Eintracht Frankfurt nach dem 0:4 »Wenn man gegen Gladbach nicht mal verlieren kann, verstehe ich die Welt nicht mehr«

Die Niederlage in Mönchengladbach wirft für Frankfurt Fragen auf. War die Pleite eine Reaktion auf den Wechsel des Trainers? Verspielt die Eintracht die Champions League? Und wer im Klub soll das eigentlich bewerten?
Frankfurter Tristesse nach dem Tor zum 0:4

Frankfurter Tristesse nach dem Tor zum 0:4

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Am Dienstag spielt Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg. Sollte Frankfurt das Spiel gewinnen, wird sich gewiss jemand finden, der von einer guten oder auch der richtigen Reaktion auf die 0:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach sprechen wird. Im Nachgang der Pleite bemühte sich die Eintracht eifrig darum, diese bloß nicht als Reaktion auf den bevorstehenden Wechsel von Trainer Adi Hütter nach Mönchengladbach zu bewerten. Sonst nämlich müssten die Frankfurter zugeben, mit Hütters vorzeitig bekannt gegebenen Transfer einen großen Fehler begangen zu haben.

Der Fall ist komplex, und sollte die Eintracht am Dienstag nicht gegen Augsburg gewinnen, würde er noch komplizierter.

Noch aber ist es nur diese eine, wenn auch heftige Niederlage im Duell mit dem neuen Klub. »Wenn man gegen Borussia Mönchengladbach nicht mal verlieren kann, verstehe ich die Welt nicht mehr«, sagte Hütter nach der Partie mit einem schon leicht empörten Unterton.

Die Frage, ob dieses 0:4 die Reaktion auf die Bekanntgabe seines Wechsels war, stand im Raum. Und sie wird bei jedem weiteren Misserfolg erneut kommen. Der Vorsprung auf den Tabellenfünften ist vorerst auf sechs Punkte geschrumpft, er kann bei einem Sieg von Borussia Dortmund am Sonntag gegen Werder Bremen aber noch kleiner werden. Da bietet sich schon die nächste Frage an: Verspielt die Eintracht wegen Hütters vorzeitig bekanntgewordenem Wechsel die erstmalige Teilnahme an der Champions League?

Selbst bei einer Niederlage gegen Augsburg kann das niemand beantworten. Aber die Lage muss wohl in den folgenden Wochen ständig neu bewertet werden, um möglicherweise noch rechtzeitig Konsequenzen ziehen zu können. An dieser Stelle ist es allerdings auch wieder kompliziert. Denn der oberste Bewerter und Entscheider der Eintracht heißt Fredi Bobic, aber auch der Sportvorstand verlässt den Verein nach der Saison und wechselt zu Hertha BSC. Die Frankfurter watscheln mit zwei lame ducks auf das Ende der Saison zu, die doch eigentlich mit einem der größten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte enden soll.

Adi Hütter war in Gladbach darum bemüht, alles als Einzelfall darzustellen. Der Fehler von Kevin Trapp beim 0:2 etwa »kann mal passieren«. Der Torhüter habe in den Wochen zuvor so viele gute Leistungen gezeigt und Punkte gerettet. Das Spiel in Gänze könne »auch mal passieren«, schließlich hätte die Eintracht vor dem Anpfiff im Kalenderjahr 2021 sogar einen Punkt mehr geholt als der FC Bayern: »Wir reden über die vierte Niederlage in dieser Saison. Das ist außergewöhnlich für Eintracht Frankfurt.«

Rapider Leistungsabfall bei mehreren Leistungsträgern

Bemerkenswert war aber trotzdem, wie rasant die Formkurve bei einigen Spielern gefallen war. Stefan Ilsanker, der zwei Wochen zuvor beim Sieg in Dortmund noch Erling Haaland an die Kette legte, verlor in Gladbach bisweilen die Orientierung. André Silva, der bisher 23 Saisontore erzielte, war so harmlos wie selten. Erik Durm, Daichi Kamada, Evan N'Dicka – auch bei ihnen war ein frappierender Leistungsabfall zu erkennen. Dass Hütter mit den Auswechslungen von Ilsanker und Durm bis zur 65,. bei Kamada gar bis zur 84. Minute wartete, blieb zudem rätselhaft.

Bei dem Versuch, die Lage so darzustellen, als sei kaum etwas passiert, schlug sich der Trainer besser als sein Team auf dem Platz. Der Spielplan kam ihm dabei durchaus recht: »Mund abputzen. Wir sind froh, dass es Dienstag schon weitergeht.«

Wer wird neuer Sportchef?

Möglicherweise wird der Verein selbst auch noch ein wenig zur Beruhigung beitragen können. Der neue Sportvorstand soll schon feststehen, er könnte noch vor dem Anpfiff gegen Augsburg bekannt gegeben werden.

Bei der Auswahl war maßgeblich Philip Holzer beteiligt, der Chef des Aufsichtsrates. Der frühere Investmentbanker sagte mal, dass er keinerlei Ambitionen habe, ins operative Geschäft einzugreifen. Aber die vergangenen Tage ließen ihm kaum eine andere Wahl als umtriebig und auch im Licht der Öffentlichkeit ebendies zu tun.

Die Eintracht braucht einen neuen Entscheider, der einen neuen Trainer sucht und den aktuellen durch eine Zeit mit komplexen Aufgaben begleitet. Im Idealfall kommt dabei aus Frankfurter Sicht kurzfristig die Qualifikation für die Königsklasse heraus.

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