Taktik-Analyse des BVB-Spiels Die verpasste Chance

Borussia Dortmund hätte das Finale von Wembley gewinnen können. Doch neben den nicht genutzten Chancen in der ersten Halbzeit machten die Schwarz-Gelben auch taktische Fehler. Zwei Duelle waren dabei am Ende spielentscheidend.

BVB-Spieler Gündogan: Partie in der ersten Hälfte verloren
DPA

BVB-Spieler Gündogan: Partie in der ersten Hälfte verloren


Borussia Dortmund hätte das Finale von Wembley entscheiden müssen. Und zwar schon in der ersten Hälfte. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp war das bessere Team mit den klareren Chancen und dem größeren Aufwand. Dieses Nicht-Ausnutzen einer Überlegenheit und zwei schwerwiegende Fehler haben den BVB den zweiten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte gekostet.

Lesen Sie im Folgenden im Detail die Gründe für die Niederlage gegen den FC Bayern.

  • Ausgelassene Tormöglichkeiten

Ein Chancenplus von fünf zu eins reichte der Borussia in den ersten 45 Minuten nicht zu einem Treffer. Der Reihe nach vergaben Jakub Blaszczykowski (zweimal), Robert Lewandowski, Marco Reus und Sven Bender gute Tormöglichkeiten. Bereits am letzten Bundesliga-Spieltag eine Woche zuvor gelang den Dortmundern gegen Hoffenheim bei großer Überlegenheit lediglich ein Treffer. Am Ende gewann auch Hoffenheim 2:1.

  • Der aufwendige Spielstil der Borussia

Die Dortmunder pressten die Bayern früh im Spielaufbau, so dass sich der neue Deutsche Meister im ersten Durchgang nur selten befreien konnte. Der ballführende Spieler wurde sofort von mehreren Schwarz-Gelben eingekreist, so gewann der BVB viele Bälle. Doch diese Spielanlage kostet enorm viel Kraft. Entsprechend war die Mannschaft von Jürgen Klopp den Bayern im zweiten Abschnitt kräftemäßig deutlich unterlegen - was sich auch daran ablesen lässt, dass die Dortmunder aus dem Spiel heraus zu keiner Tormöglichkeit mehr kamen; ihren Treffer erzielten sie per Elfmeter. Zudem fehlte es an Entlastung für die Offensive, dabei wurde das Fehlen von Mario Götze am deutlichsten sichtbar. Aufgrund des fortschreitenden Kräfteverschleißes gelangen Gegner Bayern die Tore.

  • Die Treffer der Bayern

Bis zum Finale von Wembley gewann die Borussia in dieser Champions-League-Saison nach langen Bällen in die eigene Abwehr 71 Prozent der sogenannten zweiten Bälle. Im Endspiel setzte sich die überragende Quote weitestgehend fort, aber zwei spielentscheidende Duelle verloren sie:

Nachdem sich Ilkay Gündogan im Alleingang in der Bayern-Abwehr festgedribbelt hatte, konnte Mario Mandzukic den langen Ball von Manuel Neuer sogar mit der Brust auf Franck Ribéry ablegen. Neven Subotic griff nicht ein, sondern verließ beim Dribbling des Franzosen anschließend sogar das Abwehrzentrum, so dass Arjen Robben in seinem Rücken entwischen konnte. Mats Hummels, bis dahin sehr stark, versuchte, eine Abseitsposition zu stellen, anstatt sofort Richtung Torlinie zu laufen. So hätte er den Ball von Robben auf den Torschützen Mandzukic wahrscheinlich abfangen können.

Das zweite Tor fiel erneut nach einem langen Ball der Münchener: In Überzahl gelang es der weit links stehenden Abwehr um Mats Hummels nicht, den viel kleineren Ribéry am Zuspiel auf den heransprintenden Robben zu hindern, den Sven Bender aus dem Mittelfeld zuvor wegen fehlender Frische hatte ziehen lassen müssen. Hummels und Subotic kamen beim Dribbling des Niederländers zu spät und sahen, wie bereits beim ersten Treffer, auch in dieser spielentscheidenden Szene nicht gut aus.

Christian Brand ist ehemaliger Bundesliga-Profi und trainiert derzeit die U21 des Schweizer Erstligisten FC Luzern. Für SPIEGEL ONLINE analysiert er regelmäßig wichtige Spiele des internationalen Fußballs.

insgesamt 99 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
digiman 27.05.2013
1. Und der Schiedsrichter...
hatte mit dem Spielausgang nichts zu tun? Als neutraler Zuschauer ist man schon etwas fassungslos, wenn eine klare rote Karte (Ribery 26. Minute wegen Tätlichkeit) und eine dunkelgelbe bis rote Karte (Dante gegen Reus) nicht gegeben werden. Auch Lewandowsky hätte vom Platz gemusst nach seinem üblen Foul. Aber so ist das wohl in der Welt der UEFA - hier geht es schon lange nicht mehr um den Sport, hier geht es nur noch um den Kommerz. Und wer nach dem Attentat auf den britischen Soldaten (mit Macheten und Messern) vor dem Spiel Schwertkämpfer aufziehen lässt, dem ist eh nicht mehr zu helfen.
cruxxx 27.05.2013
2. in dieser analyse fehlt einiges...
- keine ecke der dortmunder kam an - fast jede ecke der bayern war gefährlich - die torchancen der dortmunder waren alle nicht zwingend - allein in der ersten halbzeit hatten die bayern 4 bis fünd großchancen (nicht zuletzt durch ecken) - ab der 30 minute konnten die bayern mehrfach ein powerplay aufziehen, bei denen es regelmäßig gefährlich wurde. insbesondere robben war immer wieder frei vorm tor ...
hlzmchl 27.05.2013
3. Taktik hin oder her...
... geht hier auch mal irgendeiner auf den grottenschlechten Schiedsrichter aus Italien ein???In der 27. klare Tätlichkeit von Herrn Ribery NICHT mit Rot geahndet und nach dem Elfmeter KEINE gelb-rote Karte gegen Herrn Dante!!!Dann wäre die Taktik völlig egal gewesen denn mit 11 gegen 9 spielt es sich gaaanz anders!Und die klare Tätlichkeit von Herrn Lewandowski gegen Boateng hätte daran auch nichts geändert!Und den Elfmeter hätte ein Schiedsrichter der F-Jugend gegen!Also drei katastrophale Fehlentscheidungen!!!Bayern-Dusel also wieder!Aber die Italiener können jetzt sagen das Juve gegen den späteren Sieger rausgeflogen ist-mit Auge gemacht?!Schönes Ding!Hoffentlich greifen die Schiris in der Bundesliga gegen die Bayern-Diven in der nächsten Saison mal richtig durch...
viwaldi 27.05.2013
4. Brauche Hilfe
warum war das Tor von Mandzukic nicht Abseits? Beim Pass in die Spitze stand er im passiven Abseits (?). Dann kam der Ball zu ihm, da stand er nicht mehr im Abseits, aber er hatte also einen Vorteil aus seiner vorherigen passiven Abseitsstellung. Ist das regulär oder habe ich die Regeln nicht verstanden (oder kenne sie nicht alle). Dank im voraus.
spon-facebook-589838095 27.05.2013
5. Chancenverhältnis 5:1?
Wovon redet der Mann? Zur Halbzeit war das Chancenverhältnis ausgeglichen. Richtig wäre die Zahl, wenn er sich nur auf die ersten 25 Minuten bezöge, nicht aber über die komplette erste Halbzeit. Wobei ja auch nicht jeder Schuss ein Tor sein kann, außer der Chance von Kuba waren das alles keine hundertprozentigen Dinger, die man zwingend machen muss.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.