Duisburg - Wolfsburg 2-3 Hajto pöbelt und fliegt

Das Allerheilmittel brachte beim MSV Duisburg kurzfristig keinen Erfolg. Einen Tag nach dem überraschenden Rauswurf von Trainer Friedhelm Funkel verlor das Tabellenschlußlicht im ersten Spiel unter Interims-Coach Seppo Eichkorn mit 2:3 gegen den VfL Wolfburg.


Duisburg - Im Büro von Bernd Cullmann stehen seit Freitagmittag Telefon und Faxgerät nicht mehr still. Obwohl der Manager von Tabellenschlusslicht MSV Duisburg spätestens nach der 2:3-(1:0)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg definitiv für die zweite Liga planen kann, ist die durch den überraschenden Rausschmiss von Friedhelm Funkel am Freitag frei gewordene Trainerstelle an der Wedau sehr begehrt. Als heißester Kandidat für die Funkel-Nachfolge gilt Herbert Neumann, der 1978 gemeinsam mit Cullmann in der Meistermannschaft des 1. FC Köln stand und im Herbst vergangenen Jahres beim niederländischen Ehrendivisionär Vitesse Arnheim entlassen worden war. Auch die Ex-Kölner Stephan Engels und Gerd Strack, der bei Borussia Dortmund gescheiterte Michael Skibbe sowie Gerd Roggensack werden als mögliche Kandidaten gehandelt.

"Wenn wir schnell einen neuen Trainer finden, dann wird er noch in dieser Saison den Job übernehmen. Wenn nicht, dann erst am 1. Juli", meinte Cullmann, der selbst keine Namen nannte. Ob der 40-malige Nationalspieler aber maßgeblich an der Entscheidung beteiligt wird, ist eine ganz andere Frage. Helmut Sandrock, der neue starke Mann im Vorstand, möchte einen jungen dynamischen Trainer, um den angestrebten direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu realisieren. Die Position von Cullman, den Funkel zum MSV holte, gilt derzeit als nicht besonders gefestigt.

Zumindest wissen die Meidericher nach dem siebten Spiel in Serie ohne Sieg endgültig, wohin ihr Weg geht. "Was wir uns mit unermüdlichem Drive aufbauen, hauen wir mit dem Arsch wieder um", erklärte Interimscoach Seppo Eichkorn, der aus Loyalität zu seinem Ex-Chef Funkel nicht über das Saisonende hinaus als Chefcoach zur Verfügung steht. Wütend war der 43-Jährige vor allem auf Tomasz Hajto, der in der 60. Minute eine Rote Karte provozierte und "damit der Mannschaft erheblich geschadet hat".

"Für eine solches Verhalten fehlen mir die Worte", kritisierte Eichkorn den Polen, der Sekunden zuvor zu Recht Gelb gesehen hatte und daraufhin Fifa-Schiedsrichter Dr. Markus Merk (Kaiserslautern) als "Dummkopf" beschimpft haben soll. Wegen Meckerns hatte sich zuvor schon Markus Osthoff seine zehnte Gelbe Karte und damit ebenfalls eine Sperre eingehandelt. "Das ist unprofessionelles Verhalten, das wir nicht tolerieren können", meinte Eichkorn, der Geldstrafen für diese Undiszipliniertheiten ankündigte.

9.749 Zuschauer hatten sich zunächst über das 1:0 durch den ersten Bundesligatreffer des Tschechen Pavel Drsek (28.) gefreut, ehe dem eingewechselten Jonathan Akpoborie nach einem Anfängerfehler von Martin Schneider der 1:1-Ausleich (62.) gelang. Mit zehn Mann schafften die Duisburger dann sogar durch Michael Zeyer das 2:1 (78./Foulelfmeter), ehe Andrzej Juskowiak (82.) und Dorinel Munteanu (84.) die durch Hajtos Platzverweis entstandenen Lücken in der MSV-Abwehr gnadenlos ausnutzen.

"Wir wollten nach vier Spielen ohne Sieg unbedingt drei Punkte, deshalb bin ich zufrieden. Über das Wie müssen wir aber noch reden", sagte VfL-Trainer Wolfgang Wolf angesichts der vielen spielerischen Defizite in seinem Team.



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