Diskussion um Schiedsrichter DFB ermittelt gegen Klopp und Pizarro

Jürgen Klopp, Claudio Pizarro, Jens Lehmann: Viel Bundesliga-Prominenz übte sich am vergangenen Wochenende in Schiedsrichter-Schelte. Der DFB-Kontrollausschuss hat nun Ermittlungen eingeleitet. Ein Treffen soll den Konflikt zwischen Unparteiischen und Clubs lösen.

Hamburg - Die Schiedsrichter standen am vergangenen Wochenende in der Bundesliga mehr im Mittelpunkt, als ihnen recht sein kann. Trainer und Spieler sahen sich bei wichtigen Entscheidungen benachteiligt - und äußerten ihren Unmut deutlich. Bei der 1:2-Niederlage von Borussia Dortmund beim Hamburger SV hatte BVB-Innenverteidiger Robert Kovac von Schiedsrichter Jürgen Drees nach Spielende die Rote Karte gezeigt bekommen. Der Referee sah sich von dem Kroaten beleidigt und fertigte einen Sonderbericht über das Verhalten des Dortmunder Trainers Jürgen Klopp an.

BVB-Trainer Klopp (2.v.r.): Ermittlungen nach Verbalattacke

BVB-Trainer Klopp (2.v.r.): Ermittlungen nach Verbalattacke

Foto: DDP

Klopp war unmittelbar nach Spielende zu Schiedsrichter Jochen Drees auf das Spielfeld, später in dessen Schiedsrichter-Kabine gestürmt und hatte Drees in einen Disput verwickelt. Der Kontrollausschuss ermittelt nun gegen den BVB-Trainer wegen des Verdachts auf unsportliches Verhalten. Klopp wurde zu einer zeitnahen Stellungnahme aufgefordert.

In Interviews waren am Wochenende unter anderem Claudio Pizarro (Werder Bremen) und Jens Lehmann (VfB Stuttgart) mit zum Teil harschen Unmutsbekundungen über die Leistungen der Schiedsrichter aufgefallen. Pizarro, gegen den der Kontrollausschuss ebenfalls ermittelt, hatte nach dem 0:0 des SV Werder in Bochum gesagt: "Wir haben gegen zwölf Bochumer gespielt. Der Schiedsrichter war eine Katastrophe." Der 30-Jährige wurde wie Klopp zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahmen wird laut DFB über den weiteren Fortgang der Verfahren entschieden.

Im Gegensatz zu Pizarro und Klopp muss Lehmann keine Ermittlungen des Kontrollausschusses befürchten. Da es sich um eine freie Meinungsäußerung und keine Schiedsrichterbeleidigung handele, sei ein Ermittlungsverfahren nicht Trotz seiner verbalen Schelte muss Lehmann keine Konsequenzen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) fürchten. "Ein Ermittlungsverfahren wird nicht eingeleitet. Die Aussagen von Jens Lehmann haben aber die Grenze der verfolgungswürdigen Unsportlichkeit nur ganz knapp unterschritten", sagte Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses.

Lehmann hatte nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt über Schiedsrichter Babak Rafati gesagt: "Wenn man so viele Fehler macht, ist es erstaunlich, dass man noch als Fifa-Schiedsrichter durchgeht. Wir haben allen Grund, uns über die Leistung des Schiedsrichters nicht gerade glücklich zu zeigen. Was der Mann da macht, ist unglaublich." Lehmann kassierte wegen Meckerns die vierte gelbe Karte. "Ich habe nicht einmal etwas Böses zum Schiedsrichter gesagt. Das ist unglaublich, einfach schlecht. Ich finde, es muss Bessere geben. Das kann so nicht weitergehen und ist auch traurig für die Liga. Wir müssen mit Tatsachenentscheidungen leben. Aber das heute war die Krönung", sagte Lehmann.

Mit einer Reihe unglücklicher Entscheidungen hatte sich Rafati, der vor dem 2:0 der Eintracht durch Doppeltorschütze Nikos Liberopolous (18./66.) ein klares Foul des Griechen übersehen hatte, aber nicht nur den Zorn der Stuttgarter zugezogen. Nach dem Anschluss von Martin Lanig (71.) löste der späte Ausgleich von Mario Gomez (87.) heftige Kontroversen aus. Zunächst verweigerte Rafati dem Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels des Nationalstürmers die Anerkennung, ehe er sich von seinem Assistenten Robert Hartmann umstimmen ließ. "Zu dieser Entscheidung möchte ich nichts sagen, weil ich nicht so viel Geld habe, wie ich bezahlen müsste", verkniff sich Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel öffentliche Kritik am Schiedsrichter.

Wegen der sich häufenden Konflikte zwischen Profis und Unparteiischen treffen sich am Montag kommender Woche Spieler, Offizielle und Schiedsrichtervertreter in München. Dort sollen sich die Vereine sowie Vertreter der Unparteiischen und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über die Vorkommnisse der vergangenen Wochen austauschen. "Dieses Treffen ist schon lange geplant. Es sollen verschiedene Sichtweisen ausgetauscht und unterschiedliche Dinge aufgearbeitet werden. Zu den Geschehnissen des vergangenen Bundesliga-Spieltags wird es von Seiten des DFB vorher keine Aussagen geben", sagte DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel.

ulz/sid/dpa

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