Dicke Luft auf Schalke Assauer knöpft sich Thon vor

Mit seiner vorlauten Bemerkung, die Nachfolge von Jupp Heynckes antreten zu wollen, hat sich Olaf Thon keinen Gefallen getan. Manager Assauer hat den ehemaligen Schalke-Kapitän dafür harsch zurechtgewiesen. Die Trainerarbeit soll das Co-Trainergespann Achterberg/Reck auch in den nächsten Wochen fortführen.


Schalke-Legende Thon, Manager Assauer: "Ein Mann von seiner Größe macht so etwas nicht"
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Schalke-Legende Thon, Manager Assauer: "Ein Mann von seiner Größe macht so etwas nicht"

Gelsenkirchen - "Ich habe ihm in aller Deutlichkeit gesagt, dass diese Aktion nicht förderlich war", schimpfte Assauer über den öffentlichen Thon-Vorstoß. Der 38-Jährige hatte sich vor dem Uefa-Cup-Hinspiel gegen Liepajas Metalurgs im Presseraum als Heynckes-Nachfolger ins Spiel gebracht und sogar am Stuhl des Managers gerüttelt. "Ich möchte Schalke helfen. Ob als Trainer oder als Manager, das ist egal", hatte Thon eine verantwortliche Position in dem Verein gefordert, für den er 295 Bundesligaspiele bestritt.

Assauer war davon alles andere als begeistert. "Ein Mann von seiner Größe macht so etwas nicht", grummelte der mächtige Mann auf Schalke. Dennoch soll in den nächsten zwei Wochen entschieden werden, in welcher Form der ehemalige Schalke-Kapitän künftig in die Vereinsarbeit eingebunden werden kann.

"So ruhig war das Stadion noch nie"

Doch nicht nur wegen dieses Scharmützels herrscht dicke Luft bei den Königsblauen. Selbst das klare 5:1 über den überforderten Gegner aus Lettland, konnte die Stimmung einen Tag nach der überraschenden Entlassung von Trainer Heynckes nicht verbessern. "So ruhig war das Stadion noch nie. Es knisterte überall - jeder hat nur darauf gewartet, dass wir vergeigen", stellte Assauer fest. Ein überdimensionales Spruchband mit der Aufschrift "Mannschaft ohne Leidenschaft - ein Management, das Leiden schafft", verdeutlichte die Meinung des sonst so ergebenen Publikums auf Schalke.

Laut Teammanager Andreas Müller haben die Schalker Verantwortlichen in Sachen Trainersuche noch nichts unternommen. "Vielleicht müssen wir in die Backstube gehen und uns einen backen", scherzte Müller, obwohl sich bereits mit Christian Gross (FC Basel) und Uli Stielike ("Schalke und Real Madrid wären interessante Vereine") als weitere Kandidaten ins Gespräch gebracht haben. "Wir haben uns echt noch keine Gedanken gemacht, dafür waren die letzten Tage zu aufregend", so Müller, "es gibt noch keine Überlegung, in der Trainerfrage etwas zu unternehmen."

"Vielleicht holen wir einen Balletttänzer"

Welches Profil der neue sportliche Chef haben soll, weiß auch Assauer nicht. "Er braucht nur die Spiele zu gewinnen, das reicht", sagte Assauer, dessen Lösung mit dem Newcomer Frank Neubarth vor 18 Monaten ebenso gescheitert war wie die mit dem erfahrenen Heynckes. "Vielleicht sollten wir einen Professor holen oder einen Psychologen. Oder einen vom Sozialamt. Und wenn es ein Balletttänzer ist, der uns nach vorne bringt, dann holen wir einen Balletttänzer."

In den kommenden Wochen wird das Interimstrainergespann Eddy Achterberg/Oliver Reck die Arbeit auf dem Trainingsplatz erledigen und auch am kommenden Sonntag im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach von der Seitenlinie aus dirigieren. Obwohl sich der 57-jährige Achterberg gegen ein Engagement als Chefcoach sträubt ("Am liebsten bin ich Co-Trainer"), deutet sich möglicherweise ein längeres Engagement des Niederländers an. "Ich gehe davon aus, dass diese Lösung bis zum Saisonende hält", sagt beispielsweise Vizepräsident Josef Schnusenberg zum Thema Achterberg.



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