Disco-Affäre Hoeneß verteidigt Kahns Kneipentour

Oliver Kahns Discobesuch im nächtlichen Karlsruhe sorgt beim FC Bayern München weiterhin für Unruhe. Im Gegensatz zu Trainer Ottmar Hitzfeld, der die Aktion des Mannschaftskapitäns scharf kritisierte, zeigt Manager Uli Hoeneß großes Verständnis für den amüsierfreudigen Keeper.


Uli Hoeneß: "Ich kann nichts Schlimmes daran finden"
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Uli Hoeneß: "Ich kann nichts Schlimmes daran finden"

München - "Oliver ist einer, der auch einmal danach lechzt, aus diesem Käfig auszubrechen, den wir ihm alle gebaut haben. Und das hat er getan, und ich kann nichts Schlimmes daran finden, solange dies nicht zum Dauerzustand wird", sagte Hoeneß am Dienstag.

"Was jetzt passiert, ist übertrieben. Oliver war im ganzen Leben immer sehr diszipliniert. Er hat in den letzten zwei Jahren ein Bild geformt, das nahezu perfekt ist, wie in Stein gemeißelt", ergänzte Hoeneß, "ich glaube, dass man aus Oliver eine Maschine machen wollte, und das kann ein Mensch nicht sein."

"Kahn kann nicht in die Disco gehen"

Der Bayern-Manager, der die gegen Kahn verhängte Geldstrafe in Höhe von angeblich 50.000 Euro für angemessen hält, vermutet eine gezielte Kampage hinter der Berichterstattung über den Discobesuch des Nationalkeepers. "Plötzlich wissen Leute, wo Oliver über Nacht ist. Das ist komisch", sagte Hoeneß, "wenn wir das Gefühl haben, dass Oliver bewusst verfolgt wird, werden wir massiv dagegen vorgehen."

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hatte weitaus weniger Verständnis für das Verhalten des derzeit verletzten Kahn gezeigt. "Wenn man in der Reha ist, muss man alles tun, um wieder fit zu werden. Da ist ein Discobesuch nicht förderlich. Wenn Oliver dabei ist, ist er immer ein Vorbild. Nun hat er sich eine Auszeit genommen, um den Kopf frei zu bekommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass er in die Disco gehen kann. Das ist schon enttäuschend."

"Oliver benimmt sich nicht schlimm"

Kahn hatte in der Nacht vom Freitag auf Samstag in einer Discothek seiner Heimatstadt Karlsruhe gefeiert. Der 33-Jährige soll bis 5.30 Uhr morgens unterwegs gewesen sein. Der Nationaltorwart, der jüngst öffentlich über Motivationsprobleme klagte, hatte sich in der vergangenen Woche beim Champions-League-Match in Mailand (1:2) einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und muss seitdem pausieren.

Vater Rolf Kahn lässt ohnehin nichts auf seinen Sohn kommen. Es gebe keinen Sportler, "der sich so mit dem FC Bayern identifiziert wie Oliver. Erst wird er nach oben gedroschen und dann wieder nach unten". Dabei werde Oliver "nicht unflätig, er betrinkt sich nicht, er zettelt keine Randale an. Er benimmt sich nicht schlimm".



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