Dortmund - Frankfurt "Wie ein Hühnerhaufen"

Obwohl seine Mannschaft gegen Eintracht Frankfurt den höchsten Sieg der Saison einspielte, war Borussia Dortmunds Trainer Matthias Sammer alles andere als begeistert.


Fredi Bobic (l.) und die BVB-Bank bejubeln den Kantersieg
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Fredi Bobic (l.) und die BVB-Bank bejubeln den Kantersieg

Dortmund - Trotz des deutlichen 6:1 (1:0)-Sieges über Abstiegskandidat Eintracht Frankfurt, einer Serie von 13 Punktspielen mit nur einer Niederlage in Folge und Ekstase auf den Tribünen wollte Matthias Sammer sich nicht vor den Euphoriekarren spannen lassen. "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Das war phasenweise katastrophal, was wir abgeliefert haben. Der Sieg war verdient, das Ergebnis jedoch viel zu hoch", erklärte der Borussia Dortmunds Cheftrainer am Freitagabend. "Wir hätten sogar hinten liegen können, da braucht man die Frage nach der Meisterschaft nicht zu stellen!"

Vor allem in der Zeit zwischen dem Platzverweis für den Frankfurter Alexander Schur und dem Ausgleichstreffer der Gäste sei seine Mannschaft "rumgelaufen wie ein Hühnerhaufen". In der 26. Minute hatte Schur wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot gesehen, was nur vier Minuten später mithalf, als Christian Wörns durch die mit Zuordnungsproblemen behaftete Frankfurter Abwehr rauschte und zum 1:0 einköpfte. Dann jedoch lief in der Tat nicht mehr viel beim BVB, mit einem abgefälschten Schuss des Chinesen Chen Yang gelang der Eintracht in der 48. Minute der nicht unverdiente Ausgleich.

"Die Bayern sind cleverer"

Aber nicht nur Sammer wollte angesichts der Differenz zwischen Ergebnis und gezeigter Leistung seiner Mannschaft abbremsen. "Wir sind noch lange nicht so gefestigt, wie viele das gerne hätten", sagte Fredi Bobic und Manager Michael Meier antwortete auf Fragen nach dem Ziel Meisterschaft: "Das war ein Schritt zur Stabilisierung und in Richtung internationale Plätze, mehr nicht." "Alterspräsident" Jürgen Kohler schien gar den Schulterschluss mit den den Meistertitel stets weit von sich weisenden Rivalen aus Schalke zu suchen: "Die Bayern sind besser und cleverer. Wir stecken noch im Entwicklungsprozess."

Die Entscheidung in einem "kuriosen Spiel" (Sammer) fiel spät und aus Frankfurter Sicht unglücklich. In der 64. Minute erzielte Lars Ricken mit einem klaren Abseitstreffer (64.) die Führung für den BVB, drei Minuten später ließ der Mittelfeldspieler das 3:1 folgen. Fredi Bobic mit seinen sehenswerten Saisontreffern Nummer sechs und sieben (72. und 90.) sowie der eingewechselte Otto Addo (79.) machten den Dortmunder Kantersieg perfekt.

Dohmen versteht seine Mannschaft nicht

Während man sich in Dortmund dem Nachdenken über die Meisterschaft verweigert, guckt man bei Eintracht Frankfurt nach der zweiten Niederlage im fünften Spiel unter Interimscoach Rolf Dohmen tief in den Abstiegsabgrund. "Das ist depremierend", sagte Dohmen, "bis zu diesem Abseitstor zum 1:2 haben wir uns gut verkauft. Danach ist alles über uns zusammengebrochen."

Der Sportdirektor auf der Trainerbank konnte einfach nicht verstehen, weshalb sein Team bei einem 1:3-Rückstand in Dortmund nicht mehr dagegengehalten hatten. "Schließlich kann im Abstiegskampf jedes Tor ein Punkt wert sein." Und Dohmen weiß, dass es in der kommenden Woche nicht einfacher für Frankfurt sein wird, Punkte gegen die Zweite Liga zu sammeln. Dann nämlich kommt Schalke 04 ins Waldstadion.

Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt 6:1 (1:0)
1:0 Wörns (30.)
1:1 Yang (48.)
2:1 Ricken (64.)
3:1 Ricken (67.)
4:1 Bobic (72.)
5:1 Addo (79.)
6:1 Bobic (90.)
Dortmund: Laux - Wörns, Oliseh, Kohler, Dede - Evanilson, Ricken (90. Sörensen), Rosicky (77. Addo), Heinrich - Bobic, Reina (46. Nerlinger)
Frankfurt: Heinen - Berntsen (13. Bindewald), Rada, Kracht - Preuß, Mutzel (70. Wimmer), Schur, Heldt, Gebhardt (74. Kutschera) - Yang, Kryszalowicz
Schiedsrichter: Kemmling (Kleinburgwedel)
Zuschauer: 62.000
Gelbe-Rote Karte: Schur (Frankfurt) nach wiederholtem Foulspiel (26.)
Gelbe Karte: Nerlinger (2), Addo (5), Oliseh (5) - Mutzel (3), Bindewald (2)



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