Risikospiel Frankfurt gegen Darmstadt Fairplay first

Frankfurt gegen Darmstadt, die Sicherheitsbehörden stuften das Spiel als Risikospiel ein - tatsächlich kam es vor dem Anpfiff zu Ausschreitungen. Dass ein Derby auch fair ablaufen kann, bewiesen die Fans im Stadion.
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Die Uhr tickte, es waren noch einige Minuten zu spielen, aber die Fankurve von Eintracht Frankfurt war bereits siegessicher. Gerade eben hatte Ante Rebic das 2:0 im Hessenderby erzielt (83. Minute) und damit das Signal gegeben, ein bisschen Spott über die rund 4000 bedauernswerten Darmstadt-Fans auszuschütten: "Absteiger"-Rufe schallten durch das Stadion: "Zweite Liga. Oh, wie ist das schön, euch nie mehr zu sehen" war zu hören, die üblichen Sprüche eben, nichts wirklich böses.

Zumal: Die gute Laune des Frankfurter Anhangs war verständlich. Schließlich steht die Eintracht nach dem 2:0-Erfolg über den Lokalrivalen mit nun 35 Punkten auf dem dritten Platz. Das ist bereits eine sensationell gute Platzierung für ein Team, das vor der Saison als Abstiegsanwärter galt, das die vergangenen Saison auf dem drittletzten Rang abgeschlossen hat und sich erst in der Relegation vor dem Abstieg ins Unterhaus rettete. Dort, wo die Lilien wohl bald wieder spielen werden.

Darmstadt hat erst neun Punkte aus 19 Spielen auf dem Konto und liegt sieben Zähler hinter dem Vorletzten aus Hamburg - das ist die Bilanz eines fast sicheren Absteigers, selbst wenn es im Spiel bei der SGE etwas gegeben hätte, das für ein bisschen Hoffnung im Abstiegskampf gesorgt hätte. Doch das gab es nicht. Wie Darmstadt künftig ein Spiel gewinnen will, ist völlig ungewiss.

Die Offensiven Terrence Boyd, Jan Rosenthal, Sidney Sam und Marcel Heller waren völlig wirkungslos. Und dass das Team im zweiten Durchgang nur noch auf einen Glückstreffer hoffte, aber kaum einmal über die Mittellinie kam, bestritt selbst Trainer Torsten Frings nicht: "Wichtig ist in unserer Situation, hinten sicher zu stehen." Vorne müsse man "irgendwie ein Tor machen".

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Frankfurts Sieg im Hessenderby: Das Beste kommt zum Schluss

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Ob das die richtige Taktik in einer Situation ist, in der nur noch Siege zählen? Frings wies jedenfalls noch zurecht daraufhin, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe seinem Team im ersten Durchgang einen möglichen Elfmeter verweigerte, dafür aber der Eintracht in der Schlussphase einen zweifelhaften zusprach, den Makoto Hasebe zum 1:0 verwandelte (74.).

Zugang Hamit Altintop, der selbst erst seit einigen Tagen wieder in Deutschland ist, scheint die meist positiv gestimmte Darmstädter Medienlandschaft von Istanbul aus ganz anders wahrgenommen zu haben und forderte die Journalisten zunächst grimmig auf, "nicht immer alles so negativ sehen", ehe er einen Satz nachschob, der fraglos richtig ist. "Vor drei, vier Jahren war der Verein noch in einer ganz anderen Liga. Das darf man nicht vergessen."

Vor dem Stadion Ärger, im Stadion fair

Die Begegnung war für die Darmstädter und Frankfurter ein wichtiges, wenngleich man aus beiden Fanlagern hörte, dass die Rivalität vor allem von den Ultragruppen beider Seiten gepflegt wird. Ältere Semester beider Teams nennen eher die Offenbacher Kickers als rotes Tuch. Kein Grund, kein Derby zu zelebrieren, dachten sich beide Fankurven, die zumindest im Stadion einen tollen und meist auch fairen Rahmen für ein sehr schwaches Spiel schufen.

Vor dem Anpfiff kam es allerdings zu Zusammenstößen zwischen gegnerischen Fangruppierungen. Im Stadtteil Bockenheim lieferten sich etwa 100 Anhänger eine Schlägerei, bei der es laut Polizei zu vier Verletzten und mehreren Festnahmen kam.

Im Frankfurter Stadion war der obere Teil der Eintracht-Fantribüne in weiß und der untere in schwarz gekleidet. In der Gästekurve dominierte der einzigartige Chic aus seitlich aufgeschnittenen blauen Müllsack-Overalls. Akustisch ging es erwartbar plakativ zu: Die üblichen Kombinationen aus Vereinsnamen mit anderen Tiernamen, als sie sich Liebende geben, waren zu hören. Und wie in der Liga oft üblich, waren es auch diesmal die Auswärtsfans, die ein paar Bengalfackeln anzündeten.

"Beim Abschlusstraining haben uns 3000 Leute aufs Derby eingestimmt", sagte Frings, als er auf das verbotene Feuerwerk angesprochen wurde. "Wenn da eine kleine Rakete gezündet wird, ist das gar nichts. Die Fans sind das Beste, was wir haben." Ein paar Meter neben dem Frankfurter Stadion beim Deutschen Fußball-Bund wird man das sicher anders sehen und den Lilien eine Geldstrafe aufbrummen. Beim Fußball haben eben nicht nur Fans ihre Rituale.

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