Neuer Schalke-Trainer Grammozis Mit eigenem Kopp

Der Trainer Nummer fünf ist da: Dimitrios Grammozis soll die Bundesligasaison beim FC Schalke mit Würde abwickeln. Ihm traut man im Verein auch den Neuanfang zu.
Der neue Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis

Der neue Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis

Foto: Ronald Wittek / dpa

Der FC Schalke 04 wird immer noch gern, und auch zu Recht, als »großer« und »emotionaler« Verein bezeichnet. Er ist auch ein »Kumpel- und Malocherklub«. Manche bestehen auf der Tradition, manche können es nicht mehr hören. Für eine Abwechslung bei den Formulierungen sorgte am Mittwoch Dimitrios Grammozis. Der neue Trainer sagte bei seiner Vorstellung, dass Schalke »nicht gerade der Tiki-Taka-Klub« sei.

Nein, das ist er wahrlich nicht. Der FC Schalke 04 rumpelte sich mit erstaunlicher Konstanz auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Grammozis wird als Trainer angesehen, der den Klub mit Anstand in die zweite Liga führen soll, vor allem, ohne sich selbst zu beschädigen, da ihm zugetraut wird, die Schalker sofort wieder nach oben zu führen.

Es wäre also interessant gewesen, von ihm einen Plan zu erfahren, der über das nächste Spiel hinausgeht. Doch sein Plan, genau wie der des neuen Sportchefs Peter Knäbel, war es, nur bis zum nächsten Spiel Einblick zu gewähren. »Mein Ansatz ist ganz klar Mainz 05«, sagte Grammozis. Der Tabellenvorletzte wird am Freitag in die Gelsenkirchener Arena kommen.

»Wenn man von der Braut überzeugt ist«

Vorstellungen von Schalker Trainern gab es in den vergangenen Jahren so viele, dass erstaunlicherweise von nahezu jedem Antritt ein Spruch hängen geblieben ist. »Lasst mich mal machen«, etwa hatte Manuel Baum Ende September gesagt und dann schnell gezeigt, dass sie ihn besser nicht hätten machen lassen. Dimitrios Grammozis war damals auch in der engeren Wahl, aber der inzwischen freigestellte Sportvorstand Jochen Schneider entschied für Baum. Kurz vor Weihnachten fiel die Wahl dann auf Christian Gross, wieder fiel Grammozis durch. »Immer, wenn es nicht geklappt hat, stachelte es mich mehr an«, sagte der 42 Jahre alte Grammozis, der in Velbert am südlichen Rand des Ruhrgebiets aufwuchs.

Dann fiel der Satz, der es ins Gedächtnis schaffen wird: »Wichtig ist, dass man dranbleibt, wenn man von der Braut überzeugt ist.«

Grammozis spielte von 1996 bis 2013 Profifußball, unter anderem beim Hamburger SV, dem 1. FC Kaiserslautern und 1. FC Köln. Als er dann nahtlos ins Trainerleben einstieg, kehrte er in Heimatnähe zum VfL Bochum zurück. Er pendelte zwischen Jugend- und Seniorenbereich, zwischen Assistent und Chef.

Etwas Derbes, Rustikales

Chef einer Profimannschaft wurde er erst im Februar 2019 beim SV Darmstadt 98 in der zweiten Liga. Es war eine recht erfolgreiche Zeit, vor allem, nachdem festgestanden hatte, dass sie schon im Sommer 2020 wieder enden würde. Grammozis lehnte ein Vertragsangebot der »Lilien« ab. Das hätten andere bei gleicher Vita sein lassen, um sicher im Karussell zu bleiben.

Grammozis hat seinen eigenen Kopp, wie es im Ruhrgebiet heißt. Das sagen auch erfahrene Trainer, die seinen Weg schon beim VfL Bochum beobachteten. Er sei fachlich hervorragend, ohne das Fachliche in den Vordergrund zu rücken. Er komme mehr vom Fußball her, was bedeuten soll, dass er auch etwas Derbes, Rustikales haben kann.

Eine Stärke von Grammozis soll es sein, Zugang zu jedem im Kader zu finden. Das wäre gerade im Fall von Schalke wichtig, sollte es stimmen. »Die beste Variante« nannte Peter Knäbel den neuen Trainer. Sein Profil schärfte er mit dieser Personalie gewiss nicht, denn Grammozis war eine Idee, die auch Jochen Schneider schon hatte. Knäbel soll aber schon in der Hinrunde ein Befürworter von Grammozis gewesen sein. Nun, da er das Sagen hat, ist sein Favorit zum Zug gekommen.

Nach dem personellen Kahlschlag am vergangenen Sonntag wurde Knäbel vom Direktor des Nachwuchsleistungszentrums »bis auf Weiteres« zum Träger der »sportlichen Gesamtverantwortung« ernannt. Das ist für das Jetzt eine brauchbare Beschreibung, aber im Morgen sollte es dann schon ein klar definierter Posten sein, der sich auch im Organigramm findet.

Knäbel könnte etwa Jochen Schneider im Vorstand ersetzen. Dafür müsste er aber vom Aufsichtsrat bestellt werden, der sich im Juni nach einer Wahl durch die Mitgliederversammlung ganz anders darstellen könnte. Oder wird er Sportdirektor? Knäbel mied eine Antwort, genau wie er einen Einblick in seine Planungen verweigerte. »Nur Mainz ist im Fokus und wichtig.« Die Absprache mit dem Trainer hatte in diesem Moment schon etwas von Tiki-Taka.

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