DWS Amsterdam Der vergessene Topklub

Ajax Amsterdam fiebert dem Champions-League-Viertelfinale entgegen. Vor 55 Jahren schaffte ein anderer Klub der Stadt den Sprung unter die Besten Europas. Erst Johan Cruyff beendete die Vorherrschaft von DWS Amsterdam.

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Aus Amsterdam berichtet


Fußball ist ein Nerdsport: Es gibt wenig Lebensbereiche, die so mit unnützem Wissen angefüllt sind. Zum Beispiel: die Vereinsfarben. Ein paar findige Leute haben festgestellt, dass in den vergangenen 60 Jahren in den Niederlanden nur Klubs Meister wurden, die die Farben Rot und Weiß in ihrem Wappen tragen: PSV Eindhoven, Feyenoord Rotterdam, AZ Alkmaar, FC Twente und natürlich Ajax Amsterdam.

Lediglich in einem Jahr war das mal anders: 1964 triumphierte in der Ehrendivision ein Klub in blauer Montur. Es war das große Jahr von DWS Amsterdam, ein Team wie ein Komet: Nach oben geschossen und dann schnell wieder verglüht. Heute kennt fast niemand mehr diesen Verein, Mitte der Sechzigerjahre war er nicht nur die Nummer eins in der Stadt. Er war sogar eine europäische Hausnummer.

DWS wurde 1964 als Aufsteiger Meister, keinem anderen Klub ist das in den Niederlanden je gelungen. Im Jahr darauf schaffte es das Team bis ins Viertelfinale im Europapokal der Landesmeister. Aber während heutzutage der berühmte Stadtrivale Ajax Amsterdam am Abend sein europäisches Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus spielt (21 Uhr/Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: DAZN), muss sich DWS mittlerweile in den Niederungen des Amateurfußballs mit dem FC Weesp, dem AFC Quick 1890 oder Pankratius RKSV messen.

Die Vereinsnamen sind eine eigene Geschichte

DWS, das steht für Door Wilskracht Sterk, durch Willenskraft stark. Es ist einer dieser wundervollen ertüchtigenden Vereinsnamen, die im Nachbarland durchaus gebräuchlich sind. Wie der PEC Zwolle, Prins Hendrik Ende Desespereert Nimmer Combinatie Zwolle, oder immer noch am schönsten NAC Breda, NOAD ADVENDO Combinatie, NOAD als Abkürzung für Nooit Ophouden Altijd Doorzetten (Niemals aufhören, immer weitermachen) und ADVENDO für Aangenaam Door Vermaak En Nuttig Door Ontspanning (Angenehm durch Unterhaltung und nützlich durch Entspannung). Die Vereinsnamen in den Niederlanden sind eine eigene Geschichte.

Wer heute den idyllisch am westlichen Stadtrand gelegenen Sportpark Spieringhorn besucht, muss erst einmal aufpassen, die Klubs nicht zu verwechseln. Auf der einen Seite spielt und trainiert SDW Amsterdam, Sterk door Wilskracht. Auf der anderen Seite hat DWS, Door Wilskracht Sterk, sein Gelände. Und dazwischen wird auf vier Feldern Hockey gespielt, in den Niederlanden mindestens so populär wie Fußball.

Wenig erinnert in Spieringhorn noch an den Glanz der Sechzigerjahre, DWS war unter dem Trainer Lesly Talbot 1963 in die oberste Liga des Landes aufgestiegen. Der englische Coach hatte eine junge und ambitionierte Truppe zur Verfügung mit Spielern, die später nicht nur im Nachbarland Renommee hatten. Jan Jongbloed zum Beispiel, der Torwart der legendären Oranje-Elf von 1974, oder Rinus Israel, der anschließend zu Feyenoord wechselte und dort zur Berühmtheit wurde. Daan Schrijvers und Dick Hollander wurden ebenfalls zu Nationalspielern. Ein Jahr später stieß ein weiterer junger Kerl hinzu, Rob Rensenbrink, auch er später eine Ikone des Oranje-Fußballs. Sein Pfostenschuss im WM-Finale 1978 gegen Argentinien, der Oranje wohl den WM-Titel kostete, ist mit dem Reporterausruf "Rensenbrink op de Paal" fast zum Sprichwort geworden. Unter Fußballnerds zumindest.

Als Michels kam, wurde Ajax zur Nummer eins

Talbot und seine Mannschaft flogen in ihrer ersten Saison durch die Liga, sensationell wurde das Team am Ende Erster, vor PSV und weit vor Ajax als Fünfter. In der Folgesaison gelang der Mannschaft noch einmal die Vizemeisterschaft, Ajax entkam als 13. gerade so dem Abstieg. Die fußballerischen Machtverhältnisse in der Stadt waren eindeutig. Dann übernahm Rinus Michels im Januar 1965 bei Ajax, er förderte einen jungen, schmächtigen Spieler namens Johan Cruyff, und seitdem war an Ajax kein Vorbeikommen mehr.

DWS, in den frühen Siebzigern zum FC Amsterdam fusioniert, hielt sich noch ein paar Jahre in der obersten Spielklasse, aber mit der Herrlichkeit war es vorbei. 1978 stieg der Verein ab und kehrte nie zurück.

"Als Zulieferer von jungen Spielern haben wir aber bis heute funktioniert", sagt Remko de Jong, der aktuelle Vorsitzende. Frank Rijkaard und Ruud Gullit haben bei DWS als Jugendliche angefangen, bevor sie anderswo erst Stars, dann Weltstars wurden. De Jong ist der Stolz anzumerken, wenn er drauf hinweist, dass "wir jedes Jahr fünf bis zehn junge Spieler haben, die ihren Weg zu Profivereinen nehmen". De Jong zählt die Klubnamen auf: Ajax, FC Groningen, FC Utrecht. Wenn der eigene sportliche Erfolg eher mäßig ist, sind das die Freuden eines Vereinsvorsitzenden. Aus der großen Elf von einst schaut manchmal der eine oder andere noch vorbei. Andre Pijlman, damals ein von den Stürmern gefürchteter Abwehrspieler der Mannschaft, kommt zu jedem Heimspiel. Er ist mittlerweile 76.

Noch heute, so de Jong, pilgern "immer wieder Fans zu uns wegen der glorreichen Zeit, als wir eine nationale und sogar europäische Größe waren". Im Landesmeister-Cup 1964 führte der Weg über Fenerbahce Istanbul und den norwegischen Titelträger Lyn Oslo bis unter die besten acht. Gespielt wurde damals im alten Amsterdamer Olympiastadion, eine angemessene Stätte. Gegen Györ Vasas aus Ungarn war dann allerdings knapp mit 1:1 und 0:1 Endstation. Es bis ins Halbfinale schaffen, dort wo sonst noch der FC Liverpool, Inter Mailand und Benfica Lissabon standen, das wäre der Ritterschlag gewesen.

Heute kann Ajax genau diesen Schritt machen, Juventus ist der Favorit, aber der Sprung ins Halbfinale wäre für Cruyffs Erben so bedeutsam, wie es damals für DWS gewesen wäre. Die Blau-Weißen drücken heute die Daumen für Rot-Weiß.



insgesamt 2 Beiträge
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clubmate 10.04.2019
1. Was für ein Dada-Text
"Der vergessene Topclub" Eine nationale Meisterschaft und keine 10 Jahre Erstklassigkeit macht einen Verein noch lange nicht zum Topclub und in den Europapokalen war damals mit einfachen KO-System und ohne Setzsystem einfach noch ein wenig mehr Varianz gegeben als heutzutage wo sich ab dem Viertelfinale alljährlich die gleichen Konzerne aufeinandertreffen. "Erst Johan Cruyff beendete die Vorherrschaft von DWS Amsterdam" Welche Vorherrschaft, Ajax war zum Zeitpunkt der einzigen Meisterschaft von DWS schon 10-facher Meister und auch wenn in dieser Saison der letzte Triumph schon fünf Jahre zurücklag, war man immer oben dabei zusammen mit den anderen beiden dominierenden Vereinen PSV und Feyenoord. Cruyff, bzw Michels mit ihrem Total Voetbaal sorgten eher dafür dass Ajax auf lange Sicht dieses Triumvirat dominierte.
rainer60 10.04.2019
2. schönster
der schönste mir bekannte war " Thor Waterschei/Belgien. Tot heil onze Ribbenkast = zum wohlsein unsere rippen
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