Frankfurter Pokalsieg "Wenn man zusammensteht, kann man alles schaffen"

Nach dem Schlusspfiff flossen Freudentränen: Eintracht-Trainer Niko Kovac kann aufatmen. Der FC Bayern ignorierte das Fairplay. Und einer kam erst gar nicht zum Spiel. Das Wichtigste zum Pokalfinale.
Pokalsieger Niko Kovac

Pokalsieger Niko Kovac

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Szene des Spiels: In der vierten Minute der Nachspielzeit traf Kevin-Prince Boateng beim Stand von 1:2 den Münchner Javi Martínez am Fuß. Die Bayern-Spieler protestierten heftig und verlangten einen Elfmeterpfiff. Schiedsrichter Felix Zwayer schaute sich die Szene noch einmal auf dem Bildschirm an. Seine Entscheidung: kein Strafstoß. Diese Meinung dürfte er nach Ansicht der Fernsehaufnahmen nahezu exklusiv gehabt haben.

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Das Ergebnis: Die Frankfurter Eintracht besiegte den FC Bayern München 3:1 (1:0). Hier geht es zur Meldung.

Rebic, Tor: In der elften Minute steckte Kevin-Prince Boateng einen feinen Pass durch auf den startenden Ante Rebic, der von den Bayern-Abwehrspielern um Niklas Süle nicht mehr zu stoppen war und mit rechts scharf ins linke Eck vollendete. Aufmerksamen Pokalguckern kam das bekannt vor: So ähnlich traf er auch im Finale 2017 gegen Borussia Dortmund.

Rebic, noch ein Tor: Bei einem Zweikampf in der Bayern-Hälfte sprang der Ball Boateng an die Hand, die Frankfurter spielten den Ball handlungsschnell in die Spitze, wo wiederum Rebic flinker war als die Bayern-Abwehrspieler und Sven Ulreich technisch stark überwinden konnte. Schiedsrichter Zwayer schaute sich auch diese Szene noch einmal an, entschied aber zu Recht: kein strafwürdiges Handspiel von Boateng, regulärer Treffer.

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DFB-Pokalfinale: Rebic ist der neue Détári

Foto: Arne Dedert/ dpa

Die erste Hälfte: Robert Lewandowski traf in der achten Minute mit einem Freistoß die Unterkante der Latte, bevor Rebic drei Minuten später die Eintracht in Führung brachte. Die Bayern vergaben gute Chancen durch Thomas Müller (17.), Joshua Kimmich (24.) und erneut Lewandowski (26.). Auf der Gegenseite setzte sich Rebic in der 37. Minute stark gegen zögerliche Münchner durch, sein Querpass verpasste allerdings den mitgelaufenen Jonathan de Guzman.

Die zweite Hälfte: Die Bayern kamen frühzeitig durch Lewandowski zum Ausgleich (53.) und bereiteten den Frankfurtern vor allem durch die aufrückenden Innenverteidiger Süle und Mats Hummels immer wieder Probleme. Die größte Chance zur Führung vergab dann auch Hummels, als er nach einer Ecke mit einem Kopfball nur die Latte traf. In der 82. Minute belohnte Rebic kämpferisch starke Frankfurter, die in der letzten Minute der Nachspielzeit durch Mijat Gacinovic auf 3:1 erhöhten.

Gute Verlierer, schlechte Verlierer: Nur Manuel Neuer und Tom Starke hielten es für nötig, den Frankfurtern bei der Pokalübergabe Beifall zu spenden. Der Rest der Mannschaft zog es vor, direkt in der Kabine zu verschwinden. Klares Fairplay-Foulspiel. Das sah man dann wohl auch bei der bayrischen Social-Media-Abteilung so und schob schnell einen Glückwunschtweet an die Adler hinterher.

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Die Auswechslung des Tages: Zuletzt gab es in München großen Unmut, nachdem sich Lewandowski nach seiner Auswechslung ungebührlich gegenüber Trainer Jupp Heynckes verhielt. Heute traf es in der 64. Minute Thiago, der gestikulierend und mit viel, viel Redebedarf den Platz verließt. Es schien nicht viel zu fehlen, dass der Spanier noch auf einen Mitspieler gezeigt hätte, der eine Auswechslung mehr verdient gehabt hätte als er. So ganz daneben lag er mit dieser Einschätzung nicht.

Abwesender der Abends: Münchens Co-Trainer Peter Herrmann hatte heute einen wichtigeren Termin. Er wohnte der Hochzeit seiner Tochter bei. Es bleibt für ihn zu hoffen, dass die Stimmung der ihm Nahestehenden dort besser war als in Berlin.

Lex Meier: Niko Kovac verzichtete darauf, Eintracht-Legende Alex Meier - Torschütze im letzten Heimspiel der Saison - in den Kader fürs Pokalfinale zu berufen. Das kann man als konsequent einordnen - oder als offene Verweigerung, die Frankfurter Fan-Seele in seine Überlegungen miteinzubeziehen. Vor dem Spiel war diese Maßnahme Anlass für Unruhe und empörte Posts, nach der Partie allerdings nur noch ein Nebenaspekt in den Jubelfeierlichkeiten.

Lex Fischer: Im vergangenen Jahr sorgte die Halbzeitshow von Schlagersängerin Helene Fischer für reichlich Unmut in beiden Fanlagern. Beim Finale 2018 verzichtete man von Seiten des DFB daraufhin auf seichtes Tralala. Das traditionelle Absingen der Eintracht-Hymne durch die Band Tankard vor Spielbeginn fand jedoch jedoch wie gewohnt statt. Eine stabile Entscheidung.

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Die Tränen von Niko Kovac: Es schimmerte nicht feucht, es rollte, es kullerte. "Wenn man zusammensteht, kann man alles schaffen", sprach der scheidende Trainer nach Schlusspfiff in die Mikrofone. Nach rumpeligen Saisonabschlusswochen kann er sich nun hoch erhobenen Hauptes aus Frankfurt verabschieden. Die Eintracht wird 2018/2019 europäisch vertreten sein. Sportlich wird Sportdirektor Fredi Bobic noch an einer dementsprechend starken Mannschaft basteln müssen. Dass der Support der Frankfurter Fans Champions-League-Niveau besitzt, steht außer Frage.

Bayern München - Eintracht Frankfurt 1:3 (0:1)
0:1 Rebic (11.)
1:1 Lewandowski (53.)
1:2 Rebic (82.)
1:3 Gacinovic (90.+6)
München: Ulreich - Alaba, Hummels, Süle, Kimmich - Thiago (64. Tolisso), Martínez, James - Ribéry (87. Wagner), Lewandowski, Müller (70. Coman)
Frankfurt: Hradecky - Willems, Salcedo, Abraham, da Costa - Hasebe - Rebic (89. Haller), de Guzman (74. Russ), Mascarell, Wolf (60. Gacinovic) - Boateng
Zuschauer: 76.322 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Gelbe Karten: Lewandowski, Coman / Salcedo, Willems, Hasebe, Gacinovic

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