Drogenbeauftragte Nickels DFB trifft Mitschuld

Zum Fall Daum hat jeder etwas zu sagen. Nun hat sich auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung zu Wort gemeldet.


Berlin - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels, hat schwere Vorwürfe im Fall Daum erhoben. "Wenn die Umgebung eine Abhängigkeit bemerkt, sollte dem Menschen unverzüglich Hilfe angeboten werden", sagte die Grünen-Politikerin dem Berliner "Tagesspiegel". Meistens laufe es aber so wie jetzt beim DFB: Es werde weggeschaut, solange die Leute ihre Leistungen erbrächten und funktionierten. "Wenn es dann taktisch opportun erscheint, werden Gerüchte in die Welt gesetzt, um die Leute beiseitezuschieben."

"Die Debatte im DFB hat mich sehr befremdet", sagte Nickels. Es sei mit Spekulationen und Mutmaßungen gearbeitet worden. Bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer sei es nicht mehr um Sport, sondern nur noch um Macht gegangen. "Das finde ich besonders übel." Im Übrigen gebe es in allen Schichten der Bevölkerung Drogenkonsum, Abhängigkeit und Suchtkrankheit. Menschen in Hochleistungsbereichen, wo es um viel Geld und Ansehen gehe, seien besonders anfällig.

Im Fall Daum nun ein Feldgeschrei anzufangen, sei irrational, sagte die Drogenbeauftragte. Sie hoffe, dass künftig in Sportvereinen, aber auch in Betrieben stärker auf Alarmsignale geachtet werde. Da bestehe noch erheblicher Nachholbedarf. Wenn Daum wirklich suchtkrank sei, müsse ihm mit einer Therapie geholfen werden, sagte Nickels weiter. "Und wenn er dann wieder gesund ist, dann kann er natürlich auch wieder in seinen Beruf zurück." Jetzt seien vor allem die Leute gefragt, die in großem Maßstab von der Arbeit und den Erfolgen Daums profitiert hätten. "Sie müssen ihm jetzt helfen."



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