Randale bei Dresdens Abstieg Getroffen bis ins Mark

Dynamo Dresden steht vor einem Scherbenhaufen, der Abstieg in die dritte Liga trifft den Traditionsverein schwer. Und die Randale beim letzten Spiel bestätigt das Negativ-Image, das der Klub hat.

Getty Images

SPIEGEL ONLINE Fußball
Es gibt Sätze, die klingen an einem Montagmorgen anders als an einem Sonntag. Ralf Minge, Sportdirektor des in die Drittklassigkeit abgestiegenen Vereins Dynamo Dresden, fliegt ein solcher Satz gerade um die Ohren. "Unsere Fans zeigen, worauf es auf den letzten Metern ankommt", hatte er vor dem 34. Spieltag gesagt. "Dass alle ohne Wenn und Aber zusammenstehen, ist überragend."

Solche Sätze kann man eigentlich schon sagen, wenn man Verantwortlicher bei einem Verein ist, der als Tabellen-17. weit mehr Zuschauer im Schnitt hat (27.004) als der Zweite Paderborn (10.998) und der Dritte Fürth (11.926) zusammen.

Doch am Sonntagnachmittag klangen Minges Worte nicht mehr so unverfänglich. Dresdner Fans hatten schließlich mal wieder eine Spielunterbrechung verursacht, Rauchbomben und Feuerwerk abgefeuert und Böller auf den Rasen geworfen.

Die Krönung des Irrsinns war ein Transparent mit der Aufschrift "Ihr habt eine Stunde Zeit, unsere Stadt zu verlassen."Es gibt Juristen, die sehen so etwas als Nötigung, wenn nicht gar als Aufruf zum Mord. Fanvertreter werten es eher als weitgehend folgenloses Machtgehabe.

10.000 Fans bildeten ein Spalier

Doch so oder so: Der Teil der Fanszene, der all diese Schlagzeilen verursachte, hatte vieles gezeigt, nur keinen Verstand. Und schon gar nicht, "worauf es auf den letzten Metern ankommt". Teile der Fanszene haben also mal wieder das Bild bestätigt, das Fußball-Deutschland sowieso von Dynamo Dresden hat - ungerechterweise allerdings von dessen gesamter Fanszene.

Dabei gab es auch an diesem Wochenende vieles, das eher Minges Bild der eigenen Klientel stützt: 10.000 Fans bildeten am Sonntag ein Spalier zur Stadionzufahrt, als der Mannschaftsbus zum Spiel fuhr. Das war natürlich keine Drohkulisse, wie mancher Medienvertreter mutmaßte, sondern ein Signal der bedingungslosen Unterstützung, das von der Mannschaft auch genau so verstanden wurde, als das "deutliche Zeichen des Zusammenhalts", von dem der Verein gesprochen hatte.

Tatsächlich muss man eine Weile überlegen, bis einem ein halbes Dutzend Erstligisten einfallen, deren aktive Fanszenen solche Massen mobilisieren können. Das Problem bei Dynamo: Die Zahl derer, die es offenbar normal findet, dass Frust in Gewalt und Randale umschlägt, ist weit höher als bei anderen Erst- und Zweitligisten.

Ein weiteres Problem: Dass genau darunter alle Dynamo-Fans leiden, ist jedem in Dresden bewusst. Aber offiziell distanziert man sich nicht von den Störern. Erst vor wenigen Wochen war in Dresden der Mannschaftsbus des FC St. Pauli angegriffen worden, der Verein fand - auch das ist bei Dynamo besser geworden - deutliche Worte. Sonst herrschte allerdings Sprachlosigkeit. Und die hat Gründe: Zu viele würden die Entsolidarisierung mit den Krawallmachern als Einknicken gegenüber jenen Institutionen begreifen, die für viele Dynamo-Fans nur Böses mit ihrem Lieblingsverein im Schilde führen: die Fußballverbände, die Medien, die Wessis.

Die Existenz ist offenbar nicht bedroht

Auch deshalb konnte in den letzten Jahren ein Bild von der angeblich so schlimmen Dynamo-Fanszene entstehen, das höchstens einen Teil der Wirklichkeit abbildet. "Viele Fans haben zwar die ganze Saison über mit einem schlimmen Ende gerechnet, weil die Mannschaft einfach keine Torchancen rausgespielt hat", berichtet Christian Kabs vom Dresdner Fanprojekt. "Aber natürlich ist die Enttäuschung dann trotzdem groß, wenn es tatsächlich so weit ist." Auch am Sonntag habe es allerdings lautstarke Proteste gegeben, als das Droh-Transparent gehisst wurde. "Und zwar nicht nur von den Tribünen, sondern auch in der Fankurve."

In Dresden können sie jedenfalls derzeit nichts weniger gebrauchen als weitere Negativschlagzeilen. Schon der Abstieg trifft den Verein ins Mark. Die Existenz, hört man, ist nicht unmittelbar bedroht, hinter den Kulissen ist in den letzten Monaten auch eine mögliche Drittliga-Zugehörigkeit durchgerechnet worden, man ist optimistisch, dass die Finanzierung klappt.

Aber große Sprünge sind nicht drin, strategische Ziele wie die Ablösung eines millionenschweren Darlehens oder die Rückerlangung der Marketingrechte sind in weite Ferne gerückt. Zudem drückt das hochmoderne und kostspielige Stadion, auch wenn sich der Zuschuss der Stadt in der dritten Liga erhöht. Und dennoch: Schon in dieser Spielzeit war Dynamos Kader kaum konkurrenzfähig.

In der kommenden Saison wird noch härter gespart werden müssen, die Rede ist von einem Etat, der unter drei Millionen Euro liegen soll. Dass das Geld für einen Kader reicht, der sofort wieder aufsteigen kann, glaubt niemand.

insgesamt 294 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
An-On 12.05.2014
1. Nie mehr
zweite Liga! Gruss aus DD.
ediart 12.05.2014
2. Rechtes Spektrum
diese sogenannten Fans sind mit Sicherheit im Rechten Spektrum auszumachen. Gut das diese Faschos keine Plattform in Bundesligastadien mehr finden.
thunderstorm305 12.05.2014
3. Das ist eine gute Nachricht.
Wer schon einmal erlebt hat wie die Fans von Dynamo Dresden unter Polizeischutz anreisen und ins Stadion verbracht werden, der ist froh, dass dieser Verein in der Dritten Liga spielt. Vielleicht wird er ja noch weiter durchgereicht.
volker_morales 12.05.2014
4. Der Wille, die Problem
scheint in DD nicht sehr ausgeprägt zu sein. 6 Punkte - Abzug für die Liga 3 und eine saftige Geldstrafe, wären ein Anfang. Irgendwann wird man auch in DD begreifen, dass es so nicht geht. Bei der nächsten Randale noch einmal ein entsprechender Nachschlag. Und irgendwann ist dann halt Schluss mit lustig.
urban4fun 12.05.2014
5. Liga 8 oder 9
Zitat von thunderstorm305Wer schon einmal erlebt hat wie die Fans von Dynamo Dresden unter Polizeischutz anreisen und ins Stadion verbracht werden, der ist froh, dass dieser Verein in der Dritten Liga spielt. Vielleicht wird er ja noch weiter durchgereicht.
Liga 8 oder 9 wäre das Angemessene angesichts solcher Fans.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.