BVB-Sieg gegen Bremen 32 Schüsse, ein Tor

Borussia Dortmund ist mit dem Sieg gegen Bremen ein Traumstart in die Saison gelungen. Beim dritten Erfolg im dritten Spiel musste der BVB allerdings unnötig zittern. Der Vizemeister haderte mit der Chancenverwertung. Eine Fahrlässigkeit, die noch zum Problem werden könnte.

BVB-Trainer Klopp (l.), Torschütze Lewandowski: "Das coolste Thema"
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BVB-Trainer Klopp (l.), Torschütze Lewandowski: "Das coolste Thema"

Aus Dortmund berichtet


Der analytische Teil in Jürgen Klopps Fazit war gerade abgehandelt, da hellte sich die Miene des 46-Jährigen plötzlich auf. "Mit neun Punkten nach drei Spielen ist mein Lieblingsthema ehrlich gesagt dann Chancenverwertung. Das coolste Thema, über das man sprechen kann", sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 1:0-Sieg gegen Werder Bremen.

Und wo er nur kurz zuvor noch der gewohnt fachkundige Fußballcoach war, begann Klopp auf einmal zu schmunzeln, wackelte etwas mit dem Oberkörper und versuchte sich in einer Art Parodie auf die beliebten Phrasen seiner Zunft: "Da müssen wir noch dran arbeiten und so weiter", sagte Klopp.

Dass den BVB-Trainer das größte Manko im Spiel seiner Mannschaft gegen Bremen zumindest vordergründig amüsierte, lag an der 55. Minute. In der war Robert Lewandowski etwas Einzigartiges an diesem Freitagabend in Dortmund gelungen: Er hatte ein Tor erzielt. Weil dieses zum 1:0-Erfolg über die bis dato zwei Mal siegreichen und gegentorlosen Bremer reichte, darf man den Dortmundern nun einen Saisonstart nach Maß attestieren.

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Dortmund vs. Werder: Unter Dauer-Druck
Vier Siege hat der BVB inklusive der ersten Pokalrunde eingefahren, dabei 10:1 Tore erzielt. Unter der Woche hatte Klopp gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" kundgetan, dass "der rein sportliche Verlust" durch den Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern "jetzt schon wieder völlig egal" sei. Es bestehe gar die Chance, dass der BVB ohne Götze besser spiele. Das Signal ist klar: Der Abgang eines Starspielers, das verlorene Champions-League-Finale und besonders die 25 Punkte Rückstand auf die Bayern zum Ende der Vorsaison sind beim BVB kein Thema mehr.

Die Spieler waren nach der einseitigen Partie gegen biedere Bremer allerdings eher selbstkritisch. Zwar lobten alle die starke Leistung, im Kabinentrakt herrschte durchweg gute Laune. Euphorie wollte sich trotz der Siegesserie aber nicht breitmachen. "Wir können drei oder vier Tore schießen, dann wäre alles viel einfacher gewesen. Bis zum Sechszehner waren wir gut, dann kann man es besser machen", sagte Torschütze Lewandowski. Und Marco Reus, der allein acht Mal erfolglos aufs Tor schoss, sagte: "Wir haben schneller gespielt, deswegen hatten wir Chancen, aber die müssen wir auch nutzen."

Beste Chancen, teils grotesk vergeben

Weil die Dortmunder das trotz 32 Torschüssen aber lange Zeit gar nicht, später nur einmal schafften, hätten die Bremer am Ende fast noch einen unverdienten Punkt mitgenommen. 87 Minuten waren gespielt, da zog Werders eingewechselter Argentinier Franco di Santo ab und zwang BVB-Torhüter Roman Weidenfeller zur besten Parade des Abends.

Bis auf einen weiteren Schuss vom ansonsten komplett abgemeldeten Marko Arnautovic kurz vor der Pause spielten sich die spannenden Szenen ausnahmslos auf der anderen Seite ab. Zwar verteidigten die Bremer leidenschaftlich. Doch immer wenn sie selbst den Weg nach vorne suchten, kamen die Dortmunder zu den besten Chancen, die sie spätestens in der Endphase des ersten Durchgangs teils grotesk ausließen.

"Früher hätten wir in so einer Situation noch den Faden verloren. Heute haben wir weitergemacht und wurden dafür belohnt", fand Nuri Sahin gar etwas Positives an der Abschlussschwäche. Aber selbst als der Bann zehn Minuten nach der Pause gebrochen war, wurde es nicht besser und deswegen am Ende hektisch: "Dass wir keinen nachlegen, ist auf jeden Fall ein Kritikpunkt. Dann holt man nämlich die Luft hier raus", sagte Sahin, der damit kein neues Thema beim BVB ansprach.

"Versuchen, diesen Teilbereich auch zu verbessern"

Bereits nach dem 3:0-Pokalsieg beim Viertligisten Wilhelmshaven, wo es bis zur 71. Minute 0:0 gestanden hatte, monierte Klopp die schwache Chancenverwertung. Auch beim 2:1 gegen Aufsteiger Braunschweig vergangene Woche musste der BVB am Ende zittern, weil er trotz guter Möglichkeiten nicht für klare Verhältnisse gesorgt hatte.

Dass es derzeit dennoch immer zum Sieg gereicht hat, liegt auch an den Gegnern. Im Pokal war es ein Regionalligist, in der Liga ging es bislang gegen zwei Abstiegskandidaten (Augsburg und Braunschweig) und einen SV Werder, von dem Trainer Robin Dutt nach dem Spiel sagte, dass er defensiv "immer besser" wird, "offensiv wird es noch einige Zeit dauern".

So müssen sich die Dortmunder die Frage stellen, was passiert, wenn sie gegen Mannschaften mit höherer Klasse ähnlich fahrlässig vor dem gegnerischen Tor sind. In den vergangenen Jahren erlebte die Borussia mehrere solcher Spiele. Jürgen Klopp weiß um das Problem und kündigte an: "Wir werden uns das angucken und versuchen, diesen Teilbereich auch zu verbessern." Nach einer Parodie klang das nicht mehr.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 1:0 (0:0)
1:0 Lewandowski (55.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl, Sahin - Blaszczykowski (69. Aubameyang), Mchitarjan (80. Hofmann), Reus (88. Bender) - Lewandowski
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Lukimya, Caldirola - Junuzovic, Makiadi, Ekici (67. Kroos) - Yildirim (76. Elia), Arnautovic (67. Di Santo), Hunt
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
mundi 24.08.2013
1. Kuba und Lewandowski kein Paar mehr?
Zitat von sysopGetty ImagesBorussia Dortmund ist mit dem Sieg gegen Bremen ein Traumstart in die Saison gelungen. Beim dritten Erfolg im dritten Spiel musste der BVB allerdings unnötig zittern. Der Vizemeister haderte mit der Chancenverwertung. Eine Fahrlässigkeit, die noch zum Problem werden könnte. http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmunder-sieg-gegen-bremen-32-schuesse-ein-tor-a-918356.html
Nachdem Lewandowski zum Großverdiener mutiert ist, stimmt die Chemie zwischen den Polen nicht mehr ganz. Dies merkte man an dem Zusammenspiel zwischen ihm und Blaszczykowski.
Broko 24.08.2013
2.
32 Torschüsse gegen einen ganz schwachen Gegner - vor allem in der ersten Hälfte mehr hilflose Verzweiflungsschüsse als herausgespielte Chancen! Ich finde nicht, dass der BVB besser ist als in den letzten Jahren - im Gegenteil ...
lestat1804 24.08.2013
3. unglaublich
Da kupfert der BvB doch glatt bemerkt FCB ab!!! Haha
partyduler 24.08.2013
4.
Zitat von mundiNachdem Lewandowski zum Großverdiener mutiert ist, stimmt die Chemie zwischen den Polen nicht mehr ganz. Dies merkte man an dem Zusammenspiel zwischen ihm und Blaszczykowski.
Lewandowski war schon lang zuvor nicht sehr beliebt bei den anderen Polen, da ändert auch das Gehalt nicht viel vorallem auf dem Platz. Auf dem Platz macht sich eher das Fehlen von Piszczek bemerkbar, der offensiv einfach besser mit Kuba harmoniert und mehr auf die Reihe bringt als Großkreutz.
mighty_f 24.08.2013
5.
3 Spiele, 10:1 Tore, aber gegen wen? Augsburg, Braunschweig, Bremen, (meine Hitliste für die letzten 3 der Saison). Mmn werden die Jungs vom schönen Jürgen ein bisschen überschätzt!
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