Dortmunds Sieg beim HSV Die Bosz-Transformation

Dortmunds Trainer Peter Bosz verehrt den Ballbesitz, doch beim Sieg in Hamburg entdeckte sein Team andere Qualitäten. Auch Shinji Kagawa belehrte den Niederländer eines Besseren.


Borussias Bollwerk: Mit null Gegentoren nach fünf Spieltagen hat der BVB einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Seine ehemalige Bestmarke (381 Minuten) datiert aus der Spielzeit 2001/2002. An dessen Ende durfte Dortmund die Meisterschaft feiern. Auch, dass die Borussen an den ersten fünf Spieltagen ununterbrochen Erster sind, ist einmalig in der Klubgeschichte. Es gibt schlechtere Wege, um in eine Bundesliga-Saison zu starten.

Das Ergebnis: Dortmund spielte anders als sonst, gewann gegen den HSV aber trotzdem souverän 3:0 (1:0). Hier geht es zur Meldung.

"Hamburgs Perle": Zwar setzte es für den HSV eine Niederlage. Doch mit seinem offensiven Pressing zwang er den BVB zumindest zu einer Abkehr vom typischen Ballbesitzfußball ("nur" 54:46 Prozent), den Thomas Tuchel einst etabliert hatte und Neu-Trainer Peter Bosz noch verfeinern will. Doch dieses Mal stolperten die Schwarz-Gelben nicht in Hamburg. Das war schon mal anders: Seit der Saison 2012/2013 gewann der HSV fünf Mal gegen seinen vermeintlichen Lieblingsgegner BVB, gegen keinen anderen Ligakonkurrenten gelang dies häufiger. Die Dortmunder verloren in diesem Zeitraum einzig gegen die Bayern (ebenfalls fünf Mal) genauso oft.

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Erste Hälfte: Zwar liefen die Hausherren den BVB mutig in deren Hälfte an, doch Zählbares sprang für den HSV nicht heraus. Die aussichtsreichste Gelegenheit vergab André Hahn, der mit einem Kopfball an Roman Bürki scheiterte (31. Minute). Die freien Räume nutzte Dortmund, um sich eine Vielzahl an Konterchancen zu erspielen. Eine davon nutzte Shinji Kagawa zum Führungstreffer. Seine Teamkollegen Pulisic (8./33.), Aubameyang (16.) und Piszczek (21.) hatten bei ihren Versuchen weniger Glück.

Wer ist hier der Bosz? Dortmunds neuer Coach gilt als dogmatischer Verfechter der holländischen Fußballphilosophie. Erdrückender Ballbesitz und ein 4-3-3-System gehören dabei zum Grundrepertoire - eigentlich. In Hamburg stellte sein Team allerdings auch eindrucksvoll seine Qualitäten im Umschaltspiel unter Beweis. Bosz wird diese neue Facette ebenso wenig stören wie der Fakt, dass er (eigentlich ebenfalls gegen seine Überzeugungen) in Dortmunds zweiter Englischer Woche in Folge das Personal rotierte. Als "Trostpflaster" erzielte Nutznießer Kagawa das wichtige Führungstor. So lässt man sich doch sicher gerne eines Besseren belehren, oder?

Zweite Hälfte: Wieder präsentierten sich die Hamburger laufstark und einsatzfreudig. Doch wieder belohnte sich der HSV für seinen Aufwand nicht: Weil Mergim Mavraj (54.) das BVB-Tor genau wie André Hahn (72.) knapp verpasste, sorgte Pierre-Emerick Aubameyang per Abstauber für die Vorentscheidung (63.). Der Gabuner vergab kurz darauf das 3:0, als er den Ball aus elf Metern freistehend am Hamburger Kasten vorbeischob (76.). Besser machte es Christian Pulisic auf Zuspiel von Mo Dahoud (79.) zum 3:0-Endstand.

"Senior" Salihovic: HSV-Coach Markus Gisdol hatte sich dazu entschieden, am Weltkindertag dem erfahrenen Zugang Sejad Salihovic zu seinem Startelf-Debüt zu verhelfen. Der 32-Jährige war zuletzt vertragslos, lieferte dennoch eine solide Leistung ab. Dem ehemaligen Berliner und Hoffenheimer fehlt mittlerweile zwar die Antrittsschnelligkeit, um auf dem Flügel zu wirbeln. Allerdings deutete er an, dass er mit seiner Ruhe am Ball und seinem starken linken Fuß das Hamburger Spiel auch aus dem Zentrum bereichern kann. 68 Prozent seiner Zuspiele kamen an, mit sieben Flanken schlug er die meisten Bälle aller Hamburger in die Gefahrenzone. Nach 70 Minuten war sein erster Arbeitstag vor heimischem Publikum beendet.

Mahnender Mäzen: Vor dem 3:1-Auswärtssieg in Köln hatte HSV-Investor Klaus-Michael Kühne verbal ausgeteilt und einige seiner Akteure als "Luschen" tituliert. Die Ansage saß - der HSV lieferte mit Siegen. Zuletzt verlor er aber wieder zweimal. So könnte sich der Logistik-Milliardär berufen gefühlt haben, mit kritischen Tönen abermals Kräfte freizusetzen. Doch seine Ankündigung, sein finanzielles Engagement vorerst auf Eis zu legen, wirkte sich diesmal nicht positiv aus. Zumindest aufs Ergebnis, Dortmunds Trainer Peter Bosz lobte den HSV im Anschluss als bisher schwersten Gegner. Immerhin.

Hamburger SV - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
0:1 Kagawa (24.)
0:2 Aubameyang (63.)
0:3 Pulisic (79.)
Hamburg: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Sakai (48. Santos) - Gideon Jung - Walace, Salihovic (70. Waldschmidt) - Hahn, Wood (84. Janjicic), Holtby
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Zagadou (84. Bruun Larsen) - Sahin - Castro, Kagawa (66. Dahoud) - Jarmolenko (67. Philipp), Aubameyang, Pulisic

Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 52.962
Gelbe Karten: Papadopoulos (3), Sakai, Holtby -



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micheleyquem 21.09.2017
1. DIe Wahrheit ist banal...
Bereits im letzten Jahr gab es unter 18 BuLi Teams gerade mal VIER, die tatsächlich Fussballspielen können. Man muss das gesehen haben. Der HSV hat über zwölfmal aufs Tor geschossen und das Tor dabei NICHT ein einziges Mal getroffen! Allein der für 5 Millionen eingekaufte Hahn hatte acht Torschüsse. Und hat das BVB Tor nicht einmal getroffen! Und solche Leute verdienen Millionen.... ? Natürlich steht der BVB ganz oben. Gegen wen haben die denn gespielt? Und wie ging es aus, als sie in der CL gegen einen echten ran mussten? Es ist gefährlich sich in die eigene Tasche zu lügen....
spmc-125536125024537 21.09.2017
2. Internationaler Vergleich
Wenn der BVB Tottenham im Rückspiel schlägt und ins Achtelfinale der CL einzieht, dann jubel ich mit. Bis hierhin hält man sich nur in einer Liga, die bisher auf europäischer Ebene alles schuldig blieb.
Piantao 21.09.2017
3. Zu dick aufgetragen
wenn der Gegner HSV heißt darf jeder mal glänzen.
FX922 21.09.2017
4. So
Kann es weiter gehen. Mal sehen wenn die top 5 kommen....
inge-p.1 21.09.2017
5. Gut, ...
... nun war Hamburg nicht DER Gegner, aber der Sieg freut mich trotzdem und der erste Platz in der Tabelle, noch vor den Bayern, freut mich sowieso.
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