Frankfurter Remis gegen Chelsea Schön und schmerzhaft

Die Eintracht feierte mit ihren Fans den nächsten Höhepunkt in der Europa League - bis Chelsea ernst machte. Die Choreografie der Frankfurter Anhänger beeindruckte, hatte aber Schönheitsfehler.
Sebastian Rode

Sebastian Rode

Foto: Uwe Anspach DPA

"Frankfurt is Europe": Wer aktuell seine Hingabe für den Fußball entdeckt und seine Fanliebe noch keinem Verein geschenkt hat, müsste Anhänger von Eintracht Frankfurt werden. Das Team von Trainer Adi Hütter spielt in der Europa League furchtlosen Angriffsfußball und die Eintracht-Fans machen jedes Spiel zu einem Erlebnis. Das hat sich herumgesprochen, sogar die Europäische Kommission würdigte die Frankfurter Saison schon vor einigen Tagen mit einem Video.

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Das Ergebnis: Der FC Chelsea wurde der Favoritenrolle in Frankfurt gerecht, nur das Ergebnis stimmte nicht ganz: Die Eintracht erkämpfte sich ein 1:1 (1:1), hier geht es zum Spielbericht.

Choreografie der Eintracht-Fans

Choreografie der Eintracht-Fans

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Choreografie mit Schönheitsfehlern: Zu den Frankfurter Auftritten in der Europa League gehören seit Monaten Fan-Choreografien, die von Runde zu Runde beeindruckender wurden. Gegen Chelsea war das Stadion zunächst in Schwarz und Weiß getaucht, ehe im Fanblock die angeblich größte selbst gemalte Blockfahne der Eintracht-Geschichte heruntergelassen wurde. Wer genauer hinschaute, entdeckte aber auch folgende Passagen: "Eintracht Frankfurt Hooligans", "Besser renn, Gästefan" oder "Ehre der Gruppe Stadionverbot".

Blockfahne der Eintracht-Fans

Blockfahne der Eintracht-Fans

Foto: Michael Probst/ AP

Erste Hälfte: Die Frankfurter brauchten einige Minuten, ehe sie die Vorgaben ihres Trainers umsetzen konnten. Doch dann stand der Bundesligist im 3-5-1-1 zentral sehr massiv, erkämpfte sich mit aggressiver Zweikampfführung viele Bälle und nutzte gleich die erste Großchance zur Führung: Nach einer Flanke von Filip Kostic köpfte Torjäger Luka Jovic aus zwölf Metern Entfernung ein (23. Minute). Doch es sollte für lange Zeit der letzte Torschuss bleiben, weil Chelsea den Ball besser laufen ließ und sich gute Torchancen erarbeitete. Pedro war es dann, der kurz vor der Pause nach einer Serie von Ecken für die Blues mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck traf (45.).

Ein Freund als Experte: TV-Reporter sollten neutral sein, sind es häufig aber nicht. Experten müssen nicht neutral sein und so ließ sich RTL-Experte Steffen Freund, der das Spiel zusammen mit Marco Hagemann kommentierte, noch vor Anpfiff vom Eintracht-Virus infizieren. Höhepunkt seiner Frankfurt-Sympathie: Schon bevor Jovics Kopfball zum 1:0 die Linie überschritten hatte, schrie Freund ein langgezogenes "Jaaaaa" ins Mikrofon. Man muss dazu sagen, dass Freund ansonsten zu den kompetenten Experten gehört und viele kluge Sachen sagt.

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Jenseits von Eden: Chelsea kam auch besser ins Spiel, weil bei der Eintracht zwei Spieler fehlten, die nicht zu ersetzen sind. Torjäger Sébastian Haller musste verletzt zuschauen und der kroatische Vize-Weltmeister Ante Rebic hatte sich im Viertelfinale gegen Benfica eine Gelbsperre eingehandelt. Im Gegensatz dazu setzte Chelsea-Trainer Maurizio Sarri seinen Superstar Eden Hazard freiwillig auf die Bank - so lässt sich der qualitative Unterschied der beiden Kader am besten aufzeigen. Die Blues waren auch ohne den Belgier ab der 30. Minute die klar bessere Mannschaft.

Fotostrecke

Remis gegen den FC Chelsea: Frankfurt, wie es trifft und träumt

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Zweite Hälfte: Hazard wurde von Sarri in der 61. Minute eingewechselt, die Dominanz der Gäste war aber auch schon vorher erdrückend. Frankfurt lief fast nur noch hinterher und musste viel mehr investieren, als es den Spielern lieb war. Chelsea erarbeitete sich einige Großchancen, aber die Latte bei einem Freistoß von David Luiz (60.), Eintracht-Torhüter Kevin Trapp oder die eigene Unzulänglichkeit verhinderten den Auswärtssieg der Londoner.

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Und nun? Die Schlussphase mit einer guten Kopfballchance für David Abraham (85.) und einem geblockten Schuss des eingewechselten Goncalo Paciencia (86.) könnte der Eintracht durchaus Hoffnung für das Rückspiel am kommenden Donnerstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) machen. Chelseas Abwehr ist zu überwinden. Letztlich überwiegt aber das Gefühl, dass die Frankfurter nach Erfolgen gegen Inter Mailand und Benfica nun an ihre Grenzen stoßen. Das Finale in Baku am 29. Mai könnte zum Londoner Duell werden, denn Chelseas Stadtrivale FC Arsenal gewann sein Heimspiel gegen Valencia 3:1. Das Fazit der Eintracht dürfte nach dem wahrscheinlichen Ausscheiden kommende Woche im hessischen Slang trotzdem so lauten: Gude Saison.

Eintracht Frankfurt - FC Chelsea 1:1 (1:0)
1:0 Jovic (23.)
1:1 Pedro (45.)
Eintracht: Trapp - Abraham, Hinteregger, Falette - da Costa, Rode, Hasebe, Fernandes (73. Paciencia), Kostic - Gacinovic (90.+2 Willems) - Jovic.
Chelsea: Kepa - Azpilicueta, Luiz, Christensen, Emerson - Kanté, Jorginho, Loftus-Cheek (83. Kovacic) - Pedro, Giroud, Willian (61. Hazard).
Schiedsrichter: Del Cerro Grande
Gelbe Karten: Fernandes, Hasebe - Christensen
Zuschauer: 48.000