Neuer BVB-Trainer Terzić Kühle Analyse? Starkes Gefühl!

Edin Terzić folgt bei Borussia Dortmund auf Lucien Favre. Der neue Trainer wird vieles anders machen als sein ehemaliger Chef: Er ist mit dem BVB eng verbunden – und hat einen deutlich höheren »Klopp-Faktor«.
Edin Terzić bejubelt einen Treffer von Borussia Dortmund, das will er nun häufiger als Cheftrainer tun

Edin Terzić bejubelt einen Treffer von Borussia Dortmund, das will er nun häufiger als Cheftrainer tun

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Borussia Dortmund beansprucht für sich, ein besonders emotionaler Verein zu sein. »Echte Liebe« als Motto, enge Verbundenheit mit den Fans, das hat der BVB als Kernbotschaft nach außen erkannt, besonders seit der Zeit von Jürgen Klopp in Dortmund. Der etwas wortkarge und analytische Lucien Favre passte da nicht so rein. Trainer werden seit 2015, seit Klopp den BVB verlassen hat, auch daran gemessen, welchen Klopp-Faktor sie mitbringen. Favre lag auf dieser Skala von eins bis zehn wohl im negativen Bereich. Edin Terzić, Favre-Nachfolger und neuer Cheftrainer, soll wieder einer fürs Gefühl sein.

»Wir haben Edin 2018 als ausgewiesenen Fachmann zurück zu uns geholt, aber auch als positiven Typen, der ein gutes Gespür für den Umgang mit den Spielern mitbringt«, sagte Sportdirektor Michael Zorc am Montag. Etwas anderes könnte noch wichtiger sein: »Er legt die Emotionalität an den Tag, die es braucht beim BVB.« Terzić ist seit seiner Kindheit BVB-Fan, er soll seine früheren Leidensgenossen auf der Südtribüne mitnehmen.

Am Nachmittag wurde Terzić in Dortmund vorgestellt, am Dienstag steht bereits das nächste Spiel an, bei Werder Bremen. Es war ein ruhiger Auftritt, fast schon zurückhaltend, aber eine Video-Pressekonferenz ist ja auch keine Seitenlinie. Terzić möchte offensiven Fußball zeigen, er will lieber »ein Tor mehr schießen als der Gegner«, als eines weniger zu kassieren. Er bedankte sich bei Favre für die Zusammenarbeit und betonte seine eigene Mitverantwortung für die 1:5-Heimniederlage gegen Stuttgart. Er wolle seine Mannschaft »an die vielen guten Dinge« erinnern, die der BVB bis zur Pleite gegen den FC Bayern Anfang November gezeigt hatte.

Zorc kennt Terzić seit zehn Jahren

In Dortmund hatten viele Insider im Falle einer Entlassung von Favre mit einer Beförderung von Reservetrainer Enrico Maaßen gerechnet. Der ehemalige Coach von Drochtersen und Rödinghausen genießt in der BVB-Führungsetage hohes Ansehen, gilt als umsichtiger und konsequenter Förderer von Talenten und soll im Sommer vermeintlich bessere Angebote ausgeschlagen haben.

Edin Terzić schaffte es als Spieler bis in die Regionalliga

Edin Terzić schaffte es als Spieler bis in die Regionalliga

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Doch auch Terzić hat wichtige Fürsprecher im Klub. Sportdirektor Michael Zorc kennt Terzić seit zehn Jahren, als ihn Hannes Wolf in den Klub holte. Wolf – später Trainer bei den Traditionsklubs HSV und VfB Stuttgart – war damals selbst noch keine 30 Jahre alt, mischte die Dortmunder Jugendabteilung auf und machte sich für seinen Kommilitonen stark. Terzić, dessen Ambitionen als Spieler in der Regionalliga endeten, wurde Co-Trainer in der Jugend, hatte als Scout aber auch früh Kontakt mit der Profiabteilung und überzeugte Zorc mit seiner offenen, emotionalen, nahbaren und begeisterungsfähigen Art.

Terzić macht keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Borussia Dortmund. In solchen Fällen wird häufig von der obligatorischen Bettwäsche geschrieben, in der Spieler oder Trainer als Kinder geschlafen haben sollen. Dieses Detail ist bei Terzić nicht bekannt, aber er ließ sich Jahr für Jahr ein neues Trikot schenken, war im Besitz einer Dauerkarte und nennt den BVB »meinen Verein«. »Ich bin ein Produkt von Borussia Dortmund«, sagte Terzić auf der Pressekonferenz.

Auslandserfahrung in Istanbul und London

Der Dortmunder Junge Terzić hatte sich 2013 aber entschieden, seinen Verein wieder zu verlassen. Slaven Bilić hatte ihm damals das Angebot gemacht, als Co-Trainer zu Besiktas zu wechseln. Daraus wurden vier Jahre an der Seite des ehemaligen kroatischen Nationalspielers und Nationaltrainers. Nach zwei Jahren in Istanbul wechselten sie gemeinsam zu West Ham United. Besiktas und West Ham, zwei Klubs mit ähnlich starker Bindung zu den Fans, wie es in Dortmund der Fall ist. Zorc hatte Terzić allerdings nur gehen lassen unter der Prämisse, irgendwann wieder zusammenzuarbeiten.

Dieser Zeitpunkt war gekommen, als der BVB im Sommer 2018 nach einem verlorenen Jahr unter Peter Bosz und Peter Stöger einen neuen Trainer suchte und Favre verpflichtete. Der Schweizer brachte mit Manfred Stefes einen Co-Trainer mit, Terzić sollte in dem Gespann für die Klub-Werte stehen. Somit ergibt sich nun auch kein Zwiespalt. Terzić war ein loyaler Co-Trainer, der viel von Favre und dessen ruhiger und analytischer Art gelernt hat. Über Konflikte im Trainer-Team ist nichts bekannt. Er hätte jedoch wohl einige Dinge anders als sein ehemaliger Chef geregelt und kann deshalb nun unverbraucht vor die Spieler treten.

Auf die Frage, was der entscheidende Unterschied in den Gesprächen mit den Profis sei, sagte Terzić: »Es gibt keinen Konjunktiv mehr, kein hätte, würde, könnte.« Er kann nun die Entscheidungen treffen. Terzić wird zunächst bis Ende der Saison als Cheftrainer arbeiten. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Die »Bild«-Zeitung berichtet von Gladbachs Marco Rose als Wunschlösung für die kommende Saison.

Das bedeutet nicht, dass Terzić chancenlos ist im Rennen um einen langfristigen Vertrag. Wenn er das BVB-Umfeld mitnimmt (was ohne Zuschauer im Stadion gar nicht so leicht ist), Leidenschaft zeigt und den Klub dank seines taktischen Fachwissens wieder in die Champions League führt, könnte er zur Dauerlösung werden.

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