Ausländer in der Bundesliga Schweizer Garde

21 Spieler in elf Vereinen: Schweizer bilden die größte Ausländergruppe in der Bundesliga. Sie sind gut ausgebildet - und während sonst in der Schweiz alles teuer ist, sind die Fußballer dagegen geradezu billig.

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In Augsburg werden sie sich an diesem Wochenende treffen, in Mainz auch und viele von ihnen in Sinsheim. Partien der Fußballbundesliga sind Spieltag für Spieltag immer auch ein Aufeinandertreffen von Schweizer Profis. Allein sieben könnten sich am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim Aufeinandertreffen zwischen 1899 Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach begegnen: Pirmin Schwegler, Steven Zuber und Fabian Schär spielen aufseiten der Gastgeber; Yann Sommer, Granit Xhaka, Josip Drmic und Nico Elvedi gehören dem Gladbacher Kader an.

Beim Spiel in Mainz trifft zudem der noch verletzte Schweizer Fabian Frei seinen Landsmann Haris Seferovic, der bei Eintracht Frankfurt spielt. Torwart Marwin Hitz und der FC Augsburg haben den VfL Wolfsburg und damit gleich vier Schweizer zu Gast: Diego Benaglio, Timm Klose sowie Ricardo und Francisco Rodríguez. Beim BVB und HSV, in Leverkusen und Berlin: Auch dort spielen Schweizer. Elf der 18 Erstligisten haben mindestens einen Eidgenossen unter Vertrag. Insgesamt 21 Schweizer spielen in der Bundesliga, damit stellen sie die größte Gruppe der ausländischen Kicker.

Für Hoffenheims Kapitän Schwegler sind diese Statistiken kein Zufall: "In Bezug auf die Sprache und die Mentalität sind sich Schweizer und Deutsche recht ähnlich. Es gibt Werte und Tugenden, die übereinstimmen." Der 28-Jährige spielt seit 2006 in der Bundesliga und ist damit der dienstälteste Schweizer. Damals war er einer von elf Eidgenossen in der höchsten deutschen Spielklasse, heute sind es fast doppelt so viele.

Schweizer in der Bundesliga
  • AFP
    FC Augsburg: Marwin Hitz
  • Werder Bremen: Ulisses Garcia
  • Borussia Dortmund: Roman Bürki
  • Eintracht Frankfurt: Haris Seferovic
  • Hamburger SV: Johan Djourou, Andreas Hirzel
  • Hertha BSC: Fabian Lustenberger, Valentin Stocker
  • 1899 Hoffenheim: Fabian Schär, Pirmin Schwegler, Steven Zuber
  • Bayer Leverkusen: Admir Mehmedi
  • FSV Mainz 05: Fabian Frei
  • Borussia Mönchengladbach: Josip Drmic, Nico Elvedi, Yann Sommer, Granit Xhaka
VfL Wolfsburg: Diego Benaglio, Timm Klose, Francisco Rodriguez, Ricardo Rodriguez
"Grundsätzlich glaube ich, dass man in der Bundesliga in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen mit Schweizern gemacht hat. Die Spieler sind alle gut ausgebildet", sagt Wolfsburgs Torwart Benaglio. Der 32-Jährige gehört wie Schwegler zur alten Schweizer Garde in der Bundesliga, er kam 2008 zum VfL.

2002, als 19-Jähriger, wagte Benaglio erstmals den Schritt nach Deutschland und wechselte zum VfB Stuttgart. "Mir war klar, dass ich dort nur Ersatztorhüter sein würde. Doch allein die Möglichkeit, auf einem höheren sportlichen Niveau zu trainieren, war ausschlaggebend", begründet der Keeper seine damalige Entscheidung.

Bundesliga-Interesse in der Schweiz ist groß

Benaglio spricht einen weiteren wichtigen Punkt an: "In der Schweiz wachsen alle mit der Bundesliga auf. Deshalb ist der Weg nach Deutschland so interessant", sagt Schwegler. Auch der Mainzer Frei betont den Stellenwert, den die Bundesliga in der Schweiz genießt. "Fast jeder schaut sie dort."

Für deutsche Vereine gibt es einen ökonomischen Grund, warum sie auf Schweizer setzen. "Im Vergleich zu anderen ausländischen Profis sind diejenigen aus der Schweiz noch relativ günstig zu haben", sagt Hans-Rudolph Hasler, von 1995 bis 2009 Technischer Direktor beim Schweizerischen Fußballverband. Der HSV etwa zahlte 2,8 Millionen Euro für seinen derzeitigen Kapitän Johan Djourou. Schwegler kostete Hoffenheim 1,9 Millionen Euro. Und Frankfurt ließ sich die Dienste für Angreifer Seferovic 3,2 Millionen Euro kosten. Spieler wie Xhaka und Ricardo Rodríguez, die 2009 mit der Schweizer U17 Weltmeister wurden und die fast zehn Millionen Euro

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Von Hitz bis Rodriguez: Alle Bundesligaprofis aus der Schweiz
kosteten, sind mittlerweile mehr als doppelt so viel wert.

Hasler gilt als der Hauptverantwortliche für die gute Nachwuchsarbeit. "1994, als sich die Schweiz zum ersten Mal seit 1966 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, wollte man nicht erneut 28 Jahre auf eine erfolgreiche Qualifikation warten", so der ehemalige Technische Direktor.

Das Ergebnis war eine Umstrukturierung in der Ausbildung der Spieler, die Früchte dieser Arbeit erntet der Verband seit zehn Jahren. Abgesehen von der EM 2012 nahm die Schweiz seit der EM 2004 an allen großen Turnieren teil. Zum aktuellen Kader, der sich souverän für die EM im kommenden Jahr in Frankreich qualifizierte, gehörten 15 Spieler, die für einen Bundesligisten auflaufen. Dazu kommen ehemalige Deutschland-Legionäre wie Eren Derdiyok, Xherdan Shaqiri und Tranquillo Barnetta.

"Jede Nationalmannschaft profitiert davon, wenn sich ihre Spieler auch im fußballerischen Alltag auf höchstem Niveau messen können", sagt Frei. Und Benaglio prophezeit: "Ich glaube, dass die Zahl der Schweizer Profis in der Bundesliga noch größer wird."



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taylor26 28.11.2015
1.
Da fehlt doch noch der alexander frei :)
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