Doppel-Torschütze van Nistelrooy Nr. 22 schießt Hamburg ins Glück

Zwei Tore in zwei Minuten - die Liga mag viele Stars haben, aber sie hat nur einen Weltstar: Ruud van Nistelrooy. Hamburgs Hype um den Neuen erreicht mit dem Triumph gegen Stuttgart eine andere Dimension. Der Mann mit der Rückennummer 22 kurbelt nicht nur den Trikotverkauf an, er erledigt auch noch seinen Job.

HSV-Star van Nistelrooy: Zuständig für kollektive Glücksgefühle
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HSV-Star van Nistelrooy: Zuständig für kollektive Glücksgefühle

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Wer bisher noch kein Trikot hat, kauft sich jetzt eines. In den Fanshops des Hamburger SV sind hysterische Auftritte zu erwarten.

Die Aufregung um Ruud van Nistelrooy in Hamburg wird nach diesem Samstag eine neue Dimension erreichen. Man weiß jetzt, was die doppelte Zwei als seine Rückennummer bedeutet: Zwei Tore in zwei Minuten.

Damit hat er das Auswärtsspiel entschieden, dem VfB Stuttgart die erste Niederlage in diesem Jahr beigebracht, all das bei nur übersichtlichen 25 Minuten Einsatzzeit - Momente, die sich beim Hamburger SV alle gewünscht haben. Die sportliche Leitung und die Marketing-Experten gleichermaßen.

Es geschah gerade zur rechten Zeit. Der seit Wochen über Hamburg hinwegrollende Van-Nistelrooy-Hype schien jüngst schließlich seine erste kleine Delle aufzuweisen. Immer noch kein Einsatz von Beginn an, der Verein selbst im Form- und Ergebnisloch nach drei sieglosen Spielen - keine perfekten Voraussetzungen, um die Dauer-Begeisterung über den Top-Transfer dieses Winters am Leben zu erhalten. Die Boulevardmedien mussten in Ermangelung sportlicher Neuigkeiten auch schon tief in den Mustopf des Menschelnden greifen, um noch Nachrichten über "Van the Man" an den Tag zu bringen. Seine Vorliebe für Nutella-Pizza war da als brandheiße News nachzulesen und Klatsch von seinem Lieblingsitaliener aus Madrid als Aufmacher auf der Sportseite.

Es musste dringend etwas passieren.

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22. Spieltag: Bremen blamiert Hannover, van Nistelrooy überragend
Van Nistelrooy weiß, was er seinem neuen Arbeitgeber und dessen Stadt schuldig ist. Eingewechselt in der 65. Minute beim Stand von 1:1 - in einer Phase, in der der VfB Stuttgart gerade wieder ins Rollen gekommen war. VfB-Verteidiger Träsch hatte die Führung der Hamburger durch Marcus Berg ausgeglichen, die Stuttgarter starteten Angriff auf Angriff aufs Hamburger Tor. Die Zuschauer im Stadion lehnten sich zurück und stellten sich auf den sechsten Sieg nacheinander unter der Regie des neuen VfB-Coachs Christian Gross ein. Und wahrscheinlich wäre es auch so gekommen - ohne van Nistelrooy.

"Ich habe gedacht: Es wird Zeit, dass ich reinkomme"

Es gibt eine im Fußballreporter-Sprech unerträglich häufig gebrauchte Floskel - die von dem Spieler, der den Unterschied ausmacht. Selten war eine Floskel jedoch so dringend richtig wie in diesem Fall. Die Kühle, mit der van Nistelrooy zehn Minuten nach seiner Einwechslung eine Kopfballverlängerung von Robert Tesche zum 2:1 verwertete, und die Lässigkeit, mit der er zwei Minuten später den Ball aus halbrechter Position an Stuttgarts Torwart Jens Lehmann vorbeischob, suchen in der Bundesliga ihresgleichen.

Die Liga hat mittlerweile viele Stars: Ribéry, Robben, sogar so ein Verein wie Hannover 96 kann sich einen Edelangreifer wie den Spanien-Profi Koné erlauben. Aber Ruud van Nistelrooy steht noch eine Stufe darüber. Er ist der einzige Weltstar der Bundesliga.

"Ich habe auf die Uhr geguckt und gedacht: Es wird Zeit, dass ich reinkomme", sagte der Gefeierte später im Interview mit dem Fernsehsender Sky. Ansonsten hat er alle Artigkeiten auf dem Zettel, die das geneigte Publikum in solchen Momenten erwartet. Er fühle sich sehr wohl in Hamburg, er sei froh, dass er den tollen Hamburger Fans jetzt schon etwas zurückgeben könne. Er sei froh über "diese schöne Motivation" - und natürlich, dass man jetzt weitersehen müsse, auf das nächste Spiel, und dass man weiterarbeiten müsse. All die routinierten Statements, die erfahrene Fußballspieler in solchen Situationen perfekt abspulen können. Sky-Moderator Jan Henkel machte jedenfalls anschließend einen glücklichen Eindruck, dass ein Weltstar so gepflegt mit ihm geredet hat.

Die Van-Nistelrooy-Festspiele sind eröffnet. Die Regie hat für den nächsten Akt folgendes vorgesehen: Auftritt in der Euro-League gegen den PSV Eindhoven am Donnerstag. Der Club, mit dem van Nistelrooy dereinst groß geworden ist und von dem aus er in die weite Fußballwelt auszog. Das Szenario liegt für diesen Donnerstag demnach offen auf der Hand: Van Nistelrooy kommt in der 46. Minute ins Spiel, da der HSV bis dahin über ein müdes 0:0 nicht hinausgekommen ist. "Van the Man" macht seinen ersten Hattrick in der Euroleague, und der Hamburger SV eröffnet in der Folgewoche zwei neue Fanshops.

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Weltstar Ruud van Nistelrooy: "Van the Man" kommt an die Elbe

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lorn order 25.01.2010
1. Juuuhuuuu!!!
Zitat von sysopRiesiger Andrang zum Empfang: Ruud van Nistelrooy ist da. Endlich hat der Hamburger SV seinen lang ersehnten Superstar. Und der Holländer einen Verein, bei dem er tun darf, was er am besten kann: Tore schießen - und große Hoffnungen schüren. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673974,00.html
Toll, dass dieser Transfer geklappt hat! Ganz großes Lob für Bernd Hoffmann und Bruno Labbadia! Van Nistelrooy scheint ein bodenständiger Typ zu sein. Für beide Seiten ist es eine win-win-Situation. Van The Man kann sich dank Stammplatzgarantie mit Toren für die WM empfehlen, dem HSV käme ein Torjäger seiner Klasse wie gerufen. Einfach herrlich! Hoffentlich erfüllen sich die hohen Erwartungen wenigstens ansatzweise.
bürgerschreck 25.01.2010
2. Wer hätte das gedacht...
Zitat von sysopRiesiger Andrang zum Empfang: Ruud van Nistelrooy ist da. Endlich hat der Hamburger SV seinen lang ersehnten Superstar. Und der Holländer einen Verein, bei dem er tun darf, was er am besten kann: Tore schießen - und große Hoffnungen schüren. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673974,00.html
Wer hätte gedacht, daß ein Bundesliga-Verein einmal in der Lage sein würde einen der ganz Großen von einem der ganz großen Vereinen zu holen? Und jetzt ist der HSV nach den Bayern (Robben) der zweite, dem dies gelingt. Offensichtlich gehen in Spanien & Co. nach vielen Jahren des Geldvernichtens die Fußballuhren wieder normal. Ich hoffe für den HSV und Ruud, daß er an seine früheren Leistungen anknüpfen kann. Das wäre ein Gewinn für die ganze Liga!
Dylan1941, 25.01.2010
3. Stil
War das eine geile PK heute, die Worte wirkten nicht wie aufgesetzt und die Professionalität in einem Top Businessanzug zu sitzen und nicht wie andere in Casual Klamotten spricht Bände über seine Einstellung
Schreiber5.1 25.01.2010
4. Einer der gut zum HSV passt!
Zitat von sysopRiesiger Andrang zum Empfang: Ruud van Nistelrooy ist da. Endlich hat der Hamburger SV seinen lang ersehnten Superstar. Und der Holländer einen Verein, bei dem er tun darf, was er am besten kann: Tore schießen - und große Hoffnungen schüren. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673974,00.html
Van Nistelrooy und der HSV! Das passt. Er wird die Mannschaft, den Verein bereichern, denn die Hamburger Mentalität ist der Holländischen sehr ähnlich. Und er hat sich als Spieler für den Verein entschieden, der ihm am sympathischsten ist - den HSV. Die englischen Clubs hätten sicher mehr Kies geboten, doch für ihn zählen die Perspektiven im sportlichen Bereich eines durchaus guten Traditionsvereines. Und von Hamburg nach Holland gibt es gute Verbindungen! Also - alles Gute Ruud - alles Gute HSV! Good luck!
Cosmopolitan, 25.01.2010
5. Ruud-Palm Sonntag in der heiligen Hansestadt
Wenn man in den letzten Tagen in den HSV-Foren herumgestöbert hat, gewann man den Eindruck, als hätte der Fußball-Messias auf dem Rücken eines Esels über ausgebreiteten Palmenblättern Einzug in die Hansestadt gehalten. Wie die kleinen Kinder wurde zum Beispiel in dem Forum "Matz Ab" schon über die Meisterschaft noch in diesem Jahr gefaselt. Sicher, die Durststrecke der HSV-Anhänger dauert nun schon seit Ende der 80iger Jahre an und da verliert man angesichts eines so großen Namens wie van Nistelrooy schon die Realität aus dem Auge. Und besonders "Matz ab" kommt dann doch eher wie eine geriatische Selbstbeweihräucherei daher. Und Senioren sagt man ja nicht ganz zu Unrecht oft kindliches bis kindisches Verhalten und Denken nach. Aber daß diesem 33-jährigen, der seit über einem Jahr bis auf 12 (in Worten ZWÖLF) Minuten nicht mehr gespielt hat, und zudem eine zugegeben leichte Verletzung mit nach Hamburg schleppt eine derartige Vorweg-Verehrung entgegengebracht wird, läßt zumindest die Augenbrauen in die Höhe gehen. Sicher: Dem internationalen Ansehen des HSV, dessen Anhänger ich seit mehr als fünf Jahrzehnten bin, kann dieser spektakuläre Transfer nur dienen. Ob er sich sportlich bezahlt macht, erlaubt ein zaghaftes Fragezeichen. Ich hoffe nur, daß die Forums-Euphoristen vom Januar nicht im Mai ihre tiefe Wehmut verwalten müssen. Und ich meine das ernst. Nicht nur dem HSV wäre es zu wünschen, daß er endlich einmal wieder einen nennenswerten Erfolg erzielt. Sich zumindest für die CL qualifiziert. Und dafür sorgt, daß die Säbener Straße nicht weiterhin Eigentumsrechte an der Salatschüssel reklamiert. Dem Ansehen der Liga in Europa wäre damit auch gedient, wenn sich um die Meisterschaft in Deutschland vier oder fünf Clubs balgten.
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