Frankfurt schlägt den FC Bayern Ein Tor für die Opfer von Hanau

Der FC Bayern München hat bei Eintracht Frankfurt verloren und steuert in eine Krise. Wichtiger war aber die Botschaft, die Amin Younes nach seinem Treffer in den Händen hielt.
Amin Younes widmete sein Tor den Todesopfern von Hanau

Amin Younes widmete sein Tor den Todesopfern von Hanau

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Arne Dedert / dpa

Szene des Spiels: Amin Younes zog ansatzlos ab, der Ball schlug im rechten Winkel des Bayern-Tors ein, Frankfurt ging 2:0 in Führung. Doch das war nicht Younes' einziger Gedanke. Er jubelte zwar kurz, lief dann aber zur Ersatzbank und hielt einen Pullover hoch, der an Fatih Saraçoğlu erinnerte, eines der Todesopfer des rassistischen Anschlags von Hanau.

Für Hanau: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili-Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin waren am 19. Februar 2020 von einem Rassisten ermordet worden, der zudem auch seine Mutter tötete. Am Freitag jährte sich der Terroranschlag zum ersten Mal, auch die Bundesliga gedachte der Toten. Die Frankfurter Mannschaft trug beim Aufwärmen Jacken mit den Namen und Gesichtern der Toten und dem Hashtag #saytheirnames (sagt ihre Namen).

Bedrückt: »Mich hat das sehr bedrückt, sehr bewegt«, sagte Younes bei Sky über den Jahrestag des Anschlags. Er wollte, »dass die Familienangehörigen wissen, dass wir an sie denken.«

Ergebnis: Eintracht Frankfurt gewann 2:1 (2:0) gegen den FC Bayern München. Hier lesen Sie alles Wichtige zu den Bundesligaspielen am Samstagnachmittag.

Habt ihr überhaupt gelernt? Zum Sportlichen. Manuel Neuer wusste, warum die Bayern verloren hatten. »Weil wir nicht aus dem Bielefeld-Spiel gelernt haben«, sagte er bei Sky. Auch gegen die Arminia hatte der Deutsche Meister am Montag sensationell 0:2 zurückgelegen. Die Frage ist nur: Haben die Bayern nichts gelernt oder konnten sie das Gelernte schlicht nicht umsetzen? Beide Möglichkeiten sollten den Verantwortlichen Sorgen machen. Jedenfalls wurde angesichts der personellen Ausfälle wieder deutlich, warum sich Trainer Hans-Dieter Flick nicht gern auf Alternativkräfte verlässt. Eric Maxim Choupo-Moting fiel als Zehner kaum auf, Sechser Marc Roca – der sein viertes Bundesligaspiel machte – wurde zur Pause ausgewechselt. Und Niklas Süle war als Rechtsverteidiger gegen den schnellen Filip Kostic oft aufgeschmissen.

Erste Hälfte: Frankfurt begann mutig, mit mehr Drang zum Tor. Und dann ...

Unterbrechung: ... verletzte sich Schiedsrichterassistent Mike Pickel. Nachdem er umgeknickt war, musste Pickel im Stadioninneren behandelt werden. Nach etwa fünf Minuten übernahm dann der Vierte Offizielle Tobias Reichel die Fahne und das Spiel konnte weitergehen.

Jetzt aber: Frankfurt hatte trotz der Unterbrechung noch Lust auf Fußball – und wie. Die Eintracht drang immer wieder an den Bayern-Strafraum vor, suchte Abschlüsse. Und als Leroy Sané und Süle auf ihrer rechten Seite einmal überspielt waren, fiel das Tor: Kostic passte nach innen und Daichi Kamada schob zum 1:0 ein. Vielleicht nicht sein schönstes Tor, aber wahre Kamadistas werden sich trotzdem für ihn gefreut haben (12. Minute). Frankfurt blieb das bessere Team. Insbesondere Younes stellte die Abwehr mit Dribblings vor Probleme. Als er Neuer dann sogar mit einem Schuss von der Mittellinie überlisten wollte, schien er schon übermütig, traf dann aber später doch zum 2:0 (31.).

Lust auf Tore: Eigentlich sollte das Spitzenspiel auch zum großen Duell der Toptorjäger werden. Bayerns Robert Lewandowski kam vor dem Spiel auf 25 Tore, Frankfurts André Silva auf 18. Dass Silva dann aber wegen Rückenproblemen ausgerechnet für dieses Spiel ausfiel, machte in der ersten Hälfte gar nichts. Zum einen blieb Lewandowski zunächst unauffällig, zum anderen stellte die Eintracht auch ohne Silva den Vereinsrekord ein. Im elften Bundesligaspiel in Folge erzielte Frankfurt mindestens zwei Tore. Das war dem Klub zuvor nur 1977 gelungen.

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Die angetäuschte Drehung: Bereits zum Ende der ersten Hälfte hatten die Münchner ihre Chancen, in der zweiten Halbzeit übernahmen sie vollends die Spielkontrolle. Frankfurt konnte nicht 90 Minuten so intensiv spielen wie zu Beginn, Younes hatte schon 20 Minuten vor Ende mit Krämpfen zu kämpfen. Und so kam es zum Anschlusstor: Nach guter Vorarbeit von Sané traf Lewandowski zum 1:2. Wer nun aber auf eine Aufholjagd wie gegen Bielefeld hoffte, wurde enttäuscht. Die Bayern hatten zwar gute Chancen, trafen aber nicht mehr und hatten Glück, dass Frankfurt nach einem Zweikampf von Alphonso Davies gegen Ragnar Ache keinen Elfmeter bekam. Sonst wäre der neunte Sieg der Eintracht in den vergangenen zehn Bundesligaspielen früher perfekt gewesen.

Eine Lehre: Was lernen die Bayern aus dem Frankfurt-Spiel? Kapitän Neuer lobte die zweite Halbzeit. »Wenn wir so von Anfang an spielen, gewinnen wir das Spiel in einer gewissen Höhe«, sagte er. Es schien, als würde er ignorieren, dass seine Mannschaft gerade verloren hatte. Andererseits musste er seinen Kollegen auch Mut zusprechen. Sie werden ihn für die kommenden Wochen brauchen.

Ist das schon eine Krise? Seit dem Gewinn der Klub-WM hat der FC Bayern in der Bundesliga nicht gewonnen. Es standen zwar erst zwei Bundesligaspiele auf dem Plan, aber gegen Bielefeld und Frankfurt planen die Münchner normalerweise mehr als einen Punkt ein. Gewinnt Verfolger Leipzig am Sonntag gegen Hertha BSC, haben die Bayern nur noch zwei Punkte Vorsprung, und das Titelrennen wird wieder spannender. Mit dieser schlechten Form steht am Dienstag auch noch das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Lazio an. Dann brauchen die Bayern zwei zweite Halbzeiten.

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