Drei Thesen zur Bundesliga Warum Bremen nicht gut genug für Europa ist

Das Unentschieden zwischen Bremen und Frankfurt zeigte begeisternden Fußball und hat die Stärken und Schwächen beider Teams offengelegt. Ein Spieler stach heraus - und gehört in die Nationalmannschaft.

Er hat Champions-League-Niveau. Aber ein Maximilian Eggestein allein reicht nicht
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Er hat Champions-League-Niveau. Aber ein Maximilian Eggestein allein reicht nicht

Von Tobias Escher und


1. Bremen ist nicht clever genug für Europa

Vor der Saison haben die Werder-Verantwortlichen die Europa-League-Qualifikation als Ziel ausgerufen. Das Potenzial für einen Rang im vorderen Drittel der Tabelle ist gegeben. Die Bremer sind spielerisch stark und können angeführt von Kapitän Max Kruse fast jeden Gegner dominieren. In 15 ihrer 19 Saisonspiele waren sie die Mannschaft mit mehr Ballbesitz.

Hinzu kommt mit Florian Kohfeldt ein Trainer, der variabel ist in seinem taktischen Denken. Sein Plan, Frankfurts Sturmtrio aus Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic kaltzustellen, ging über weite Strecken des Spiels auf. Frankfurt hatte gegen Bremens 5-4-1-System viel Ballbesitz in ungefährlichen Zonen, das Sturm-Trio hing in der Luft.

Doch so stark die Bremer im Mittelfeld auch spielten, in den Strafräumen verschenkten sie den Sieg - vorne wie hinten. Vor dem eigenen Tor, indem sie mit vermeidbaren Fehlern Frankfurt zu zwei Treffern verhalfen. Vor dem gegnerischen Tor, weil sie ihre zahllosen Gelegenheiten nicht nutzten. Die Bilanz: 18:8 Schüsse, aber nur 2:2 Tore. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Bremen trotz einer spielerischen wie taktischen Dominanz nicht gewann. Wegen solcher Punktverluste dürfte Werder das eigene Saisonziel Europa verfehlen.

2. Maximilian Eggestein gehört in die Nationalmannschaft

Joachim Löw sah am Wochenende Hoffenheims 4:2-Sieg in Freiburg. Wäre er nur nach Bremen gereist! Hier hätte er nicht nur ein spannendes 2:2 erlebt, sondern auch die Bewerbung eines hoffnungsvollen Talents: Maximilian Eggestein brillierte gegen die Eintracht. Er erzielte nach starkem Solo das 1:0 und gab fünf weitere Torschüsse ab.

Der Bremer spielt eine starke Saison. Längst fordern nicht nur Werder-Fans, Löw möge Eggestein für die Nationalmannschaft nominieren. Der Mittelfeldspieler würde fußballerisch in die Nationalelf passen: Technisch kann er auf höchstem Niveau mitspielen - das zeigte auch sein Tor gegen Frankfurt, als er mit einer Drehung drei Verteidiger aussteigen ließ.

Vor allem aber ist Eggestein ein Spieler, der auf der gesamten Länge des Feldes zu finden ist. Er steht auf der Achter-Position für Dynamik und Torgefahr aus dem Mittelfeld: Genau diese Facette fehlte dem Löw-Fußball im verpatzten Jahr 2018. Eggestein wäre der richtige Mann zur richtigen Zeit.

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3. Frankfurt kann nur offensiv - und hat das Glück der Mutigen

So gut Eggesteins Dribbling vor dem 1:0 war, so schlecht war das Abwehrverhalten der Frankfurter. Simon Falette, David Abraham und Danny da Costa ließen sich von Eggestein düpieren. Falette verlor auch vor dem zweiten Bremer Führungstreffer das entscheidende Laufduell gegen Martin Harnik und geriet ins Stolpern, anstatt den Ball zu klären. Es waren nicht die einzigen groben Fehler der Eintracht-Defensive.

Verantwortlich dafür waren natürlich nicht nur die Verteidiger. Auch im Mittelfeld leisteten sich die Frankfurter zu viele Ballverluste, durch die Werder mit schnellem Umschaltspiel zu Torchancen kam. Dass die Eintracht am Ende trotzdem einen Punkt aus Bremen mitnahm, hat sie mal wieder dem Sturmtrio Haller, Jovic und Rebic zu verdanken. Aber auch Trainer Adi Hütter, der die Stärken seiner Mannschaft kennt und konsequent auf Offensive setzte.

Die Gäste ließen sich von den Gegentoren nicht aus dem Konzept bringen, erarbeiteten sich eigene Möglichkeiten und kamen deshalb durchaus verdient zweimal zum Ausgleich. Auch beim Stand von 2:2 schaltete die Eintracht nicht auf Ergebnisverwaltung, sondern spielte auf Sieg. Bezeichnend: Hütter brachte nach einer guten Stunde mit Mijat Gacinovic eine vierte Offensivkraft für den deutlich defensiveren Jonathan de Guzmán. Der Mut wurde belohnt. Werder ließ reihenweise Großchancen aus, am Ende wäre den Frankfurtern fast der Siegtreffer gelungen. Aber das wäre dann vielleicht doch ein wenig zu viel Glück gewesen.



insgesamt 5 Beiträge
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wolleb 27.01.2019
1.
Weder gehört Eggestein in die Nationalmannschaft, noch war das ein begeisterndes Fußballspiel. Vielleicht habe ich ja auch nur andere Vorstellungen von gutem Fußball.
Jim Diamant 27.01.2019
2. die Tore werden noch fallen
Die Qualität im Sturm ist eigentlich da. Deshalb glaube ich, dass Bremen sich bald mit Siegen belohnen wird und sich für Europa qualifizieren wird.
widower+2 27.01.2019
3. Geisterfahrer?
Zitat von wollebWeder gehört Eggestein in die Nationalmannschaft, noch war das ein begeisterndes Fußballspiel. Vielleicht habe ich ja auch nur andere Vorstellungen von gutem Fußball.
Einer? Hunderte! So kommt mir Ihre "Argumentation" vor. Für die weit überwiegende Mehrheit derer, die das Spiel tatsächlich verfolgt haben, war es ehr wohl ein begeisterndes Fußballspiel. Aber vielleicht erläutern Sie einfach mal Ihre Vorstellung von gutem und/oder begeisterndem Fußball.
nochnestimme 27.01.2019
4. Guter Fußball, schlechter Fußball
Das Spiel schlecht zu reden ist schon sehr mutig (oder böswillig). Wenn alle Spiele in der BL so wären, hätte ich mehr Spaß daran. Oft dominiert doch taktisches Geplänkel. Und wer in die Nationalmannschaft soll, bestimmen hierzulande weder Medien noch Foristen. Für die Superexperten von Sky ist es aber zum Volkssport geworden, alles und jeden in der BuLi zu hypen. Verständlich, das ist deren Geschäftsmodell. Mir ist es bei Maxi Eggestein auch noch zu früh, bei Kruse zu spät. Aber Löw bleibt ja sowieso lieber zuhause und guckt Freiburg...
charlybird 27.01.2019
5. Ich bewundere immer sogenannte mutige Meinungen,
Zitat von wollebWeder gehört Eggestein in die Nationalmannschaft, noch war das ein begeisterndes Fußballspiel. Vielleicht habe ich ja auch nur andere Vorstellungen von gutem Fußball.
wohlgemerkt, bei allen Themen. Als ich gestern in Himmel schaute, habe ich ihn grau gesehen, aber das ist ja bekanntlich ein sehr variabler Farbton. Aber Ihrer war nicht dabei.
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