Einsatz in Fankneipe 3500 St. Pauli-Fans demonstrieren gegen Polizeigewalt

Friedlicher Protest: Zahlreiche Anhänger des FC St. Pauli haben gegen einen Polizeieinsatz in der Fankneipe "Jolly Roger" demonstriert. Auch Spieler des Zweitligisten schlossen sich dem Demo-Zug an. Ein Besucher der Kneipe hat Strafanzeige gegen die Polizei gestellt.

Hamburg - "Wir machen auch ohne Zähne das Maul auf", stand in weißen Buchstaben auf einem braunen Transparent, das über der St. Pauli-Fankneipe "Jolly Roger" hing. Diese Losung war gleichzeitig auch das Motto einer Demonstration von Anhängern des Hamburger Fußballclubs, bei der am Freitagabend rund 3500 Teilnehmer gegen Polizeigewalt protestierten.

Auslöser war die Stürmung der Kneipe durch die Polizei am vergangenen Wochenende. Dabei waren mehrere Besucher durch Pfefferspray und Schlagstöcke verletzt worden. Einer von ihnen schwer: Der Journalist Sven Klein wurde von einem Polizeiknüppel so hart im Gesicht getroffen, dass ihm seither vier Schneidezähne fehlen.

Die Hamburger Polizei gab zu dem Einsatz bislang keine detaillierte Stellungnahme ab und verwies auf ein laufendes Verfahren des Dezernats für interne Ermittlungen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist mittlerweile mindestens eine Strafanzeige von einem Besucher der Kneipe gegen die beteiligten Einsatzkräfte vorbereitet.

Unter der Woche war ein Video im Internet aufgetaucht, auf dem der Polizeieinsatz in den Morgenstunden des 5. Juli festgehalten ist. In dem Film ist zu sehen, wie die Polizei erst große Mengen Pfefferspray in den Gastraum schießt und anschließend in den Laden stürmt. Im weiteren Verlauf des Filmes sieht man, wie die vor dem Pfefferspray flüchtenden Gäste mehrfach durch den Einsatz eines Wasserwerfers daran gehindert werden, den Gastraum der Kneipe zu verlassen.

"Ich hatte Todesangst, überall neben mir schrien und husteten die Leute, viele von ihnen mussten sich übergeben. Mir blieb mehrere Sekunden die Luft weg, raus konnten wir ja nicht", sagte einer der Samstagnacht Anwesenden, der namentlich nicht genannt werden möchte, zu SPIEGEL ONLINE.

Um wenigstens ihrem Ärger Luft zu machen, hatten der Betreiberverein des "Jolly Roger" sowie Betroffene und Sympathisanten die Demo am Freitagabend initiiert. Im Anschluss an das Testspiel des FC St. Pauli gegen den schottischen Erstligisten Heart of Midlothian (2:0) versammelten sich die Demonstranten vor dem "Jolly Roger".

Von dort aus setzte sich die Demo, an der neben Aufsichtsratsmitgliedern auch Spieler des Zweitligisten sowie die stellvertretende GAL-Fraktionsvorsitzende Antje Möller teilnahmen, in Bewegung. Auch eine Gruppe HSV-Fans zeigte sich solidarisch und demonstrierte gemeinsam mit den Anhängern des lokalen Rivalen.

Unter "Wir sind St. Pauli - scheiß Polizei"-Rufen zogen die Protestler friedlich durch den Stadtteil und das angrenzende Schanzenviertel. Die Polizei begleitete den Aufzug mit einem Spalier an beiden Seiten, zudem wurden mehrere schwere Einsatzfahrzeuge und Wasserwerfer aufgeboten, die jedoch nicht zum Einsatz kamen.

Die Veranstalter erklärten die Demonstration nach rund zwei Stunden gegen 23 Uhr für beendet.

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