Einsatz der Torlinientechnologie Die fast perfekte Premiere

Der 3:0-Pflichtsieg von Frankreich im WM-Gruppenspiel gegen Honduras lieferte ein historisches Ereignis: Zum ersten Mal half die Torlinientechnologie, einen Treffer zu erkennen. Die Premiere ist geglückt, dennoch herrschte auch Verwirrung.
Szene zum 2:0: "Goal" statt "No Goal"

Szene zum 2:0: "Goal" statt "No Goal"

Foto: DAMIR SAGOLJ/ REUTERS

Ein wenig schien es bei dieser WM bisher so, als wolle die Fifa stolz ihre Fortschrittlichkeit demonstrieren. Egal ob die Bälle mit Höchstgeschwindigkeit im Tor einschlugen oder deutlich das Netz ausbeulten - stets kam im TV per Torlinientechnologie die Bestätigung, derer es nicht bedurft hätte: "Goal", Tor, wurde dann eingeblendet.

Am Sonntag kam es in der Partie zwischen Frankreich und Honduras (3:0) nun zur ersten Entscheidung, bei der die Neuerung vonnöten war. Beim 2:0 hatte Frankreichs Stürmer Karim Benzema den Ball an den Innenpfosten gesetzt, dann hechtete Noel Valladares hinterher und bugsierte das Spielgerät mit seiner Aktion erst ins Tor, wenn auch äußerst knapp. Selbst Zeitlupenbilder aus verschiedensten Winkeln ließen noch Restzweifel zu. Auftritt Torlinientechnologie mit dem Namen "GoalControl".

Doch die auch im Stadion auf den Videoleinwänden gezeigte Simulation sorgte bei manchen noch für Verwirrung, weil sie zwei Situationen bewertete: den Pfostenschuss und Valladares verunglückte Rettungsaktion. Und so sahen die 43.000 Zuschauer in Porto Alegre ebenso wie beide Teams und die Trainer zunächst die Anzeige "No Goal" - kein Tor. Was laut Fifa ein normaler Vorgang ist, da durch das neue Techniksystem alle Vorfälle angezeigt werden, in denen sich der Ball innerhalb von 30 Zentimetern um die Torlinie befindet. Erst danach wurde die Torszene eingespielt und der Treffer korrekt angezeigt, erläuterte die Fifa.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der brasilianische Referee Sandro Ricci bereits auf Tor entschieden, da ihm sein Empfänger am Handgelenk die Korrektheit des Treffers angezeigt hatte. Anders als bei den (falschen) Elfmeter- und Abseitsentscheidungen, die diese WM bisher mitgeprägt haben, wurden also zumindest in der ersten strittigen Torfrage eine falsche Entscheidung ausgeschlossen und Diskussionen vermieden. Fast zumindest.

"Es ist gut, wenn die Schiedsrichter eine Hilfe bekommen. Aber wir waren alle nervös, weil wir die erste Einblendung gesehen haben. Erst hieß es 'No Goal'. Aber letztlich war es richtig, dass das Tor zählt", kommentierte Frankreichs Trainer Didier Deschamps die Szene, dessen Fazit aber klar lautete: "Eine sehr gute Lösung und sinnvolle Einführung". Sein Torhüter Hugo Lloris - obwohl bei der Aktion 100 Meter Luftlinie entfernt - pflichtete ihm bei: "Wir haben alle gesehen, dass der Ball im Tor ist. Wenn du das zweite Bild anschaust, dann siehst du, dass er drin war."

Dass es anschließend dennoch Diskussionen über die Entscheidung gab, lag eher an einem Missverständnis, dass "GoalControl" sich nicht etwa innerhalb von Sekunden korrigierte, sondern zwei unterschiedliche Aktionen bewertete. "Die erste Entscheidung lautete 'No Goal'. Ich weiß nicht, was ich denken soll", sagte Honduras' Trainer Luis Fernando Suarez: "Wenn das System eine klare Meinung hat, muss eine klare Meinung her. Erst 'No Goal', dann 'Goal' - wo ist die Wahrheit?"

Am Sonntag gab es nun mal derer zwei - im Abstand von Sekundenbruchteilen, eine kurz vor, eine kurz hinter der Linie. Was mit dem bloßen Auge und in Echtzeit kaum wahrzunehmen war, erkannte "GoalControl" richtig und verhinderte grundlegende Diskussionen. Ein bisschen Verwirrung aber blieb. Die Fifa erwägt daher nun, das Prozedere für die Videoeinspielung zu überdenken.

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