Randalierende Dynamo-Fans "Asoziale Hohlköpfe"

Dynamo-Fans haben nach dem Aufstieg auch beim Public Viewing rund um das Dresdener Stadion randaliert und einen Zug verwüstet. Der Verein distanzierte sich mit deutlichen Worten.

DPA

Von Andrea Scharpen


Schwarzer Rauch steigt von der Tribüne auf. Bengalos tauchen den K-Block im Stadion von Dynamo Dresden in rotes Licht. Zwei dunkel gekleidete Fans rennen auf den Rasen, einen Rauchtopf in der Hand. Die Zuschauer auf der Gegengeraden buhen, zeigen ihnen den Mittelfinger. Doch es stürmen immer mehr Maskierte aus dem Block aufs Feld.

Eigentlich soll hier die Mannschaft auf einem Podest unter der großen Leinwand gefeiert werden. Die Spieler kommen gerade mit dem Bus aus Magdeburg zurück. Rund zehntausend friedliche Fans haben das 2:2 am Sonntag gegen den 1. FC Magdeburg im heimischen Stadion beim Public Viewing gesehen. Der Auswärtspunkt reicht für den Aufstieg in die zweite Liga.

Die "bis dahin rauschende und stimmungsvolle Aufstiegsfeier" sei binnen Minuten "von einer Horde vermummter, gewaltbereiter, selbstherrlicher und asozialer Hohlköpfe" zerstört worden, schreibt der Verein auf seiner Internetseite . Es sei deshalb ein Aufstieg mit gemischten Gefühlen.

"Zerstörungs- und Vandalismus-Orgie"

Die Dresdner Polizei hat mittlerweile mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach ihrer Rückkehr sollen Dynamo-Fans am Dresdner Bahnhof massiv Pyrotechnik abgebrannt haben, auf dem Weg zum Stadion seien Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Die Polizei ermittelt auch wegen des Verdachts auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gegen zwei Anhänger. Auch den Fanzug sollen einige der rund tausend Fußballfans auf der Rückfahrt verwüstet haben. Die Behörde sprach von einer "Zerstörungs- und Vandalismus-Orgie".

Ein Vertreter der Schwarz-Gelben Hilfe, einem Dresdner Verein, der Fans unterstützt, die Probleme mit der Justiz haben, sieht die Randale im Zug kritisch: "Das kann man nicht gutheißen." Dass Dynamo-Anhänger im eigenen Stadion auf den Rasen gerannt sind, sei aber normal. "Der Platzsturm ist ein Fanritual", sagt er, "um den Aufstieg zu feiern." Die Gruppe aus dem K-Block sei jedoch über das Ziel hinausgeschossen. "Vermummt und mit Pyro auf den Platz zu rennen, war zu viel."

Schon in Magdeburg war es zu Ausschreitungen gekommen . Rund 700 Dynamo-Anhängern wurde vor dem Spiel der Zutritt zum Stadion verwehrt. Der Veranstalter hatte ihnen Hausverbot erteilt. Die Polizei schloss die Tore. Beobachter sprechen von willkürlichen Aktionen der Beamten gegen die mitgereisten Dresden-Fans: Von übertriebener Gewalt und dem Einsatz von Pfefferspray ist die Rede. "Da haben Polizisten Leute bewusstlos geschlagen", sagt ein Vertreter der Schwarz-Gelben Hilfe, der anonym bleiben möchte. Im Gegensatz zu den Fußballfans müssten die Polizisten aber nicht mit Strafverfolgung rechnen.

Es sei logisch, dass der Unmut der Fans steige, wenn sie kurz vor Anpfiff des wichtigsten Spiel des Jahres nicht ins Stadion gelassen würden. Schon der Zug aus Dresden habe eine große Verspätung gehabt. Als die Anhänger ungeduldig in Richtung Tor gedrückt hätten, habe die Polizei sofort Pfefferspray versprüht - für den Fanvertreter eine unnötig harte Maßnahme.

Die Magdeburger Polizei bezeichnete die Dynamo-Anhänger hingegen als "sehr gewaltbereit und aggressiv gegen Ordner und Polizisten". Eine große Gruppe von Dresden-Fans hätte versucht, die erste Schleuse am Magdeburger Stadion zu überrennen und dabei Zäune eingerissen, sagte eine Polizeisprecherin. Durch die angekündigte Aktion sollten angeblich auch rund 300 Fans, die keine Karten gehabt haben sollen, ins Stadion gelangen.

Kritik an den Sicherheitskräften

Eine Darstellung, die die Fanhilfe Magdeburg in einer Stellungnahme anzweifelt. Der Anteil der Fans ohne Karte sei deutlich geringer gewesen und das Schließen der Tore keine spontane Reaktion auf das Verhalten der Dynamo-Anhänger, sondern Teil des Sicherheitskonzepts. Am Vorabend hätten Magdeburger Fans beobachtet, "wie Sicherheitsdienst und Polizei den Schließmechanismus und vorhandene Übersteigmöglichkeiten an diesem Tor inspizierten."

Die Magdeburger Polizei ermittelt nun gegen insgesamt 33 Fans wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Raub. 15 Beamte und ein Ordner seien verletzt worden. Zur Anzahl verletzter Fans konnte die Polizeisprecherin nichts sagen. Dynamo kritisiert die Sicherheitskräfte in seiner Stellungnahme. Die seien mit der Situation überfordert gewesen und hätten so "Hunderten friedlicher Fans mit gültigen Eintrittskarten den Zugang zum Stadion verwehrt". Die Gästetribüne der Dresdner blieb während des wichtigen Spiels halbleer.

Die Magdeburger Polizei weist den Vorwurf zurück. Es sei "in einem so großen Pulk schwierig, zu differenzieren, von wem die Gewalt ausgeht", sagt die Sprecherin. Es sei möglich, dass friedliche Fans in der Menge waren. Die Maßnahme sei trotzdem richtig gewesen. "So konnten wir die Randale eindämmen."

Aber nicht allein die Dresdner Fans waren gewaltbereit. Laut Polizei versuchten nach Spielende rund 250 vermummte Magdeburg-Fans, zu den Anhängern ihres Rivalen zu gelangen. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein, um zu verhindern, dass die Gruppen aufeinander treffen. Dynamo kündigte an, die Ausschreitungen in den kommenden Tagen aufzuarbeiten.

Mit Material von dpa

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insgesamt 60 Beiträge
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r_dawkins 20.04.2016
1. Dagegen muß endlich was getan werden!
Mein Vorschlag: sofortigen Liznezentzug für die 2.Liga! Vieleicht reißen sich dann diese "Fans" mal zusammen?
Info&Hilfe 20.04.2016
2. Wie lange noch?
Wie lange noch will der Staat noch dem Treiben dieser Kaputten zuschauen? Fans tun so etwas nicht, dies sind Randalierer, denen es in erster Linie nicht um Fußball geht. Die Vereine an den Kosten für die Polizei beteiligen und Strafen für die Randalierer, die denen wehtun. Und das Ganze ziemlich schnell, denn sonst wird in ein paar Monaten wieder Angst und Schrecken in Deutschlands Stadien verbreitet.
super-m 20.04.2016
3. Lizenzentzug?!
Lizenzentzug wegen ein paar hundert Randalierern unter mehreren zehntausend friedlichen Fans? Sippenhaft? Bei manch realitätsfernen und undurchdachten Forderungen muss man sich genau so an den Kopf fassen wie beim Verhalten einiger weniger Fans nach dem Dynamo Aufstieg.
effesste 20.04.2016
4. Ist das nicht das ...
... was so gerne als "Fankultur" der "Traditionsvereine" bezeichnet wird, wenn wieder einmal gegen Vereine wie RB Leipzig oder Hoffenheim gehetzt wird: gefährliche Körperverletzung, Brandstiftung, Landfriedensbruch etc.?
BlackSky003 20.04.2016
5. @1: Das Glauben sie wohl selber nicht
Die randalieren schon immer, egal in welcher Liga sich der Verein rumtreibt. Wird sich auch nicht ändern, denn ist irgendwas in den letzten Jahrzehnten passiert mit diesen Hooligans? Das ist ihre Lebensaufgabe, den Frust den sie durch ihr langweiliges, ereignisloses Leben haben freien Lauf zu lassen.
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