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Info-Leck beim DFB Comeback der Maulwürfe

Interna, Mannschaftsaufstellungen, Taktik - im Umfeld des DFB-Teams gibt es offenbar Maulwürfe, die Geheimnisse an die Öffentlichkeit bringen. Dabei hat die Schweigepflicht in der Nationalmannschaft zuletzt gut funktioniert. Doch jetzt scheint es gleich zwei Lecks zu geben.

Die Augen von Manuel Neuer verengten sich zu Schlitzen. Der Torwart antwortete auf die Frage, ob das DFB-Team ein Maulwurf-Problem habe, lediglich: "Überhaupt nicht. Wir finden es gut, wenn jeder frühzeitig informiert wird." Der ironische Unterton war nicht zu überhören. Direkt danach stampfte der Bayern-Spieler aus der Mixed Zone des Stadions, als hätte er gerade ein wichtiges Gegentor kassiert. Diese Antwort gab Neuer direkt nach dem ersten Spiel gegen Portugal in Lemberg.

Zum EM-Auftakt war erstmals die gesamte Mannschaftsaufstellung, die eigentlich striktes Team-Geheimnis ist, bereits Stunden vor Anpfiff an die Presse lanciert worden. Ein Vorgang, der sich bei dieser EM bis jetzt vor jedem Deutschlandspiel wiederholt - und bei Bundestrainer Joachim Löw für heftigen Unmut sorgt.

Erst war es die "Hamburger Morgenpost", die vor dem Portugal-Spiel exklusiv die Aufstellung präsentierte. Zuletzt wussten die "Sport Bild" und der "Kicker" bereits am Mittag, dass Löw am Abend gegen Griechenland mit einer neu formierten Offensive aufwarten wolle. Dabei hatte Löw seine Mannschaft erst kurz zuvor auf der üblichen Teambesprechung vor einem Match über die Wechsel informiert. Der erhoffte Überraschungseffekt war dahin.

Öffentliche Debatte kommt ungelegen

"Das ist nicht in meinem Sinne, wenn das passiert", sagte Löw in der Pressekonferenz nach dem 4:2-Sieg deutlich verärgert. Ihn wurmte es vor allem, dass er "schon frühzeitig die Karten auf den Tisch" legen musste. Seitdem fragt sich nicht nur Löw, wer der Maulwurf ist. Ein öffentliches Nebenthema ist entstanden, das vor dem wichtigen Halbfinale am Donnerstag ungelegen kommt.

Löw, wie auch die beiden Jungstars Marco Reus und André Schürrle, die am Samstag bei der täglichen Pressekonferenz des DFB Rede und Antwort standen, sind sich dabei sicher, dass der "Maulwurf" kein Spieler aus dem Kader ist.

Doch damit haben sie wohl nur teilweise Recht. Denn nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich nicht nur um eine undichte Stelle. Die Informationen, die vor den Gruppenspielen zum Turnierbeginn gestreut wurden, kamen demnach tatsächlich direkt aus dem Mannschaftskader. Der verdächtige Spieler wollte sich jedoch auf Anfrage dazu nicht äußern, auch vom DFB hieß es, solche Vorgänge kommentiere man nicht.

Spielerberater steht unter Verdacht

Dieses erste Leck soll jedoch mittlerweile - so heißt es inoffiziell beim Team - gestopft worden sein. Auch, weil Löw die Problematik eines solchen Vertrauensbruchs offen in der Mannschaft thematisiert hat. "Der Nationaltrainer hat uns deutlich gesagt, dass er das überhaupt nicht gut findet", sagte Schürrle.

Ob der zweite "Maulwurf", der die Aufstellung vor dem Griechenland-Match ausplauderte, jedoch ebenfalls so einfach eingefangen werden kann, ist hingegen äußerst ungewiss. Nach Einschätzung eines prominenten Bundesliga-Managers handelt es sich dabei nämlich nicht um einen Spieler, sondern um einen der einflussreichsten deutschen Berater - auch Löw selbst hatte einen solchen Verdacht nach der Partie schon geäußert.

"Jetzt wird es spannend, was er als Gegenleistung für sein Plaudern bekommt. Wahrscheinlich eine schöne Geschichte über einen seiner Spieler", so der Manager, der ungenannt bleiben wollte. Der vermeintlich indiskrete Berater wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nichts zu den Vorgängen sagen.

Matthäus galt als Plauderer

Für Medien im Sportbereich ist es Teil des Geschäfts, einen guten Kontakt zu den Spielern aufzubauen und zu versuchen, Insider-Informationen vorab zu bekommen. Neu ist die Weitergabe von Interna auch für den DFB nicht. Vielmehr haben Indiskretionen bei der deutschen Nationalmannschaft durchaus Tradition. Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus, Erich Ribbeck, Rudi Völler - ihnen allen wurde eine große Nähe zur "Bild"-Zeitung nachgesagt. Vor allem Matthäus galt in seiner aktiven Zeit als zuverlässiger Informant der Boulevardpresse.

Erst mit dem Teamchef Jürgen Klinsmann, ohnehin kein Freund der "Bild"-Zeitung, wurde eine Politik der Distanz eingeschlagen. Zwischen 2006 und dem Start der diesjährigen EM gab es kaum noch indiskrete Meldungen aus dem DFB-Team. Lediglich als Löw seinen Vertrag vor der WM 2010 nicht verlängern wollte, spielte das Boulevardblatt die vermeintlich direkte Nähe zum damaligen Präsidenten Theo Zwanziger aus.

Umso mehr muss es den Nationaltrainer nun ärgern, dass er derzeit erneut eine undichte Stelle im Kader hat. Dass dies zudem gerade bei einem so wichtigen Turnier wie dieser EM passiert, "finde ich richtig ärgerlich", sagt Lukas Podolski.

Bei allem Unmut - aus dem Konzept hat sich die Mannschaft im bisherigen Turnierverlauf dadurch noch nicht bringen lassen. Schürrle sagt: "Wenn man sich unser Spiel und das Ergebnis von Griechenland anguckt - muss man wohl sagen, dass es wohl kein entscheidender Nachteil für uns war."