Frankfurts Sieg gegen Benfica Eintracht vom Main, weil wir dich alle lieben

Wer Frankfurts Siegeszug in Europa nicht wohlwollend begleitet, hat den Fußball nie geliebt. Gegen Benfica brauchte die Eintracht aber eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichters, um ins Halbfinale einzuziehen.

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Die Sache mit dem Spielglück: Die spielentscheidende Szene muss man sich kurz unter umgedrehten Vorzeichen vorstellen. Eine deutsche Mannschaft scheidet im Europapokal wegen einer klaren Fehlentscheidung des Schiedsrichters aus. Na, können Sie sich das Wehklagen über die schreiende Ungerechtigkeit vorstellen? So wird es allen gehen, die es mit Benfica Lissabon halten. Der Tabellenführer in Portugal musste einen Treffer von Eintracht Frankfurts Filip Kostic hinnehmen (36. Minute), obwohl der Serbe beim Pfostenschuss von Mijat Gacinovic so deutlich im Abseits stand, dass es kein Linienrichter in der Europa League übersehen darf. Beim TV-Sender RTL mit Kommentator Marco Hagemann und Experte Steffen Freund war in der Folge von "Spielglück" die Rede. Nicht falsch, aber auch nicht unbedingt neutral.

Das Ergebnis: Die Eintracht drehte die 2:4-Niederlage aus dem Hinspiel dank der Auswärtstorregel mit einem 2:0-Heimsieg um, hier lesen Sie den Spielbericht.

Im Herzen von Europa: Wer in dieser Saison über Frankfurts Auftritte in der Europa League berichtet, kommt an der außergewöhnlichen Unterstützung der Eintracht-Fans nicht vorbei. Dazu gehörten zehntausende Anhänger bei den bisherigen sechs Auswärtsspielen sowie ausverkaufte Heimspiele mit sehenswerten Choreografien. Gegen Benfica folgte die nächste Ausgabe - mit Zitaten aus der Vereinshymne. Dort heißt es: "Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main" und "Eintracht vom Main, weil wir dich alle lieben".

Ein Teil der Choreografie der Frankfurter Fans
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Ein Teil der Choreografie der Frankfurter Fans

Erste Hälfte: Was darf man von einer Mannschaft, die ein Hinspiel im Europapokal 4:2 gewonnen hat, erwarten? Benfica-Trainer Bruno Lage entschied sich für ein Defensivkonzept, das von seiner ansonsten spielstarken und torhungrigen Mannschaft nur selten praktiziert wird. Sechs Spieler blieben konstant hinter dem Ball und überschritten die Mittellinie nur in Ausnahmefällen. Der Plan ging bis zum umstrittenen Führungstor der Eintracht auf. Lage wurde nach lautstarken Protesten auf die Tribüne geschickt und konnte nicht mehr aktiv coachen.

La Falette: Die Frankfurter ließen sich durch Benficas Taktik nicht aus der Ruhe bringen und spielten kontrolliert, ohne die eigene Defensive außer Acht zu lassen. Dabei musste Eintracht-Trainer Adi Hütter mit Martin Hinteregger einen wichtigen Stammspieler ersetzen. Der Österreicher fehlte wegen einer Oberschenkelverletzung. Dafür rückte Simon Falette in die Dreierkette, der in dieser Saison erst neun Pflichtspiele absolviert hat. Das merkte man dem Nationalspieler Guineas jedoch nicht an, er überzeugte als zweikampfstarker Balleroberer.

Zweite Hälfte: Für ein paar Minuten gaben die Portugiesen ihre defensive Ausrichtung auf - und wären durch ein Eigentor von Falette fast belohnt worden (47.), doch der Ball strich nach Vorarbeit des im Hinspiel so starken João Félix knapp am rechten Pfosten vorbei. Doch die Frankfurter befreiten sich, übernahmen mit ihrer aggressiven Spielweise wieder das Kommando und kamen durch Sebastian Rode zum entscheidenden zweiten Treffer (67.). Entscheidend, weil der eingewechselte Eusebio Salvio in der 85. Minute mit einem Dropkick nur den Pfosten traf und die Eintracht die anschließende Abwehrschlacht auch in der vierminütigen Nachspielzeit gewann. Als Schiedsrichter Daniele Orsato abpfiff, konnten Ordner nur mit Mühe einen Platzsturm verhindern. Orsato selbst wurde von wütenden Benfica-Spielern belagert.

Und jetzt? Erstmals seit 39 Jahren steht die Eintracht wieder in einem Europapokal-Halbfinale. Im Uefa-Pokal der Saison 1979/1980 setzte sich Frankfurt mit Vereinsikonen wie Karl-Heinz Körbel, Bernd Hölzenbein, Ronald Borchers oder Norbert Nachtweih im Halbfinale gegen den FC Bayern durch und auch im deutschen Finale gegen Borussia Mönchengladbach siegte die Eintracht. Das wollen die aktuellen Helden wiederholen, im Halbfinale am 2. und 9. Mai geht es gegen den FC Chelsea. Fehlen wird im Hinspiel der gelbgesperrte Ante Rebic, der an der Vorbereitung beider Treffer beteiligt war.

Sebastian Rode
Ralph Orlowski REUTERS

Sebastian Rode

Eintracht Frankfurt - Benfica Lissabon 2:0 (1:0)
1:0 Kostic (36.)
2:0 Rode (67.)
Eintracht: Trapp - Hasebe, Abraham, Falette (90.+2 Willems) - da Costa, Fernandes, Rode (86. Torro), Kostic - Gacinovic - Jovic (76. Paciencia), Rebic.
Benfica: Vlachodimos - Almeida (79. Jonas), Dias, Jardel, Grimaldo - Fejsa, Samaris (70. Pizzi) - Silva (72. Salvio), Gedson, Félix - Seferovic.
Schiedsrichter: Orsato
Gelbe Karten: Abraham, Falette, Rebic - Jonas
Zuschauer: 48.000



insgesamt 87 Beiträge
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zieglerm 19.04.2019
1. Eine Wahnsinnssaison für die Eintracht
Das Tor war zwar glücklich, der Pfostenschuss davor aber Pech. Die Eintracht hat die erste Halbzeit und einen guten Teil der 2. Halbzeit dominiert. Auch im Hinspiel waren viel Pech und harte Schiedsrichterentscheidungen dabei. Aber vor allem ist aufgefallen, dass auch in Lissabon die Eintracht Fans ihre Mannschaft noch 20 Minuten nach Spielende trotz des 2:4 gefeiert haben und die Portugiesen schon mit dem Schlusspfiff das Stadion verließen. Glücklich ja aber auch verdient ist diese Eintracht im Halbfinale.
born.gerhard 19.04.2019
2. Genial
Was soll man sagen, wenn man seit der Kindheit Eintracht-Fan ist. Es war einfach genial. Natürlich half auch beim ersten Tor das Glück (Abseitstor). Es ist und bleibt eine geniale Mannschaftsleistung.
hileute 19.04.2019
3. Bin schon aufs Halbfinale gespannt
Chelsea hat sich diese Saison international noch keinesfalls mit Ruhm bekleckert, schwer zu sagen wie sie gegen eine Mannschaft die nicht maximal zweitklassig ist auftreten werden
briancornway 19.04.2019
4. Immer wieder überraschend
Wenn man aus einem Gefuddel zwischen 2-3 Gegnern am Ende mit dem Ball entkommt, wenn der Ball gerade so nur an die Latte geht, wenn er unhaltbar abgefälscht wird, oder wenn der Schiedsrichter eine Situation falsch beurteilt (und es nicht korrigiert wird), dann würde ich all sowas zusammenfassen unter ... genug bzw. fehlendes Spielglück. Obwohl Benfica in der Qualität der einzelnen Spieler stärker sein müsste, war unter'm Strich ein Sieg mit 2 Toren Vorsprung durchaus verdient. Zwei korrekte Treffer wären natürlich besser gewesen. Eigentlich dürfte jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht sein, aber das dachte ich auch schon vor dem Achtelfinale.
pdqbach2005 19.04.2019
5. Sehr bitter
Als Frankfurter hätte ich mir einen saubereren Sieg gewünscht, das erste Tor war ohne jede Frage irregulär. An ein Weiterkommen hatte ich so nicht geglaubt, finde es aber subjektiv schon sehr verdient, es kann ja keiner sagen, dass die Eintracht bisher vom Glück verwöhnt gewesen ist. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, ich drücke alle Daumen!
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