Dubiose Fußballbosse Jodler in Handschellen

Wer das Geld hat, darf bestimmen. Das gilt auch für den Fußball und ist der Hauptgrund, warum immer wieder eitle Selbstdarsteller Clubs übernehmen und dann in den Ruin führen. Das Magazin "11 FREUNDE" präsentiert einige besonders durchgeknallte Präsidenten.

Von und Maximilian Hendel


Horst Nußbaum alias Jack White, spielte einst durchaus passabel Fußball (unter anderem als Profi bei Viktioria Köln und dem PSV Eindhoven), wurde dann Musikproduzent. Unter anderem war er für den 1974er WM-Gassenhauer "Fußball ist unser Leben", Laura Branigans "Self Control" und Tony Marshalls "Schöne Maid" verantwortlich und ließ Roberto Blanco "Heute so, morgen so" trällern. White kaufte sich schließlich 1992 beim Berliner Underdog Tennis Borussia ein, für den er selbst noch als Amateur gekickt hatte. Bei den Charlottenburgern steckte er die mit Chartstürmern sauer verdienten Millionen in neue Spieler, mehr als ein paar schmucklose Jahre in der zweiten Liga sprangen nicht dabei heraus. Die Leidtragenden der White-Ära sind die TeBe-Fans, die im Stadion ausgiebig mit den schwer erträglichen Songs von David Hasselhoff (vom Band) und Bernhard Brink (gerne live) beschallt wurden.

1976 stieg Popstar Elton John beim englischen Fußballclub FC Watford ein. Was zunächst nur wie der Spleen eines gelangweilten Popmusikers wirkte, erwies sich bald als Erfüllung eines Jugendtraums. So stolz war John auf sein Amt, dass er sogar seinen "Aston Martin"-Sportwagen in den Clubfarben anmalen ließ. Was wiederum Prinz Philip, Gemahl der englischen Königin, zu John sagen ließ: "Oh, Sie sind das, dem dieses Auto gehört. Wir haben es oft gesehen, wenn wir an die Rückseite von Windsor Castle gefahren sind. Jedes Mal haben wir uns gefragt, wem wohl dieses grässliche Auto gehört."

Schier unbegrenzte Machtfülle genoss der Parfümhändler Helmut Spikker in Ahlen. Der Club hieß nach einer Umbenennung genauso wie sein Duft-Imperium, nämlich "LR", wenn auch Spikker schmunzelnd verkündete, die Abkürzung stehe für "Leichtathletik und Rasensport, aber bitte nicht für Leichtsinn und Reichtum". Dann verhökerte Spikker seine Duftwasser-Fabrik, deren neue Besitzer das Fußball-Sponsoring umgehend beendeten. Der Verein musste sich erneut umbenennen, heißt jetzt "Rot-Weiss" und kämpft seitdem gegen die horrenden Schulden der Spikker-Ära. Derzeit hofft Ahlen auf die Qualifikation für die eingleisige dritte Profiliga, die zur Sasion 2008/2009 eingeführt wird.

In Österreich engagierte sich von 1999 bis 2005 der Austro-Kanadier Frank Stronach bei Austria Wien ("Die Veilchen") und anderen Clubs. Legendär ist die fußballerische Unbedarftheit des früheren Präsidenten der österreichischen Bundesliga. So kursiert die Anekdote, der 1932 als Franz Strohsack in der Steiermark Geborene habe einmal insistiert, einen zur Halbzeit ausgewechselten Kicker später wieder ins Spiel zu bringen. Über Trainer mochte Stronach, ein gelernter Werkzeugmacher, sich nicht ärgern: "Der beste Coach kann nichts machen, wenn die Spieler keine Kondition haben." Als die Austria 2004 im Uefa-Cup daheim gegen den FC Brügge antrat und ein schneidig kalter Wind durchs Stadion pfiff, wärmte sich Stronach mit einem Salzburg-Schal. Den nahm er erst ab, als ihn in der Halbzeit jemand auf den Fauxpas aufmerksam machte. Inzwischen ist Stronach in der Getränke-Industrie aktiv. In der USA wirbt er für "Frank's Energy Drink" mit dem Slogan: "Keeps you yodeling all night long". Na, dann: gutes Jodeln.

Den wohl kriminellsten Sonnenkönig des österreichischen Fußballs beschäftigte 1998 der Linzer ASK. Präsident Wolfgang Rieger war zugleich Bankier des privaten Instituts "Rieger Bank AG" und verdünnisierte sich im Herbst 1998 unter Mithilfe des LASK-Platzwarts und mit 125 Millionen Schilling aus den Tresoren seiner Bank im Gepäck. Später klickten dann an der Cote d’Azur die Handschellen, Rieger wurde wegen betrügerischen Bankrotts zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Weniger kriminell, dafür umso lustiger ging es einst bei der Austria aus Salzburg zu. Dort war Präsident Rudi Quehenberger auf der Suche nach einem Mäzen fündig geworden und brüstete sich: "Scheich Khalil al-Qassimi hat in mehreren Telefonaten bestätigt, dass er zu dem abgeschlossenen Kooperationsvertrag steht." Doch der Scheich machte sich zunächst rar und schickte stattdessen einen Spanier namens Pedro Benali vor, ausgestattet mit den allerbesten Zeugnissen großer Clubs. Benali, der sich zwischendurch auch "Ben Ali" nannte, erwies sich dann aber als Hochstapler. Vorbei das orientalische Märchen.

Zurück nach Deutschland. "Mit einem Hauptschüler rede ich nicht", konstatierte im Frühjahr 1977 Osnabrücks Trainer Siegfried Melzig und meinte ein Vorstandsmitglied. Der Präsident und VfL-Großmäzen Hartwig Piepenbrock entband den Zweitligacoach kaltschnäuzig seines Amtes: "Herr Melzig, Sie sind fristlos beurlaubt." Ex-Gymnasiast Melzig schrie: "Das will ich schriftlich." Bekam er. Piepenbrock führte den VfL von 1971 bis 1996.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil der Präsidenten-Serie, welcher Vereinsboss im Stadion seines Clubs beigesetzt wurde und warum eine Trauerfeier wiederholt werden musste.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
MOUXIN 27.02.2008
1.
Es sei hier nochmal gesagt: Uli Hoeness hat den FC Bayern zum definitiv grössten und weltweit populärsten Verein Deutschlands gemacht. Ausserdem hat er den FC St. Pauli vor dem finanziellen Ruin gerettet. Hab ich eigentlich im Derby St.Pauli-Schals im Bayern-Fan-Block gesehen? Ansonsten bin ich mal gespannt, wie lange sich dieser thread hält.
Mitten in Bayern, 28.02.2008
2. ARO- Special beim FCN
Das könnte auch ein Special über Michael A. Roth werden. Schließlich hat er so viele Trainer entlassen wie kaum ein anderer BuLi Präsident. Wobei ihm die Herren Voack, Schmelzer und andere in keinster Weise nachstanden. Man denke nur an die Entlassung von Willi Entenmann, unmittelbar nach einem 2:0- Sieg über die Bayern!
Carsten31 28.02.2008
3.
Zitat von Mitten in BayernDas könnte auch ein Special über Michael A. Roth werden. Schließlich hat er so viele Trainer entlassen wie kaum ein anderer BuLi Präsident. Wobei ihm die Herren Voack, Schmelzer und andere in keinster Weise nachstanden. Man denke nur an die Entlassung von Willi Entenmann, unmittelbar nach einem 2:0- Sieg über die Bayern!
Der Teppichkönig aus Nürnberg fiel mir auch spontan ein.
Mitten in Bayern, 28.02.2008
4.
Zitat von Carsten31Der Teppichkönig aus Nürnberg fiel mir auch spontan ein.
Also Entenmann wurde von Voack gegangen. Ja Fortuna Köln und Jean Lörung in der Halbzeitpause ist aber nicht zu toppen (armer Toni Schuhmacher)
Hyäne 28.02.2008
5.
Zitat von sysopTrainerentlassung in der Halbzeitpause, Phantom-Scheichs und ein Schlagermusik-Produzent: Welche Anekdoten fallen Ihnen über Fußballpräsidenten ein? Welcher Boss hat seinen Club gerettet, wer den Verein ruiniert?
Bei uns waren bisher bis auf den cholerischen Herr Littmann immer welche, die den Verein ruiniert haben
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