Eintracht Frankfurt Rausch geht, Woodcock kommt

Bei Eintracht Frankfurt herrschen auch nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga chaotische Zustände. Team-Manager Friedel Rausch tritt zurück, weil ein alter Bekannter bei den Hessen künftig den Ton angibt.


Friedel Rausch: Schluss mit der "Diva vom Main"
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Friedel Rausch: Schluss mit der "Diva vom Main"

Frankfurt am Main - Der 61-Jährige reagierte damit auf die Entscheidung des Aufsichtsrats der Eintracht Frankfurt Fußball AG, mit dem früheren englischen Nationalspieler Tony Woodcock die neu geschaffene Position des Sportvorstandes zu besetzen.

"Wer vorher in der ersten Reihe stand, steht ungern in der zweiten Reihe", kommentierte Rausch die Beschneidung seiner Komptenzen. Beim Bundesliga-Absteiger soll Woodcock zusammen mit Trainer Martin Andermatt in sportlichen Fragen künftig das alleinige Sagen haben. Rausch hatte die Eintracht als Nachfolger des entlassenen Coaches Felix Magath vergangene Saison nicht vor dem Abstieg retten können.

Woodcock spielte mehrere Jahre beim 1. FC Köln

Der 45-jährige Woodcock, der zwischen 1979 und 1982 sowie 1986 bis 1988 für den Bundeslisten 1. FC Köln gespielt hatte, unterschrieb bei den Hessen einen Vertrag bis 2003. "Ich bin stolz, dass mich ein Traditionsclub wie die Eintracht ausgewählt hat, und freue mich auf diese Aufgabe", erklärte Woodcock bei seiner Vorstellung, "das Ziel ist natürlich der sofortige Wiederaufstieg, dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen."

Woodcock war nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn unter anderem als Trainer bei Fortuna Köln und beim VfB Leipzig sowie als Spielerberater tätig. Zuletzt arbeitete der Brite vor allem als Fernseh-Kommentator bei Spielen der Champions League.

AG-Boss Steven Jedlicki entmachtet

Mit der Inthronisierung Woodcocks ist auch die Entmachtung von AG-Vorstandsboss Steven Jedlicki, 50, nach dessen Ausrutschern auf dem sportlichen Parkett perfekt. Der gebürtige New Yorker wird für die Peinlichkeiten im Zuge der Trainersuche nach der Magath-Entlassung - fünf Kandidaten sagten der Eintracht ab - und die schlechte Außendarstellung des Clubs verantwortlich gemacht.

Jedlicki wird sich nach seinem unfreiwilligen Rückzug ins zweite Glied fortan verstärkt um den Marketing-Bereich kümmern, bleibt aber Vorstandsvorsitzender. Thomas Pröckl wird weiterhin als Finanzchef tätig sein. Die Eintracht geht mit einem Zweitliga-Rekordetat von 50 Millionen Mark in die Ende Juli beginnende Spielzeit 2001/2002.

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Fußball/2. Bundesliga/Frankfurt/KORR/ (Zusammenfassung 1745) Eintracht-Turbulenzen: Tony Woodcock kommt - Friedel Rausch geht Von Detlef Rehling und Reinhard Schwarz, dpa (Mit Bildern FRA03-05, FKM11) =

Frankfurt/Main (dpa) - Dreieinhalb Wochen vor dem Start in die neue Saison wurde Fußball-Zweitligist Eintracht Frankfurt erneut von personellen Turbulenzen erschüttert. Mit seinem überraschenden Rücktritt reagierte Team-Manager Friedel Rausch auf die Verpflichtung des früheren englischen Nationalspielers Tony Woodcock, der am Dienstag vom Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG zum neuen Sportvorstand der AG berufen und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Nach dem Rauswurf des früheren Sportdirektors Rolf Dohmen im Mai ist Woodcocks Verpflichtung die zweite gravierende Veränderung in der sportlichen Führungsetage bei der Eintracht. Der 45-jährige Woodcock - zuletzt als TV-Co-Kommentator von Spielen der Champions- und der englischen Premiere-League tätig - erhielt einen Zweijahresvertrag bis 30. Juni 2003. Nach einer Einarbeitungszeit durch den Vorstands- Vorsitzenden Steven Jedlicki soll er das alleinige Sagen im gesamten Fußballbereich haben.

«Jetzt sind wir, wie vielfach gefordert, im Vorstand mit Fußball- Sachverstand ausgestattet», erklärte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Reinhard Gödel am Dienstagnachmittag bei Woodcocks Vorstellung. Obwohl er sich auch einen Kandidaten «mit Stallgeruch» hätte vorstellen können, sei die Wahl einstimmig auf Woodcock gefallen. Der sei ein «netter Kerl». Insgesamt sei mit fünf Anwärtern für den Vorstandsposten gesprochen worden, so Gödel, ohne Namen zu nennen.



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