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Dortmund-Sieg gegen Marseille Triumph von Klopps Schnelldenkern

Der gesperrte BVB-Trainer Jürgen Klopp verfolgte die Partie der Dortmunder aus einer Loge und sah eine durchweg starke Leistung seiner Mannschaft gegen Marseille: schnelles Umschalten, perfektes Konterspiel, ein vielversprechendes Talent - und dazu noch ein bisschen Glück.

Es war ein ungewohntes Bild, das sich den Passanten hinter der Osttribüne nach dem überzeugenden 3:0 (1:0) von Borussia Dortmund über Olympique Marseille bot. Während drinnen die erste Phase der Nachbereitung lief, stand Jürgen Klopp im schwarzen Mantel in der Kälte, er trug eine Umhängetasche, wippte vom einen Bein aufs andere und wartete. Denn die Sperre, die nach seiner Entgleisung von Neapel verhängt worden war, endete erst 15 Minuten nach dem Abpfiff, "und ich bin keine Minute früher reingegangen, weil ich nichts riskieren wollte", erzählte er später.

Erst am heutigen Mittwoch wird nämlich entschieden, ob der Trainer beim nächsten Spiel wieder am Spielfeldrand herumspringen darf, da wollte er keine neue Angriffsfläche bieten. Besonders gut hat es ihm nämlich nicht gefallen dort oben in der Loge. "Man sieht tatsächlich besser, aber ansonsten war es da nicht so wahnsinnig angenehm", sagte er bei der Pressekonferenz, bei der er die Cheftrainerrolle endgültig von seinem für eine Nacht beförderten Assistenten Zeljko Buvac zurückerhalten hatte.

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BVB-Sieg über Marseille: Kein Klopp, kein Problem

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Klopp will mitmischen, Einfluss nehmen, durch die Luft springen und Grimassen ziehen - wobei all das an diesem Abend überhaupt nicht notwendig gewesen ist.

Denn das Dortmunder Spiel lief hervorragend. Bis auf einen etwas heiklen Zweikampf im Strafraum zwischen dem Champions-League-Debütanten Eric Durm und Saber Khalifa (6. Minute), nach dem die Franzosen gerne einen Elfmeter bekommen hätten, gab es keine einzige gefährliche Szene vor dem Tor des BVB.

Ob er die Vorzüge seines Logenplatzes genutzt habe, um die Bewertung dieser Szene auf einem Bildschirm zu untersuchen, wurde Klopp von einem französischen Reporter gefragt, "ich habe nur bei den wichtigen Szenen kurz nach dem Fernseher geschaut", erwiderte er, und klang dabei ziemlich überheblich. Vermutlich war er sicher, dass sein Team dieses Spiel auch nach einem frühen Rückstand gewonnen hätte.

Denn Olympique war vollkommen mit dem sehr guten Umschaltspiel der Dortmunder überfordert. "Am Ende machen viele Kleinigkeiten einen großen Unterschied", sagte Marseilles Trainer Elie Baup nach der Partie. Zum Beispiel die gedankliche Schnelligkeit. Vor dem 1:0 ergab sich nach einem Freistoß der Franzosen eine 6:3-Überzahl-Situation, Robert Lewandowski konnte den Ball nach perfekt vorgetragenem Konter einfach ins Tor schieben (19.). Es war ein symptomatischer Moment für dieses Duell, in dem Marseille mehr Ballbesitz hatte und mehr Zweikämpfe gewann, aber deutlich weniger gelaufen war.

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Champions League: "Kloppos" Logenplatz

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Letzteres sei "der entscheidende Wert", so Klopp, dessen Team mit einer zurückgelegten Gesamtdistanz von fast 127 Kilometern einen Rekord in der bisherigen Champions-League-Saison aufgestellt hatte. Es ist schon beeindruckend, wie gut die Mechanismen beim BVB funktionieren, an diesem Abend fehlte ja nicht nur Klopp. Mitchell Langerak spielte für den rotgesperrten Roman Weidenfeller im Tor, und der 21 Jahre alte Durm vertrat Marcel Schmelzer auf der linken Abwehrseite. Auch die Ausfälle von Ilkay Gündogan und Lukasz Piszczek sind praktisch nicht bemerkbar. Immer taucht jemand auf, der die Lücke mit der erforderlichen Qualität füllen kann. Und das gilt sogar für die Trainerposition.

Gegen Marseille absolvierte Durm sein erstes Europapokalspiel, er habe "ein bisschen Gänsehaut" gehabt, erzählte der Linksverteidiger, der Lewandowskis 1:0 aufgelegt hatte und in der zweiten Halbzeit beinahe noch selbst getroffen hätte. Selbst Lewandowski, der bekanntlich so bald wie möglich zum FC Bayern wechseln möchte, spielt, als sei der BVB sein ewiger Lieblingsclub. Er rannte, rackerte und verwandelte auch noch den Elfmeter zum 3:0 (79.). Und Glück haben die Dortmunder derzeit auch noch, wie bei Marco Reus' Freistoß, der nach 52 Minuten durch den Strafraum geflogen kam und dann neben dem unglücklich aussehenden Torhüter Steve Mandanda zum 2:0 im Tor landete.

"Wir sind jetzt drin in der Gruppe", sagte Klopp, dessen Team endlich einmal das Kunststück vollbringen soll, im Europapokal zu funktionieren, ohne in der Bundesliga nachzulassen.

Wobei die Partie am Samstag bei Borussia Mönchengladbach, die bisher alle Heimspiele gewonnen haben, vermutlich ein kompliziertere Angelegenheit wird als dieser Abend gegen den wohl schwächsten Gegner in der Champions-League-Gruppe.

Borussia Dortmund - Olympique Marseille 3 :0 (1:0)
1:0 Lewandowski (19.)
2:0 Reus (52.)
3:0 Lewandowski (80., Foulelfmeter)
Dortmund: Langerak - Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm - Sahin, S. Bender - Aubameyang (71. Blaszczykowski), Mchitarjan (88. Sokratis), Reus (82. Hofmann) - Lewandowski
Marseille: Mandanda - Mendy, Fanni, Nkoulou, Mendes - Romao, Imbula, Valbuena (81. J. Ayew) - A. Ayew, Payet, Khalifa (81. Thauvin)
Schiedsrichter: Fernandez Borbalan (Spanien)
Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Subotic, S. Bender - Romao, Fanni, Nkoulou

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Foto: SPIEGEL ONLINE
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