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Fußball-Familie Hazard: Einfach ballverliebt

Foto: AYKUT AKICI/ ASSOCIATED PRESS

Fußball-Familienvater Hazard "Eden ist ein Jasager"

Eden ist Superstar beim FC Chelsea, Thorgan großes Talent bei Gladbach, und auch Kylian ist Profi: Die Hazards sind die bekannteste Kickerfamilie Europas. Vater Thierry erzählt, wie es dazu kam.
Von Josef Opfermann

Fünf Profis und ein Nachwuchstalent: Die Familie Hazard ist eine der derzeit bekanntesten Fußballerfamilien Europas. Eden, 24, ist Stürmer beim FC Chelsea und Starspieler in der belgischen Nationalmannschaft. Thorgan, 22, hat kürzlich bei Borussia Mönchengladbach einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Kylian, 19, spielt beim SV Zulte Waregem in Belgiens erster Liga. Und der jüngste der vier Brüder, Ethan, 11, trainiert im Nachwuchszentrum des belgischen Zweitligisten AFC Tubize.

Auch die Eltern haben einen sportlichen Lebensweg: Vater Thierry, 48, war Fußballer in der zweiten und dritten belgischen Liga. Ein Verteidiger, ruhig am Ball, abgeklärt, beim Klub La Louvière . Und Mutter Carine, 50, spielte in der ersten belgischen Frauenfußballl-Liga. Die ehemalige Stürmerin Carine kickte selbst noch, als sie schon im dritten Monat mit dem ältesten Sohn schwanger war. Heute arbeiten Mutter und Vater als Sportlehrer.

"Wir haben uns nicht unbedingt auf Fußball fokussiert, sondern eher dafür gesorgt, dass sie viel Fahrrad fahren und schwimmen gehen", erinnert sich Vater Thierry. Und doch sind seine Söhne beim Fußball gelandet. "Wenn wir Musiker gewesen wären, würden unsere Jungs wahrscheinlich heute Musik machen", sagt Thierry Hazard nüchtern. Aber sechs Fußballer in einer Familie: Kann das Zufall sein? Thierry glaubt: ja.

"Haben die Kinder nicht pushen müssen"

"Wir haben die Jungs auf dem Weg zum Profifußball begleitet, was aber auf ihrer eigenen Entscheidung beruhte. Wir haben die Kinder überhaupt nicht in diese Richtung pushen müssen", sagt Thierry: "Wir haben uns damals auch nicht vorstellen können, dass sie so schnell so gut werden würden."

Eden Hazard (r.): Im Einsatz für den OSC Lille

Eden Hazard (r.): Im Einsatz für den OSC Lille

Foto: AYKUT AKICI/ ASSOCIATED PRESS

Die Karrieren der Söhne begannen direkt hinter dem Haus der Hazards. Wenige Meter trennen den Garten der Familie vom Platz des Kreisligisten Royal Stade Brainois. Alle vier Söhne und auch Vater Thierry haben für Brainois gespielt. Eden wurde dort in seinen Anfangsjahren noch von Thierry trainiert.

Talent ist, wenn man versteht

Wer nun aber der talentierteste seiner Söhne ist? "Es kommt darauf an, was man unter Talent versteht. Technisch gesehen ist Eden der beste, aber was den Fleiß angeht, ist Thorgan vorne", sagt Thierry: "Meiner Ansicht nach ist jemand begabt, wenn er schnell versteht, was man von ihm will. Und die beiden Großen haben genau dieses schnelle Verstehen eben schnell verstanden."

Seine Söhne vereint vor allem die Liebe zum Fußball. "Als Kinder haben die Jungs im Stadion hinterm Haus gespielt. Sie haben direkt neben dem Haus trainieren können, sind dann aber nach ein paar Jahren zum Nachbarverein gewechselt, weil dort bessere Strukturen vorhanden sind."

Eden und Thorgan wurden in der Fußballakademie des AFC Tubize ausgebildet, gerade einmal zehn Kilometer entfernt vom Elternhaus. Beide wechselten anschließend in die erste französische Liga: Eden ging zum OSC Lille, Thorgan zum Rivalen RC Lens. Im Jahr 2012 wurden beide vom FC Chelsea verpflichtet. Thorgan wurde direkt wieder ausgeliehen, zum belgischen Erstligisten SV Zulte Waregem. Dort gelang ihm der endgültige Durchbruch. Nach dem Vertragsende bei Zulte verlieh ihn Chelsea erneut, zu Borussia Mönchengladbach. Dort gehört Thorgan zu den Leistungsträgern. Währenddessen reifte sein älterer Bruder zum Star.

"Thorgan arbeitet härter als Eden"

"Eden ist ein Jasager, der Konflikten gern aus dem Weg geht. Er war schon immer überlegt und reif für sein Alter. Er hat großen Spaß am Spiel und redet auch gern darüber", beschreibt der Vater: "Thorgan ist etwas anders, er hat zwar ähnliche Qualitäten, aber er arbeitet noch härter als Eden. Kylian ist ein Mix aus beiden."

Kylian, 19, wurde ebenfalls in Tubizes Nachwuchszentrum ausgebildet. 2013 feierte er sein Profi-Debüt bei White Star Brussels in der zweiten belgischen Liga. 2014 wechselte er zu Thorgans Ex-Verein Zulte in die belgische Jupiler Pro League. Dort sitzt er häufig auf der Ersatzbank. Der Trainer wolle ihm Zeit zur Anpassung geben, erzählt Thierry. "Wenn er etwas schaffen will, dann darf er sich nicht von den beiden anderen blenden lassen. Er sollte nicht versuchen, im Schatten der zwei Großen mitzugehen."

Kylian Hazard: Schwieriger Start bei Zulte Waregem

Kylian Hazard: Schwieriger Start bei Zulte Waregem

Foto: KURT DESPLENTER/ AFP

Und Ethan? Auf die Frage, ob der Elfjährige denn auch Profifußballer werden wolle, sagt der Junge nur: "Bien sûr." Na klar. Die Werdegänge der drei älteren Brüder haben gezeigt, dass das Nachwuchszentrum von Tubize für einen Hazard nicht der schlechteste Ort ist, um eine Karriere zu starten.

Bei all den Erfolgen der Brüder stellt Vater Thierry eines besonders heraus: "Es gab nie Neid. Die Jungs haben sich untereinander nie verglichen." Das gilt bis heute. An die ersten Profi-Einsätze seiner älteren Söhne erinnert sich Vater Hazard gern. "Wenn man das erste Mal den Namen Hazard hinten auf einem Trikot sieht, dann ist das ein bisschen komisch", sagt Thierry: "Und wenn dann irgendwann im Stadion 40.000 Leute Edens Namen rufen oder Thorgan vom Publikum angefeuert wird: Da wird einem als Vater wirklich warm ums Herz."

Mitarbeit: Valerie Wagner
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