Wolfsburg-Sieg gegen Braunschweig "Das pusht uns noch mehr"

Wolfsburg hat das Relegationshinspiel gegen Braunschweig nur dank eines unberechtigten Elfmeters gewonnen. Und was war da vorher in der Kabine mit dem Sportgerät? Immerhin: Der Verlierer klingt jetzt optimistischer als der Sieger.

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Aus Wolfsburg berichtet


Wolfsburgs Innenverteidiger Philipp Wollscheid trug seine Analyse fast flüsternd vor, den Blick nach unten gerichtet. Auch Yunus Malli sprach leise und in monotoner Tonlage, in seinem Gesicht war keine Freude zu erkennen. Und Manager Olaf Rebbe scheint für öffentliche Auftritte ohnehin nur über eine Mimik zu verfügen, die sich am ehesten mit "neutral" beschreiben lässt. Die Wolfsburger sahen nicht aus wie Sieger. Und sie fühlten sich auch nicht so, jedenfalls nicht so richtig.

Sie hatten das Hinspiel in der Relegation gegen Eintracht Braunschweig ja nur denkbar knapp gewonnen, 1:0, dank des Treffers von Mario Gomez durch einen Elfmeter, den es nicht hätte geben dürfen.

Und sie wussten, dass diese Relegation noch lange nicht entschieden ist, dass am Montag in Braunschweig (20.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch einmal 90 aufreibende Minuten warten, mindestens. "Wir haben zu null gewonnen. Das war das Wichtigste. Aber das war nur der erste Schritt", sagte Malli. "Wir hätten gerne höher gewonnen, hätten gerne noch ein, zwei Tore mehr geschossen. Das haben wir nicht getan", klagte Rebbe. Auch Trainer Andries Jonker gab an, dass er "nicht froh" über den knappen Sieg sei. Aber immerhin: "Wir haben wirklich gekämpft. Das hat mich gefreut", sagte er.

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Bundesliga-Relegation: Das hatte Hand und Fuß

Immerhin die Grundtugenden des Spiels, vor allem die Grundtugenden im Abstiegskampf, haben die Wolfsburger vorgewiesen. Anders als so oft in dieser Saison. Und es sagt viel über den Zustand des VfL, dass Jonker das Vorhandensein von Einsatz und Kampf gegen den Herausforderer aus der zweiten Liga eine besondere Erwähnung wert ist.

Die Braunschweiger hatten mit allerhand Widrigkeiten zu kämpfen. Vor dem Spiel hätten sie ihre Schuhe in der Kabine durchnässt vorgefunden, berichteten sie. "Vermutlich hat sich irgendein Wolfsburger einen Scherz erlaubt", sagte Kapitän Ken Reichel. "Da ist in der Kabine irgendetwas falsch gelaufen", sagte Trainer Torsten Lieberknecht, wollte den VfL aber nicht der Sabotage bezichtigen. Emotionaler wurde er im Zusammenhang mit dem Elfmeter, der seiner Mannschaft die Niederlage brachte, und der gleich in doppelter Hinsicht fragwürdig war.

Schiedsrichter Sascha Stegemann übersah, dass Gomez den Ball mit der Hand spielte - und entschied unmittelbar darauf auf Strafstoß, nachdem der sich wegdrehende Gustav Valsvik aus nächster Nähe angeschossen wurde. "Jeder hat die Szene gesehen. Deswegen hasse ich diese Relegation. Das ist eine Entscheidung, die extrem weh tut", sagte Lieberknecht. Jeder hatte gesehen, dass der Elfmeter Quatsch war, das wollte er sagen.

Meinungskompass

"Montagabend in Braunschweig - da weiß man, was da los ist"

Doch vielleicht haben die tragischen Umstände der Niederlage sogar etwas Gutes. "Durch so eine Entscheidung verloren zu haben, pusht uns noch mehr", sagte Kapitän Reichel mit Blick auf das Rückspiel. Die Braunschweiger gehen die Partie selbstbewusst an, weil sie in Wolfsburg zufrieden waren mit ihrer Leistung. Während Spieler und Verantwortliche des VfL ein bisschen so klangen, als hätten sie verloren, hörten sich die Braunschweiger an wie die heimlichen Sieger. "Wir haben gesehen, dass wir mit Wolfsburg mithalten können", sagte Reichel. Und Trainer Lieberknecht bezeichnete die knappe Niederlage sogar als günstige Ausgangslage für das zweite Treffen. "Uns war es wichtig, mit einem guten Ergebnis ins Rückspiel zu gehen. Das ist uns gelungen, denke ich", sagte er. 0:1 sei schließlich besser als 0:6.

Zuversichtlich macht die Braunschweiger für das zweite und entscheidende Treffern, dass sie zu Hause spielen. Sie haben in dieser Saison in jedem Spiel im Stadion an der Hamburger Straße getroffen, kassierten nur eine Niederlage. Die Stimmung kann die Mannschaft tragen. "Montagabend in Braunschweig - da weiß man, was da los ist", sagte Trainer Lieberknecht. "Der Tempel wird brennen, wir haben ganz Braunschweig in unserem Rücken", tönte Torwart Jasmin Fejzic.

Wer wollte, konnte diese Aussage als Seitenhieb gegen den VfL deuten. Die Wolfsburger haben offensichtlich nicht die ganze Stadt im Rücken. Die Arena am Mittellandkanal war beim Relegationshinspiel zwar offiziell ausverkauft - doch an vielen Stellen war auf den Rängen das Grau leerer Sitze zu sehen.



insgesamt 24 Beiträge
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elektrofachkraft 26.05.2017
1.
Was die Braunschweiger noch mehr "pushen" dürfte, ist wohl die Tatsache, dass ihr geschätzter Kollege Jan Hochscheidt nach einer klaren Tätlichkeit nicht vom Feld verwiesen und für's Rückspiel gesperrt wurde. Aber klar, über die Szenen, in denen der BTSV begünstigt wurde, wird selbstverständlich nicht berichtet.
joe.micoud 26.05.2017
2.
Das Ding ist durch. Braunschweig ist offensiv beschränkt. Eine Zu-Null-Niederlage, auch nur 1-0, holen sie nicht auf. Ein Konter und das Ding ist früh durch. Die Entscheidung ist gestern schon gefallen. Eine falsche Entscheidung hat alles entschieden.
isegrim der erste 26.05.2017
3.
Ich bin kein Anhänger von Braunschweig und erst recht nicht von Wolfsburg. Aber nach dieser Niederlage nach einem vollkommen unberechtigten Elfmeter muss man der Mannschaft von Eintracht Braunschweig für das Rückspiel die Daumen drücken und einen Erfolg wünschen.Schade, dass solche vollkommen undiskutablen Schiedsrichterleistungen immer wieder wichtige Spiele entscheiden und damit das Bild der Bundesliga verzerren.
kloppskalli 26.05.2017
4. berechtigter Elfer
wollte ich nur mal so sagen - auch wenn die dumpfe Masse der Verschwoerungstheoretiker anders sehen. Wenn im Strafraum, bzw auf der Linie des gleichen, die Arme nicht eng am Koerper anliegen, somit die Koerperflaeche vergrossern, und der Ball vom Arm abprallt, dann muss der Schiri 11er pfeiffen..
btsvschorse 26.05.2017
5. War doch zu erwarten....
passte doch alles zusammen... - die äußerst fragwürdige Ansetzung des SR, der uns in den letzten 4 Spielen und auch gestern Elfmeter verweigerte. (Quelle: kicker) - das nicht ausverkaufte Stadion, was ja laut VW nicht sein darf und kann - das ständige Wundliegen und die Reklamiererei der hochbezahlten Unsympathen in Grün... - das peinliche Verhalten der Wolfsburger vor und nach dem Spiel Wir dürfen doch gar nicht aufsteigen, da haben der korrupte DFB und sein korrupter Partner Volkswagen doch einiges dagegen..... ...und ich werde Montag abend sehr heiser sein....
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