NBA-Altstar Dirk Nowitzki The German Vorruheständler

Dirk Nowitzki geht in sein 21. NBA-Jahr. Während der Fokus seines Teams auf jungen Talenten liegt, wird sich der Altstar selbst in ungewohnter Rolle zurechtfinden müssen. Helfen soll dabei unter anderem: Kaffee.

Dirk Nowitzki
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Dirk Nowitzki

Von Philipp Awounou


1998 kam Dirk Nowitzki aus Würzburg in die NBA. Ein 2,13 Meter großer Schlaks, 19 Jahre alt, mit gutem Wurf und schlechtem Englisch. "German Wunderkind" tauften ihn US-Medien.

Zwei Jahrzehnte später geht Nowitzki in seine 21. Saison bei den Dallas Mavericks, kein Profi spielte je länger für dasselbe Team. Werfen kann er nach wie vor, nur Wunderkind nennt ihn heute keiner mehr. Stattdessen: "The Big Mummy", die große Mumie.

Nowitzki nimmt den zweifelhaften Spitznamen mit Humor, doch in der Sache beschreibt er durchaus treffend die sportliche Entwicklung des NBA-Champions von 2011: Das Spiel des Altstars befindet sich in einem langsamen, aber steten Verfallsprozess. Binnen fünf Jahren sank der Punkteschnitt des Deutschen von 21,7 Zählern pro Spiel auf 12.

In der kommenden Saison wird sich der Einfluss Nowitzkis weiter verkleinern - auch formal. Er rückt ins zweite Glied, erstmals in seiner Karriere wird er von der Bank kommen. Seinen Platz in der ersten Fünf übernimmt Center-Zugang DeAndre Jordan, der in Dallas einen Einjahresvertrag unterschrieben hat, der ihm 29 Millionen US-Dollar einbringt.

Als sechster Mann steht Nowitzki vor ungewohnten Herausforderungen. Er gilt als "Slow Starter", als einer, der eher gemächlich in Spiele hineinfindet. In der Rolle des Bankspielers kann sich Nowitzki den Luxus des Eingroovens nicht mehr erlauben. Eine vorläufige Lösung präsentierte er augenzwinkernd beim alljährlichen NBA Media Day: "Ein Extra-Kaffee, dann läuft das."

Aktueller Status: verletzt

Aktuell plagen Nowitzki allerdings Probleme, die auch Koffein nicht beheben kann. Im April war der Deutsche am Knöchel operiert worden, spielfähig ist er noch immer nicht. Wann genau Nowitzki auf den Court zurückkehren wird, ist ungewiss. Immerhin: Einige nicht unbedeutende Aspekte seiner Rolle kann die große Mumie auch ohne fitte Beine ausfüllen.

In Trainingspausen, während Timeouts, im Flugzeug oder beim Mannschaftsessen wird Nowitzki reichlich Gelegenheit haben, Erfahrungen weiterzugeben und Hilfe zu leisten. Mentor zu sein. In der Kabine ist sein Einfluss noch immer groß. 2017 wählte ihn die NBA-Spielergewerkschaft zum "Teammate of the year".

Toptalente Doncic und Smith Jr.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte Nowitzki dem Toptalent der Mavericks schenken: Luka Doncic. Der Slowene steht vor seiner ersten NBA-Saison, er gilt als Jahrhunderttalent - und als Nowitzkis legitimer Nachfolger. Mit 16 Jahren gab er sein Profidebüt bei Real Madrid.

Drei Jahre später ist Doncic dreifacher spanischer Meister, zweifacher spanischer Pokalsieger, Europameister, EuroLeague-Gewinner, EuroLeague-MVP und MVP der spanischen Liga - um nur die größten seiner Auszeichnungen zu nennen. Noch vor seinem NBA-Debüt ist "The Slovenian Sensation" dem höchsten europäischen Niveau entwachsen, in einem Alter, in dem Nowitzki noch in der zweiten Basketball-Bundesliga gegen Teams wie Breitengüßbach oder Speyer spielte.

Luka Doncic
AP

Luka Doncic

Doncics wohl größte Stärken sind seine Übersicht und Spielintelligenz. Fähigkeiten, die Nowitzki schon nach nur wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten bezeugen kann. "Die Art, wie er Verteidigungen liest, ist fantastisch", sagte er beim Media Day. "Ich habe noch nie einen jungen Spieler mit so einer guten Übersicht gesehen."

Im allgemeinen Hype um Doncic, der in Dallas als Flügelspieler auflaufen wird, geht fast unter, dass die Mavericks noch einen zweiten hochveranlagten Youngster im Kader haben: Dennis Smith Jr. - Der explosive Point Guard geht in sein zweites NBA-Jahr und könnte sich wie Doncic zu einem Superstar entwickeln.

Mit Nowitzki in die Post-Nowitzki-Ära

Gemeinsam sollen Doncic und Smith die seit Jahren erfolglosen Mavericks in eine glorreiche Post-Nowitzki-Ära führen. Vor allem zugunsten ihrer weiteren Entwicklung erfolgte die Abberufung Nowitzkis aus der Startformation: Sein Center-Ersatz Jordan ist ein exzellenter Athlet und Blocksteller, was den Ballführern Doncic und Smith entgegenkommt.

Nowitzki wiederum soll von der Bank wichtige Impulse setzen. Sein Wurf fällt nach wie vor sicher, hinter der Dreierlinie wird der 40-Jährige konstant Gegenspieler binden - und damit Platz in der Zone schaffen. Defensiv absichern dürfte ihn unter anderem sein deutscher Teamkollege Maxi Kleber, der in der Vorbereitung auf sein zweites NBA-Jahr einen guten Eindruck hinterließ.

In der Nacht auf Donnerstag (4.30 Uhr MEZ) beginnt sie, Nowitzkis Rekordsaison. Ob seinen Mavericks in der hochklassigen Western Conference der Sprung in die Play-offs gelingt, hängt vor allem von der Performance seiner Erben Doncic und Smith ab; aber auch vom Zeitpunkt seiner eigenen Rückkehr.

Und natürlich von der Qualität seines Kaffees.



insgesamt 2 Beiträge
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ole#frosch 17.10.2018
1. Schröder bei OKC
Herr Schröder startet am 16.10.2018 auf der Position des point guard für die Oklahoma City Thunder. Er wurde in der offseason von den Atlanta hawks dort hin getauscht (trade). Bitte in der Bildergalerie anpassen. Aber schön, das ihr über diesen Mannschaftssport berichtet. Ich denke die NBA ist die Liga, die ihren Spielern im Schnitt das höchste Gehalt zahlt.
dietereisen 20.10.2018
2. Dirkules
Dirk war zu seiner besten Zeit der wohl beste Deutsche Sportler überhaupt. Charakterlich sowieso.. immer freundlich, immer bescheiden. Auf wie viel Geld er schon verzichtet hat.. nur damit dieses dann in Verstärkungen fürs Team fließen konnte. Ach.. man kann einfach nichts schlechtes über Ihn sagen. Die Filme ''how Dirk became Dirk'', ''Dallas road to championchip'', und ''Der perfekte Wurf'' sind allesamt klasse.
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