eine Entscheidung herbeizuführen. Bei der letzten Runde stieg beispielsweise die ARD mit 70 Millionen Euro ein, um dann bei 90 Millionen zu enden.

goe/sid



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
Schwabenpower 31.10.2008
1.
Zitat von sysopDas Topspiel der Fußballbundesliga gibt es künftig am Samstagabend im Pay-TV, die Zusammenfassung im Free-TV erst viel später. Mehr Kommerzialisierung auf Kosten der Fans?
Auf jeden Fall mehr Kommerzialisierung. Trotzdem muss der Fan dadurch nicht der leidtragende sein.
sifro 31.10.2008
2.
Zitat von sysopDas Topspiel der Fußballbundesliga gibt es künftig am Samstagabend im Pay-TV, die Zusammenfassung im Free-TV erst viel später. Mehr Kommerzialisierung auf Kosten der Fans?
Wer es live sehen will kann ja in`s Stadion gehen oder Pay-TV. Natürlich mehr Kommerzialisierung, was sonst?
sir 31.10.2008
3. Deutscher Sonderweg
So, wie es sich die BL-Manager wünschen, angeblich im Sinne der Fans, wird der deutsche Fußballmarkt nie funktionieren. Die Zersplitterung der Fußballübertragung wird nur zum nervenden Warten auf die Sonntagabendzuammenfassung führen, unspannend gemacht durch Radio, Internet etc., das Pay-TV wird keinen müden Euro mehr einnehmen. Wenn sich dieses Modell dann in ein oder zwei Jahren als gescheitert erweisen wird, werden wahrscheinlich auf die Schuldzuweisungen an den knausernden deutschen Fan noch komplexere Aufspaltungen folgen und die Free-TV-Berichterstattung beschnitten, um die Renditeziele doch noch zu erreichen. Was ist die Alternative? Den Ball flach halten und eine spannende Liga bieten, meinetwegen ohne die großen internationalen Stars, dafür mit Bodenhaftung und einer lebendigen Fan- und Zuschauerkultur, ausgerichtet am Samstagnachmittag, mit vollen Stadien anstatt kollektivem Sofahocken. Denn auch wenn in Deutschland durch Pay-TV das große Geld fließen sollte, dürften davon wiederum nur die ca. fünf international agierenden Vereine profitieren, für den Rest der Liga bliebe das Schicksal der kleinen Clubs wie in Italien oder Spanien, d. h. die Liga leidet an der Macht der CL-Vereine. Außerdem: vielleicht erweist sich das bodenständige deutsche Modell im Fußball in naher Zukunft als sinnvoller als die kreditfinanzierten Ligen in England, Spanien und Italien.
Thommy1979 31.10.2008
4. ree
Zitat von sysopDas Topspiel der Fußballbundesliga gibt es künftig am Samstagabend im Pay-TV, die Zusammenfassung im Free-TV erst viel später. Mehr Kommerzialisierung auf Kosten der Fans?
Da es auch vorher samstags nicht wirklich Spiele live im free-tv zu sehen gab, whats the difference?
melkor23 31.10.2008
5.
Zitat von sirSo, wie es sich die BL-Manager wünschen, angeblich im Sinne der Fans, wird der deutsche Fußballmarkt nie funktionieren. Die Zersplitterung der Fußballübertragung wird nur zum nervenden Warten auf die Sonntagabendzuammenfassung führen, unspannend gemacht durch Radio, Internet etc., das Pay-TV wird keinen müden Euro mehr einnehmen. Wenn sich dieses Modell dann in ein oder zwei Jahren als gescheitert erweisen wird, werden wahrscheinlich auf die Schuldzuweisungen an den knausernden deutschen Fan noch komplexere Aufspaltungen folgen und die Free-TV-Berichterstattung beschnitten, um die Renditeziele doch noch zu erreichen. Was ist die Alternative? Den Ball flach halten und eine spannende Liga bieten, meinetwegen ohne die großen internationalen Stars, dafür mit Bodenhaftung und einer lebendigen Fan- und Zuschauerkultur, ausgerichtet am Samstagnachmittag, mit vollen Stadien anstatt kollektivem Sofahocken. Denn auch wenn in Deutschland durch Pay-TV das große Geld fließen sollte, dürften davon wiederum nur die ca. fünf international agierenden Vereine profitieren, für den Rest der Liga bliebe das Schicksal der kleinen Clubs wie in Italien oder Spanien, d. h. die Liga leidet an der Macht der CL-Vereine. Außerdem: vielleicht erweist sich das bodenständige deutsche Modell im Fußball in naher Zukunft als sinnvoller als die kreditfinanzierten Ligen in England, Spanien und Italien.
Stimmt, denn Premiere wird durch die Zersplitterung des Spieltags unattraktiver. Heute habe ich als Premiere-Kunde samstags von 15:30 Uhr 17:30 Uhr eine mehr oder weniger unterhaltsame Konferenz mit allen Samstagsspielen und habe dann Zeit für was anderes. Nächste Saison muss ich dann nochmal 90 Minuten dranbleiben. Auch der Fußballsonntag wird unendlich in die Länge gezogen. Sorry, Premiere: die Kündigung geht am Wochenende raus.
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