Double in Reichweite Werder zieht ins Pokalfinale ein

110 Minuten lang sah es im Weserstadion so aus, als würden die Gesetze des Fußballs im DFB-Pokal erneut ad absurdum geführt. Dann drehte Meisterschafts-Favorit Bremen das Spiel gegen den abstiegsbedrohten Zweitligisten aus Lübeck. Der Final-Einzug Werders kam allerdings glücklich zustande.


Ailton scheitert wieder einmal an Lübecks Torwart Maik Wilde
DDP

Ailton scheitert wieder einmal an Lübecks Torwart Maik Wilde

Bremen - Heide Simonis zitterte bis zur 120. Spielminute auf der Ehrentribüne des Weserstadions mit. Die Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins wollte dabei sein, als erstmals nach mehr als 60 Jahren ein Vertreter ihres Landes im Halbfinale des DFB-Pokals stand. Die Regierungschefin hoffte auf die Sensation, darauf, dass der Tabellen-15. der Zweiten Bundesliga dem Meisterschaftsfavoriten aus Bremen ein Bein stellen würde. Sie wurde enttäuscht. Werder-Stürmer Valdez erzielte in der 114. Minute den Siegtreffer für sein Team, besiegelte den Einzug der Bremer ins DFB-Pokalfinale

Der Tabellenführer der Bundesliga lief vor 38.700 Zuschauern im fast ausverkauften Weserstadion nach einem Eigentor von Krstajic (11.) zwei Mal einem Rückstand hinterher. Micoud gelang der Ausgleich (54.). Zandi brachte den VfB in der 94. Minute erneut in Führung, doch Ailton (111.) und Valdez (114.) ließen Werder doch noch jubeln.

Die Partie begann für den haushohen Favoriten mit einem Schock: Schon in der elften Spielminute köpfte Bremens Verteidiger Mladen Krstajic einen Eckball des Lübeckers Jens Scharping unhaltbar für Torhüter Andreas Reinke ins eigene Gehäuse. Es war die erste nennenswerte Aktion des Zweitligisten.

Mutiger Lübecker

Mladen Krstajic sorgte per Eigentor für die 1:0-Führung der Gäste
DPA

Mladen Krstajic sorgte per Eigentor für die 1:0-Führung der Gäste

Die bis dahin wie erwartet defensiv agierenden Gäste wurden nach dem Führungstreffer mutiger und hätten schon sechs Minuten später auf 2:0 erhöhen können. Timo Achenbach prüfte mit einem gefährlichen Distanzschuss Werder-Keeper Reinke. In der 30. Minute war es erneut der VfB-Mittelfeldspieler, der einschussbereit vor Reinke auftauchte und den Ball nur knapp verfehlte.

Der SV Werder tat sich gegen die gut gestaffelte Deckung der Lübecker ausgesprochen schwer. Immer wieder rannten sich die Bremer Stürmer in der VfB-Abwehr fest und wenn sie vor dem Lübecker Tor auftauchten, verfehlten sie das Ziel knapp. Erstaunlich milde reagierte das Bremer Publikum, das trotz der Schwierigkeiten des Werder-Teams ihren Lieblingen nicht die Unterstützung verweigerte.

Die meiste Gefahr des von Maik Wilde fehlerfrei gehüteten Tores der ging von Ailton aus. Der Brasilianer verzog schon in der dritten Minute aus 14 Metern Entfernung nur knapp, in der 28. Minute rettete Achenbach auf der Linie. Sieben Minuten später bewahrte ein Reflex von Wilde nach Drehschuss von Ailton den Außenseiter vor dem Ausgleichstreffer.

Entscheidung durch Valdez

Werder-Coach Thomas Schaaf: "Großes Kompliment an Lübeck"
DPA

Werder-Coach Thomas Schaaf: "Großes Kompliment an Lübeck"

Auch im zweiten Durchgang hielt der VfB munter mit, war auch in der Verlängerung ein gleichwertiger Gegner. Als Zandi die 2:1-Führung der Lübecker erzielte, wurde aus dem Halbfinale ein dramatischer Pokalkrimi.

Doch der eingewechselte Valdez stürzte das Team von Dieter Hecking mit seinem Flachschuss aus 18 Metern ins Tal der Tränen. Der Coach der Lübecker war nach dem Abpfiff untröstlich. "Eine ganz bittere Niederlage. Ich hätte lieber fünf Stück bekommen. Vor dem Tor hat Valdez ein klares Handspiel begangen." Thomas Schaaf fiel nach der harten Geduldsprobe, die seine Mannschaft ihm auferlegt hatte, ein Stein vom Herzen: "Wir haben heute nicht gut gespielt. Wir haben zu weit weg vom Gegner gestanden und Lübeck spielen lassen. Nach dem Tor haben wir uns versteckt, aber wir haben nachgelegt und sind bis zum Schluss dran geblieben. Lübeck hat überragend gespielt, sensationell, großes Kompliment."

Den Gegner für das Endspiel am 29. Mai in Berlin ermitteln an diesem Mittwoch Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach.

Werder Bremen - VfB Lübeck 3:2 (1:1, 0:1) n.V.
0:1 Krstajic (11., Eigentor)
1:1 Micoud (54.)
1:2 Zandi (94.)
2:2 Ailton (111.)
3:2 Valdez (114.)
Bremen: Reinke - Stalteri (101. Charisteas), Ismael, Krstajic, Schulz - Lisztes (95. Valdez), Baumann (83. Borowski), Ernst - Micoud - Klasnic, Ailton
Lübeck: Wilde - Thorwart, Boy, Kullig, Schanda (99. Würll) - Groth (59. Mbidzo), Plaßhenrich - Thioune, Zandi, Achenbach - Scharping (95. Zinnow)
Schiedsrichter: Lutz-Michael Fröhlich (Berlin)
Zuschauer: 38.700
Gelbe Karten: Baumann, Stalteri - Kullig, Thioune, Achenbach

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