Bayern-Triumph in Dortmund Guardiolas Bank-Geheimnis

Der FC Bayern hat das Spitzenspiel gegen Dortmund dank zweier Einwechselspieler gewonnen. Mario Götze und Thiago machten den Unterschied - weil Coach Pep Guardiola den BVB mit geänderter Spielweise überraschte. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zollte dem Spanier Respekt.

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Aus Dortmund berichten , und Sebastian Winter


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Eine Mischung aus Bitterkeit und Anerkennung schwang mit, als Jürgen Klopp am Ende dieses schmerzlichen Abends den entscheidenden Moment der Partie in Worte fasste. Es sei ein "cooler Move" seines Münchner Gegenübers Pep Guardiola gewesen, im Laufe der zweiten Halbzeit erst Mario Götze und kurz darauf auch Thiago in die Partie zu schicken, sagte Dortmunds Trainer. Am Ende gewann der FC Bayern deutlich 3:0 gegen den BVB.

Klopps Lippen waren dünn, es ist kein Geheimnis, dass ihn Niederlagen gegen den FC Bayern besonders ärgern. "Erst bearbeiten die uns mit langen Bällen, dann bringen die die 1,70-Meter-Jungs, das kann man auch machen", sagte Klopp. Er war offenkundig von der Münchner Spielweise überrascht worden.

Aber das war lange Zeit überhaupt kein Problem für den BVB, Klopp konnte zwischenzeitlich sogar das Gefühl haben, dass der spanische Kollege von der gegnerischen Bank sich schon bessere Strategien überlegt hat. Denn mit den langen Bällen waren die Dortmunder, in deren Innenverteidigung der in der Vorwoche noch arbeitslose Manuel Friedrich spielte, gut klargekommen. "Ich glaube, vor dem 1:0 hatten wir die besseren Chancen", so Klopp. Erst als Thiago und Götze kamen, "die 1,70-Meter-Jungs", kippte die Partie.

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Das große Duell, das zu einem intensiven und lange Zeit auch spannenden Fußballspiel geworden war, endete mit einem Sieg jenes Teams, das die überzeugenderen Impulse von der Bank erhalten hatte. Flexibilität ist das zentrale Motiv der Arbeit von Münchens Trainer Guardiola. Und genau diese Qualität war ausschlaggebend in der entscheidenden Phase, die etwa in der 60. Minute begann.

Zuvor jedoch sei Borussia Dortmund in einigen Phasen sogar "besser als wir" gewesen, räumte Guardiola ein. Und an wirklich guten Tagen hätten Robert Lewandowski (3. Minute), Jakub Blaszczykowski (30.) oder Marco Reus (30.) vermutlich eine der guten Dortmunder Chancen genutzt. Aber die Effizienz, mit der die Dortmunder in den zurückliegenden Jahren so viele Punkte gegen den Rekordmeister erspielten, die fehlte in diesen Momenten. "Das ist ein Thema, das wir schon mal hatten", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc, "gegen Bayern oder auf Champions-League-Niveau kriegst Du nicht oft solche Chancen, wir müssen kaltschnäuziger werden."

Das ist eine schmerzhafte Einsicht, zumal es der im Sommer von Dortmund nach München gewechselte Mario Götze gewesen ist, dessen beeindruckend souveränes 1:0 dem Spiel seine entscheidende Wendung gab (66.). Ausgerechnet Götze hatte die Effektivität, die dem BVB fehlte. "Er ist gut reingekommen und macht das Tor mit großer Kontrolle", lobte Arjen Robben seinen Teamkollegen, der vom Dortmunder Anhang bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte wüst beschimpft worden war.

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Der BVB riskierte dann naturgemäß mehr, Klopp wechselte offensiv, die Bayern konterten eiskalt und schossen noch zwei Tore. Daher werde das Ergebnis dem Spiel "nicht gerecht", meinte Klopp, während Robben forderte: "Wir dürfen den Sieg nicht überbewerten." Der Niederländer hatte zum 2:0 getroffen (85.), bevor Thomas Müller (87.) das Duell ganz am Ende in eine kleine Demütigung für den BVB verwandelte. Aber natürlich wirkt so ein 3:0 verstärkend auf die unangenehme Gesamtsituation, in die die Dortmunder nun hineingeraten sind.

Der Rückstand auf Bayern München ist nach diesem Spieltag auf sieben Punkte gewachsen, und Bayer Leverkusen ist in der Tabelle vorbeigezogen. Am Dienstag droht das Aus in der Champions League, die Verletzungssorgen sind groß, was aber wohl am schmerzhaftesten ist: Die Bayern sind derzeit einfach besser aufgestellt. Sie waren ja mit ähnlich großen Verletzungssorgen angereist.

Während Jürgen Klopp aber von der Bank den wirkungslosen Pierre-Emerick Aubameyang und den jungen Jonas Hofmann in die Partie schickte, waren die Einwechslungen von Götze und Thiago auf Münchner Seite spielentscheidend. Zumal sie mit einem Stilwechsel verbunden waren, auf den der BVB keine adäquate Antwort fand. "Wir waren am Ende des Spiels spielerisch stärker, unsere Einwechslungen haben gefruchtet", sagte Philipp Lahm. Der Bayern-Kapitän meinte damit im Grund genau das Gleiche wie Klopp: "coole Moves".

Borussia Dortmund - Bayern München 0:3 (0:0)
0:1 Götze (66.)
0:2 Robben (85.)
0:3 Thomas Müller (87.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Friedrich, Sokratis, Durm - Bender (79. Piszczek), Sahin - Blaszczykowski (71. Aubameyang), Mchitarjan (71. Hofmann), Reus - Lewandowski
München: Neuer - Rafinha (79. van Buyten), Boateng (64. Thiago), Dante, Alaba - Lahm - Müller, Martínez, Kroos, Robben - Mandzukic (56. Götze)
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Großkreutz (2), Mchitarjan (2) - Boateng (4), Rafinha (2), Mandzukic (4)

insgesamt 144 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 24.11.2013
1. optional
Ich kann bei Bayern noch immer kein zwingendes Spielsystem erkennen. Die Siege gehen fast ausschlielich auf Einzelleistungen zurück. Im grunde könnten die auch ohne Trainer spielen.... Bei Dortmund fehlt z.Z. leider die Torgefahr. Weder Lewandowski, Reus noch die 2 neuen machen aus den vielen Chancen Tore, leider!
Byrdy100 24.11.2013
2. Mit dem
was wir hatten haben wir ein gutes Spiel gemacht. Man hat auch gesehen dass unsere neue Abwehr gut stand.
alexanderschulze 24.11.2013
3. Ach, ick freu mir einfach,
dass mein Lieblingsverein gewonnen hat. Und wenn das auch noch wegen "cooler Moves" war, umso besser.
Scheidungskind 24.11.2013
4. ...
Zitat von sysopREUTERSDer FC Bayern hat das Spitzenspiel gegen Dortmund dank zweier Einwechselspieler gewonnen. Mario Götze und Thiago machten den Unterschied - weil Coach Pep Guardiola den BVB mit geänderter Spielweise überraschte. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zollte dem Spanier Respekt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmund-vs-bayern-muenchen-pep-guardiola-hat-juergen-klopp-ueberrascht-a-935327.html
Nach Jahren des Erfolges muss Dortmund nun seiner Spielphilosophie - dem "Renn-Faschismus" - Tribut zollen. Wer sich durch die körperlichen Abnutzungserscheinungen, die der bedingungslos geforderte Dauereinsatz zeitigt, bereits mit 23 Jahren der Sport-Invalidität bedrohlich annähert, ist in den entscheidenden Momenten auch deshalb das entscheidende Quäntchen langsamer. Mich wundert es kein bisschen, wenn die BVB-Spieler, die die Chance haben, zu den Bayern mit ihrer antizipierenden, den Bewegungsapparat weniger belastenden Spielweise und der hervorragend besetzten Bank, die angemessene Verletzungspausen ermöglicht zu wechseln, dies versuchen, selbst wenn sie damit zu "Verrätern" werden müssen. Würde mich interessieren, ob die unmenschlichen Leistungen, die den Spielern bei den schwarz-gelben abverlangt werden ausschließlich auf jugendlichem Elan, Naivität und dem verbindenden Malocher-Image des Vereins beruhen, oder ob mit Angstmache, die ich mir bei Herrn Klopp gut vorstellen kann, nachgeholfen werden muss. Erfahrungsgemäß kommt das letzte Element in Krisenzeiten hinzu und wird dann irgendwann dominierend zur Bunker-Mentalität, die den Verein sogar in seinem Bestand gefährden kann. Es ist den Dortmunder Spielern zu wünschen, dass diese Saison mal so richtig in die Hose geht, damit das Management, dem die fatale Situation wohl garnicht bewußt ist, mal zu tiefergreifenden Analysen schreitet, statt das "weiter so" zu propagieren.
dianthus1 24.11.2013
5. Hey hey, Superbayern, Superbayern......!!!
Wirklich profimäßig, wie Mario Götze nach seinem Treffer reagierte. Und an alle Bayernhasser: Euer Hass ist unser Stolz!!
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