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Fotostrecke: Die legendärsten Aufholjagden

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Aufholjagd-Spezialist Votava "Wir waren heiß auf die Revanche"

Kann Dortmund das 0:3 von Madrid noch drehen? Einer, der sich damit auskennt, ist Miroslav Votava. Mit Werder Bremen schaffte er gleich drei legendäre Aufholjagden. Ein Gespräch darüber, wie man das Unmögliche möglich macht.

Miroslav "Mirko" Votava, Jahrgang 1956, ist ein ehemaliger Fußballprofi und heutiger -Trainer. In Prag geboren kam Votava als Kind nach Deutschland. Bei Borussia Dortmund spielte er erst in der Jugend und später bei den Profis (1974-1982). In dieser Zeit schaffte der defensive Mittelfeldspieler den Aufstieg in die erste Liga und absolvierte auch seine fünf Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft, mit der er 1980 den EM-Titel gewann.

Nach einer Station bei Atlético Madrid (1982-1985) ging Votava nach Bremen. Mit Werder gewann er zwei Meisterschaften (1988 und 1993), zwei Mal den DFB-Pokal (1991 und 1994) sowie den Europapokal der Pokalsieger (1992).

Bei drei "Wundern von der Weser" stand Votava auf dem Platz: beim 6:2 n.V. gegen Spartak Moskau (Uefa Cup 1987, Hinspiel 1:4); beim 5:0 gegen Berliner FC Dynamo (Europapokal der Landesmeister 1988, Hinspiel 0:3), beim 5:3 gegen Anderlecht (Champions League 1993, Halbzeitstand 0:3). Derzeit trainiert Votava Werders U19-Mannschaft.

SPIEGEL ONLINE: Herr Votava, Sie sind so etwas wie ein Spezialist für Fußballwunder - braucht der BVB nach dem 0:3 in Madrid eins?

Votava: Ein kleines vielleicht, aber das traue ich ihm zu. Das Schwerste haben sie ohnehin schon geschafft.

SPIEGEL ONLINE: Und das wäre?

Votava: Die Bundesliga-Spiele zwischen den Europapokalpartien. Wenn man im Hinspiel eine Klatsche kassiert hat, denkt man direkt an die Revanche. Sich dazwischen für die Liga zu motivieren, fällt schwer. Aber die Dortmunder haben das mit dem Sieg gegen Wolfsburg ja gut geschafft.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen also, ein 2:1-Sieg gegen Wolfsburg ist schwieriger, als ein 0:3 gegen Real Madrid aufzuholen?

Votava: Na ja, das vielleicht nicht. Aber sich für die Partie überhaupt zu motivieren, das ist die Kunst. Vor einem Spiel gegen Real Madrid muss man niemanden heißmachen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Leidenschaft ist ja nicht alles, spielerisch war Dortmund in Madrid klar unterlegen.

Votava: Ja, vor allem wegen der vielen Verletzten. Aber man darf sich nicht blenden lassen von großen Vereins- oder Spielernamen. Wenn sich der BVB auf seine Stärken konzentriert, dann hat er auch Möglichkeiten, weiterzukommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben das damals mit Werder gegen den BFC Dynamo aus Berlin und Spartak Moskau erlebt. Haben Sie denn als Spieler wirklich noch daran geglaubt, es schaffen zu können?

Votava: Immer. Wir haben nach den Klatschen in Moskau und in Berlin keine zusätzliche Motivation gebraucht. In Berlin standen die Gegner nach dem 3:0 schon auf dem Zaun und haben sich feiern lassen. Das haben wir uns gemerkt, wir waren heiß auf die Revanche.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, ihr damaliger Trainer, Otto Rehhagel, musste gar keine große Anheizreden mehr halten?

Votava: Oh doch. Otto hat sich immer was Neues einfallen lassen. Ich habe Hunderte Spiele unter ihm gemacht, aber er hat wirklich immer wieder frische Sprüche rausgehauen, die uns motivieren sollten - und das hat auch funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Sie galten als kompromissloser Abwehrspieler. Mussten Sie aufpassen, nicht zu aufgeputscht ins Spiel zu gehen?

Votava: Sobald der Ball rollte, ging es nur darum, gut in die Zweikämpfe zu kommen. Der Gegner muss gleich merken, dass du da bist. Immer im Rahmen des Erlaubten, versteht sich. Aber solche Spiele gingen schon im Kabinengang los. Da konnte es schon passieren, dass man dem Gegenspieler beim Händeschütteln mal auf den Fuß getreten ist. Aus Versehen, natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Natürlich. Ist Ihnen das auch mal "passiert"?

Votava: Nein, immer nur anderen (lacht).

SPIEGEL ONLINE: Aber allein mit Zweikämpfen gewinnt man kein Spiel. Was war denn Rehhagels Taktik damals?

Votava: Natürlich die "kontrollierte Offensive"! Wir durften auf keinen Fall Hurra-Fußball spielen, das gilt für den BVB gegen Real Madrid auch. Sonst greift man an, kassiert das Gegentor und das war's dann. Geduld ist ganz wichtig, das 1:0 kann auch erst in der 60. Minute fallen - dann ist immer noch alles drin.

SPIEGEL ONLINE: So wie 1994 gegen Anderlecht, als Sie mit Werder zur Pause 0:3 hinten lagen...

Votava: Genau. Ich hab mir das Spiel ein paar Jahre später nochmal auf Video angesehen und dachte, das Band ist kaputt. Ich hab gespult und gespult, aber unser erstes Tor war erst so spät gefallen, in der 66. Minute. Das hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung.

SPIEGEL ONLINE: Am Ende hieß es 5:3 für Werder, Anderlecht brach total auseinander. Wie haben Sie das damals auf dem Platz gespürt?

Votava: Wir haben gemerkt, dass bei Anderlecht keiner war, der vorangeht. Wenn die Mannschaft in so einen Negativsog gerät, dann braucht man solche Typen, wie wir sie zum Beispiel mit Rune Bratseth, Dieter Eilts und Marco Bode hatten. Dortmund hat auch solche Spieler: Mats Hummels oder Sokratis.

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