Umstrittenes Hopp-Interview im ZDF "Perfekt inszenierte Hetze"

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp durfte im ZDF-Sportstudio über seinen Konflikt mit den Ultras sprechen - ohne kritische Nachfragen. Der Sender sieht darin offenbar kein Problem.
Mäzen Dietmar Hopp: Fragwürdiger Auftritt

Mäzen Dietmar Hopp: Fragwürdiger Auftritt

Foto: Uwe Anspach / dpa

Dietmar Hopp sieht direkt in die Kamera, er wirkt ernst. Sein Blick fährt wieder und wieder von links nach rechts. Hopp liest offenbar einen Text ab, wie man es von Politiker-Ansprachen kennt. Womit wir beim Problem wären. Denn Hopp soll in diesem Moment keine Ansprache halten - er soll interviewt werden.

Am Samstag vergangener Woche bekam Hopp, Mitbegründer des Softwarekonzerns SAP und Mäzen des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim, im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF die Gelegenheit, unter anderem über den Konflikt zwischen ihm und den Ultras zu sprechen. Was dem Anschein nach ein journalistisches Interview war, erwies sich als Vortrag, einseitig und ohne nötige kritische Einordnung. 

Nun stehen die Proteste der Ultras in einem fragwürdigen Licht, das ZDF in der Kritik, auch wenn es selbst von einem "nicht unüblichen" Vorgehen spricht. Und auch der Moderator Jochen Breyer wird zum Thema, weil er erst zu Jahresbeginn einen Auftritt bei einer Veranstaltung der TSG hatte und nun keine gute Figur in seiner Rolle als Interviewer machte. Unter diesen Umständen war Hopps Auftritt für niemanden hilfreich - außer für Dietmar Hopp selbst.

Was war passiert?

Üblicherweise werden im Sportstudio Interviews so geführt: Die Moderatorin oder der Moderator stellen Fragen, die interviewte Person antwortet, woraufhin kritisch nachgehakt werden kann. Bei Hopp aber gab es keine Chance auf Nachfragen. Ihm wurden Fragen schriftlich zugeschickt, deren Antworten er ausarbeiten und dann per Videobotschaft vortragen durfte.

Ein Interview via Telefonschalte sei zwar "angestrebt" gewesen, teilte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann auf SPIEGEL-Anfrage mit. Sie sei aber "aus organisatorischen Umständen" kurzfristig nicht zustande gekommen. Schriftliche Befragungen seien zudem kein ungewöhnliches Vorgehen, ließ das ZDF wissen - schriftlich übrigens, zu einem Telefoninterview war man dort nicht bereit. Weiter hieß es: "Unter Abwägung aller Gesichtspunkte haben wir diese Form in diesem Fall akzeptiert."

Das Resultat sah so aus: "Sind Krisen wie diese, die deutlich machen, wie wichtig das Miteinander in einer Gesellschaft ist, eine Chance, um alte Konflikte beizulegen und aufeinander zuzugehen?", fragte das Sportstudio.

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Statt darauf einzugehen, stellte Hopp in seiner Videobotschaft zunächst einmal sein soziales Engagement heraus. Dann sagte er, es würde ihn "natürlich freuen, wenn diejenigen, die mich grundlos seit 13 Jahren beschimpfen, irgendwann einmal damit aufhören". Und wenig später, über Schmähungen gegen ihn rund um das Hoffenheim-Heimspiel gegen den FC Bayern am 29. Februar: "Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben." Er wolle das vergessen, wenn "das von nun an Geschichte ist".

Grundlose Beschimpfungen? Hetze?

An diesen Stellen hätte es der Einordnung bedurft. Denn wenn man Hopps Ausführungen unwidersprochen stehen lässt, erscheinen die Fanproteste gegen ihn in einem neuen Licht. Einem, das Hopp selbst unbeschadet lässt. Statt Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung in der Bundesliga oder Kollektivstrafen seitens des DFB blieben dann Fanaktionen übrig, deren Anliegen entkernt wäre. Das nicht benannt zu haben, ist ein journalistisches Versäumnis.

Das ZDF sieht das anders. Es weist darauf hin, dass es versucht habe, eine Gegenstimme zu Wort kommen zu lassen. "Die Statements von Dietmar Hopp blieben nicht unkommentiert", teilte ZDF-Sportchef Fuhrmann mit. Einem Vertreter eines Dortmunder Fan-Zusammenschlusses sei die Gelegenheit gegeben worden, sich vor der Kamera zu äußern. Er habe sich aber nur mit der Äußerung zitieren lassen wollen, dass "das Thema Dietmar Hopp derzeit egal" sei und dessen Statement für sich spräche.

Damit macht es sich das Sportstudio etwas zu einfach.

Kritische Stimmen gab es durchaus, nur eben nicht in der Sendung. Ein Sprecher vom Bündnis ProFans sagte dem SID etwa, Hopp habe "bis heute nicht verstanden, worum es im Kern der Proteste wirklich ging", nämlich vor allem gegen die Kollektivhaftungen seitens des DFB. Hopp ist vielen Ultras zum Symbol geworden, erst für die Kommerzialisierung des Fußballs, dann für aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Strafen gegen Fans.

Zum anderen wäre es, wenn denn die Gegenstimme ausbleibt, an Moderator Breyer gewesen, die Aussagen kritisch einzuordnen und damit zu verhindern, dass das ZDF zu Hopps Verlautbarungskanal wird.

Gute Stimmung am Weltknuddeltag

Breyers Einsatz ist auch wegen eines anderen Umstands diskutabel. Erst im Januar hatte der 37-Jährige einen Auftritt als Moderator beim "Neujahrsempfang" der TSG Hoffenheim, Hopps Verein. "Moderator Jochen Breyer", heißt es auf der Homepage des Klubs , "der durch den Abend führte, ließ alle Gäste zunächst aufstehen und sich gegenseitig umarmen. Der Grund: Es war der 'Weltknuddeltag' (Hugging Day). Der ZDF-Moderator sorgte so für eine innige Atmosphäre und gute Stimmung bei den Gästen."

Dass freie Mitarbeiter Termine wie diesen wahrnehmen, ist nicht ungewöhnlich und aus ihrer Sicht legitim. Die Frage in diesem konkreten Fall ist, ob ein Interessenkonflikt ausgeschlossen werden kann, wenn ein Journalist die Veranstaltung eines Fußballklubs moderiert und kurz darauf dessen Mäzen interviewen soll. Und ob solch eine Konstellation sinnvoll ist, wenn sie auch leicht hätte vermieden werden können. Derzeit gibt es vier Sportstudio-Moderatorinnen- und Moderatoren.

Auf die Frage, ob es nicht eine geeignetere Person für ein Hopp-Interview gegeben hätte, verwies ZDF-Sportchef Fuhrmann auf Breyers Unabhängigkeit. Dieser führe keine private oder geschäftliche Beziehung zu Dietmar Hopp. Hopp selbst sei beim Hoffenheimer Neujahrsempfang nicht anwesend gewesen.

Anm. d. Red.: In einer früheren Textfassung war die Rede von "Schmähungen gegen ihn [Hopp] rund um das Bayern-Heimspiel gegen Hoffenheim". Tatsächlich hatte bei der gemeinten Partie Hoffenheim ein Heimspiel.

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