Anti-Doping-Agentur zum Fußball Die Kontrolleure laufen hinterher

Die Fußball-Bundesliga ist wieder in vollem Gange - für die Dopingkontrollen gilt das allerdings nur begrenzt. Das Hygienekonzept erschwert den Kontrolleuren die Arbeit - es könnte sogar Manipulation erleichtern.
Das mit den Dopingkontrollen in der Coronazeit ist nicht so einfach

Das mit den Dopingkontrollen in der Coronazeit ist nicht so einfach

Foto: Marius Becker/ dpa

Trotz vollem Wettkampfbetrieb ist der Antidopingkampf in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga weiter eingeschränkt. Wie die Nationale Antidopingagentur Nada am Mittwoch bestätigte, finden trotz der Wiederaufnahme der Spiele kaum Trainingskontrollen statt. Auch Blutproben können nicht wie üblich genommen werden, weil es wegen der Coronapandemie an medizinischem Personal fehlt. Die Ärzte würde derzeit in den Kliniken benötigt, sagte Nada-Chefin Andrea Gotzmann bei der Vorstellung der Jahresbilanz der Agentur.

"Wir haben uns in erster Linie auf die Wettkampfkontrollen fokussiert", sagt Gotzmann. Zu den Trainingstests sagte sie: "Da sind wir noch nicht ganz so weit. Wir müssen das entsprechende Personal dafür bekommen." Beim Fußball sei der Einsatz von Ärzten bei den Dopingkontrollen im Regelwerk vorgegeben - Ärzte sind jedoch durch die Cornoakrise derzeit anderweitig stark gebunden.

Zum Ablauf der Kontrollen erläuterte sie: "Unsere Kontrolleure haben Zugang zu den Stadien. Das ist gewährleistet. Es gibt ganz klare feste Positionen, wo sie sich aufhalten können." Die Kontrollen würden in getrennten Räumen mit "ausreichend Platz", Mund-Nase-Schutz und anderen gängigen Maßnahmen zum Schutz durchgeführt. "Wichtig sind eben die 1,5 Meter Abstand, dort, wo das möglich ist. Bei den Urinkontrollen wird das eingehalten, Blutkontrollen werden im Augenblick nur sehr vereinzelt durchgeführt." Im Hygienekonzept der DFL sind lediglich zwei Kontrolleure pro Spiel vorgesehen.

Abstandsgebot könnte Manipulation erleichtern

Der Abstand bei den Kontrollen sorgt im Antidopingkampf allerdings auch für Schwierigkeiten. Theoretisch können so Manipulationen ermöglicht werden - besonders bei Urinproben ist normalerweise eine unmittelbare Anwesenheit und Einsicht der Urinabgabe vorgeschrieben, um etwa einen Austausch der Proben zu verhindern.

Auf die Frage, wie aussagekräftig die Tests vor diesem Hintergrund aktuell überhaupt seien, reagierte Gotzmann zurückhaltend und sagte: "Dadurch, dass die Räumlichkeiten deutlich erweitert wurden, haben wir die Möglichkeit den Mindestabstand von 1,5 Metern immer einzuhalten. Wir werden auch die Durchführung der Blutkontrollen und auch das Trainingssystem wieder anlaufen lassen und steigern, haben aber hier auch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen gerade bei Blutkontrollen." Man müsse sich "eben langsam an die Normalität herantasten".

Inwiefern unangekündigte Tests möglich sind, sagte die Nada jedoch nicht. Solche Tests, etwa beim Training oder Sportlern zu Hause, sind im Antidopingkampf eigentlich essenzieller Bestandteil. Eine regelmäßige Testung auf unerlaubte leistungssteigernde Mittel ist notwendig. Gerade jetzt mit der erhöhten Belastung durch englische Wochen und nur kurze Pausen könnte eine Leistungssteigerung oder eine Beschleunigung der Regeneration Sinn ergeben.

82 Verfahren wegen Verstößen im Vorjahr

Auf die Frage, inwiefern die verpassten Kontrollen seit Mitte März nachgeholt werden können, sagte die Nada-Chefin: "Wir werden sehen müssen, inwiefern wir Kontrollen nachholen oder intensivieren. Wir werden die Qualität steigern, das heißt, noch mehr Zusatzuntersuchungen machen auf Epo, auf Wachstumshormone oder auch andere."

Zuletzt hatte die Nada im SPIEGEL angekündigt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um auch den Zeitraum ohne klassische Dopingkontrollen nachträglich "genau zu untersuchen. Die Analytik bietet hier verschiedene Möglichkeiten, unter anderem im Rahmen der biologischen Athletenpässe, die Wochen ohne klassische Dopingkontrollen nachzuverfolgen, aber auch die intensive Re-Analyse langzeit gelagerter Proben."

Die Nada hat laut ihrem Jahresbericht im vergangenen Jahr 82 Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen eingeleitet. Dabei wurden 16 Sanktionen - zwei mehr als 2018 - verhängt. Insgesamt entnahm die Nada bei 12.910 Kontrollen während des Trainings und bei Wettkämpfen 17.498 Proben. Außerdem registrierte die Agentur 327 Meldepflichts- und Kontrollversäumnisse.

ara
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