Eintracht Frankfurt Leben wirft das Handtuch

Die Führungskrise beim vom Lizenzentzug bedrohten hessischen Bundesligisten droht zu eskalieren. Am Samstag ist der vor Wochen noch als Heilsbringer gefeierte Schatzmeister Rainer Leben von seinem Amt zurückgetreten. Geht damit auch der lebensnotwendige "strategische Partner"?

Frankfurt am Main - Nach dem Rücktritt des selbsternannten Retters Rainer Leben geht es für Eintracht Frankfurt ums Überleben. Ohne den bisherigen "starken Mann", der im Alleingang die Verhandlungen mit möglichen Investoren führte, ist die Zukunft des krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten wieder völlig unklar. Bis zum 31. Mai müssen die Hessen nun einen Geldgeber finden, der rund 20 Millionen Mark mitbringt, sonst droht dem Traditionsverein die Lizenzverweigerung durch den DFB und der Sturz in die Oberliga.

Dennoch zeigten sich Vize-Präsident Dr. Peter Lämmerhirdt und der Verwaltungsrats-Vorsitzende Bernd Ehinger, die nun die weiteren Verhandlungen führen werden, optimistisch: "Die Lizenz ist nicht in Gefahr. Es läuft alles normal weiter. Wir sind voll drin in der Materie, zur Mitgliederversammlung am 28. Mai werden wir spätestens unseren neuen Partner vorstellen", sagte Lämmerhirdt. "Ich bin überzeugt, dass der strategische Partner in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. Wir waren mit Herrn Leben sehr unterschiedlicher Meinung bei der Umsetzung der Ziele, unabhängig von der Frage des Partners", ergänzte Ehinger.

Ehinger behielt damit im Machtkampf mit Leben, den er noch am 21. Oktober auf den Schild gehoben hatte, die Oberhand. "Der Rücktritt hatte mit Herrn Lebens persönlichem Verhalten zu tun. Ich finde die jetzige Lösung gut", meinte Lämmerhirdt.

Leben hingegen übte am Sonntag heftige Kritik am mächtigen Kontrollgremium: "Das Präsidium ist in der Vergangenheit vom Verwaltungsrat entmündigt worden, aber ich bin keine Marionette dieser Herren. Der Verwaltungsrat ist mitverantwortlich für die jahrelange Misswirtschaft. Er will zu viel Macht statt seiner Aufgabe als Kontrollorgan nachzukommen."

In den vergangenen Tagen hatte das Misstrauen an Lebens Verhandlungsführung mit den drei potenziellen Investoren, die für eine Finanzspritze von rund 30 Millionen Mark im Gegenzug 25,1 Prozent Beteiligung an der Eintracht erhalten sollen, zugenommen.

Der 43-Jährige, der zuvor auch als "Marionette" der Kinowelt AG bezeichnet worden war, hatte schließlich den beiden Vize-Präsidenten Lämmerhirdt und Hans-Joachim Schroeder auf einer dreistündigen Sitzung im Frankfurter Airport Center am Samstag die Schweizer Gruppe Swiss Invest als seinen Favoriten präsentiert. "Wir hätten aber in jedem Fall nachverhandeln müssen", erklärte Schroeder.

Doch noch vor der anschließenden Sitzung mit dem Verwaltungsrat kam es zum persönlichen Gespräch mit zwei Personen aus diesem Gremium, darunter Ehinger, die Leben offenbar zum Rückzug drängten. "Das Tempo der von mir erarbeiteten Veränderungen war sehr schnell für einen Verein", meinte Leben dazu.

"Die Umstrukturierungen führen natürlich zur Entmachtung von einzelnen Personen, aber das geht im heutigen Profisport nicht anders. Die Eintracht ist auf dem Wege, ihre Pläne vom Anspruch auf die Champions League nicht nur nicht zu realisieren, sondern sogar in die Insolvenz zu gehen", sagte Leben.

Lämmerhirdt bezeichnete solche Befürchtungen hingegen als "Quatsch". Der Verwaltungsrat hat offenbar hinter dem Rücken des Schatzmeisters (Leben: "Das ist gegen die Satzung und grob fahrlässig") mit der Hamburger Marketingagentur IMG verhandelt, deren unterschriftsreifes Angebot Leben im März in letzter Minute noch abgelehnt hatte. Außerdem halten Swiss Invest, Octagon und Kinowelt/Sportwelt ihre bisherigen Offerten aufrecht.

Am Dienstag werden sich sämtliche Gremien der Eintracht zur entscheidenden Sitzung treffen. Dann soll das komplette Zukunftskonzept verabschiedet und auch das dritte Präsidiumsmitglied neu gewählt werden, damit der Verein wieder handlungsfähig ist. Favorit ist offenbar Ehinger selber, der sich zu Personalfragen nicht äußern wollte.

Ein kompetenter Kandidat für den seit dem Rücktritt von Rolf Heller am 31. Januar vakanten Präsidentenposten ist hingegen in der Banken-Metropole weiter nicht in Sicht. "Das ist das typische Eintracht-Frankfurt-Phänomen: Jetzt, wo es sportlich besser läuft, ist alles wieder gut und es wird weiter gewurschtelt wie bisher", sagte Leben, der den Klub künftig als einfaches Mitglied unterstützen will. Der Unternehmensberater kündigte die sofortige Rückforderung seiner Bürgschaft von 2,5 Millionen Mark an. "Kein Problem. Die wird durch eine andere Bürgschaft ersetzt", sagte Lämmerhirdt.

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