Frankfurt nach dem Halbfinal-Hinspiel Mut angesungen

Die Eintracht hat gegen den FC Chelsea ein Remis erkämpft, und die Fans schworen die Mannschaft bereits auf das Rückspiel in London ein. Für den Einzug ins Finale wird sie jede Hilfe brauchen.

Uwe Anspach/dpa

Aus Frankfurt berichtet


Nicht nur vor dem Spiel empfingen die Fans von Eintracht Frankfurt ihr Team mit einer riesigen Choreografie, auch nach Abpfiff hatten sie etwas vorbereitet. Anhänger im gesamten Stadion schwenkten schwarz-weiße Fahnen. Eine eher ungewöhnliche Aktion - doch was ist schon gewöhnlich in dieser Frankfurter Europapokalsaison?

Es war auch die Euphorie der Anhänger, ihre Unterstützung in Heimspielen und in der Ferne, die das Team durch den bisher so erfolgreich gelaufenen Wettbewerb getragen hat. Die Spieler blickten nach Abpfiff auf ihrer Ehrenrunde fast ungläubig über die noch immer fast komplett gefüllten Tribünen, blieben am Ende vor der Westkurve Arm in Arm stehen und lauschten dem Gesang nach dem hart erkämpften 1:1 (1:1) im Hinspiel des Europa-League-Halbfinals gegen den FC Chelsea.

"Die Fans haben uns mit ihrer Choreographie schon vor dem Spiel angesteckt", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Tatsächlich begann sein Team bemerkenswert energiegeladen. Unter Pfiffen versuchte Chelsea das Spiel aufzubauen, wurde jedoch von den Frankfurtern beharrlich angegangen. Hütters taktische Umstellungen wirkten.

Der Eintracht-Trainer hatte Mijat Gacinovic ins offensive Mittelfeld gezogen, um Chelseas Jorginho im Spielaufbau zu stören. Makoto Hasebe, der schon von Ex-Coach Niko Kovac zum zentralen Innenverteidiger in der Dreierkette umgeschult worden war, rückte auf die Sechserposition und stellte dort die Passwege zu. Martin Hinteregger nahm in der Abwehrzentrale seinen Platz ein - und Olivier Giroud aus dem Spiel.

Stark angefangen, stark nachgelassen

Die Überforderung der Londoner nutzten Frankfurts Flügelspieler Filip Kostic und Danny da Costa, um ihnen die Bälle abzujagen, schnell umzuschalten; so war es auch ein Ballgewinn durch Luka Jovic, der einen Gegenstoß einleitete, den der Serbe nach Flanke von Kostic zur Führung einköpfte (23. Minute).

"Wir haben erst nach 25 Minuten angefangen zu spielen", sagte Chelseas Trainer Maurizio Sarri. Zwar sei er nicht überrascht vom energischen Auftreten der Eintracht gewesen, jedoch davon, wie seine Mannschaft damit zurechtkam. "Wir hatten nicht die richtige Einstellung und wenn du dann Frankfurt die Chance zum Kontern gibst, sind sie gefährlich."

Den Konterfußball stellte die Eintracht jedoch nach der Führung fast ein, die Anfangsphase hatte Kraft gekostet. Noch vor der Pause nutzte Chelsea seine nun deutliche Überlegenheit zum Ausgleich durch Pedro (45.). Wo anfangs noch unzählige Eintracht-Beine die Wege verstellten, klafften plötzlich riesige Lücken. Sarri brachte nach einer Stunde Eden Hazard, den Superstar des Teams, es wurde nicht angenehmer für Frankfurt.

"Wir hätten den Sieg verdient gehabt", sagte Sarri, dessen Team dafür allerdings zu viele Chancen vergab: Einen Freistoß von David Luiz lenkte Eintracht-Keeper Kevin Trapp in der 59. Minute noch gegen die Latte, ein Kopfball des brasilianischen Verteidigers verfehlte nur knapp sein Ziel (77.). Drei Minuten zuvor hatte Hazard einen Schuss aus aussichtsreicher Position verzogen.

Erst in der Schlussviertelstunde fand die Eintracht wieder in die Partie. Mit dem Verweis auf eine gute Kopfballgelegenheit von Kapitän David Abraham in der 85. Minute zog Trainer Hütter den Schluss, es sei ein "gerechtes Unentschieden" und ein "Achtungserfolg gegen eine Spitzenmannschaft" gewesen. Man könne mit Selbstvertrauen zum Rückspiel nach London am 9. Mai (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Dazn) fahren.

Mut macht vor allem das Ergebnis

Diese Einstellung muss der Trainer nun auch seinem Team vermitteln. "Die Stimmung ist gespalten", sagte er über die Gemütslage seiner Spieler. "Einerseits sind sie glücklich über einen weiteren großen Europacup-Abend, andererseits haben sie gesehen, was Chelsea für eine Spitzenmannschaft ist."

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Remis gegen den FC Chelsea: Frankfurt, wie es trifft und träumt

Es ist zwar nicht die erste, der sie in diesem Pokalwettbewerb begegnet sind. Olympique Marseille, Apollon Limassol und Lazio Rom in der Gruppenphase, Schachtjor Donezk, Inter Mailand und Benfica Lissabon in den K.-o.-Runden - es sind schon Teams auf leichteren Wegen ins Halbfinale der Europa League gekommen. Dennoch hat Chelsea heute gezeigt, dass es noch immer eine Steigerung gibt.

Hoffnung macht der Eintracht die Rückkehr von Stürmer Ante Rebic, der wegen einer Gelbsperre nicht dabei sein konnte. Seine Präsenz fehlte. Genau wie die des offensiven Zielspielers Sébastien Haller, dessen Bauchmuskelzerrung einen Einsatz im Rückspiel unwahrscheinlich macht. Es sind kleine Hoffnungen, an die man sich in Frankfurt nun klammert, nach einem Hinspiel, das bis auf das Resultat und die Unterstützung der Fans - die Anhänger dürften auch in London zahlreich vertreten sein - eher wenig Mut macht. Fußballerisch ist Chelsea doch auf einem anderen Niveau und ein Stück näher am Finale von Baku am 29. Mai.

"Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus" hatte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic vor dem Spiel dem SPIEGEL gesagt (lesen Sie hier das Interview). Auch ein Ausscheiden würde das erfolgreiche Jahr der Eintracht nicht infrage stellen. Die Fans seien bereits jetzt zufrieden, dass sie als Verein "besondere Momente in Europa schaffen konnten". Ein Weiterkommen in London würde sich in der Sammlung ja dennoch gut machen.

Eintracht Frankfurt - FC Chelsea 1:1 (1:0)
1:0 Jovic (23.)
1:1 Pedro (45.)
Eintracht: Trapp - Abraham, Hinteregger, Falette - da Costa, Rode, Hasebe, Fernandes (73. Paciencia), Kostic - Gacinovic (90.+2 Willems) - Jovic.
Chelsea: Kepa - Azpilicueta, Luiz, Christensen, Emerson - Kanté, Jorginho, Loftus-Cheek (83. Kovacic) - Pedro, Giroud, Willian (61. Hazard).
Schiedsrichter: Del Cerro Grande
Gelbe Karten: Fernandes, Hasebe - Christensen
Zuschauer: 48.000

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
der_aufklaerer 03.05.2019
1. Das war ein Klassenunterschied
Frankfurt mit dem 1-1 aber sowas von gut bedient . In der zweiten Halbzeit spielte nur Chelsea. Man konnte sehen dass Frankfurt eine limitierte Mannschaft ist und Rebic an allen Ecken und Enden fehlt. Chelsea war quasi eine Klasse besser und vergab in der 2.HZ mehrere Hochprozentige um das Halbfinale bereits in Frankfurt zu entscheiden. In London braucht Frankfurt ein Wunder. Oder einen Rebic.
robbie.mcguire 03.05.2019
2. Die Kommentatoren und die Frankfurter Zuschauer...
waren unglaublich. Die Kommentatoren unglaublich unfähig in der Spielbeurteilung und die Fankfurter Fans massiv unsportlich mit ihrem Gepfeife, wenn ein Chelsea-Spieler den Ball führte. Konnte man bereits beim Befica-Spiel feststellen. Die Fans sind auf jeden Fall nicht reif für Spiele in der CL- oder Europa League:
troy_mcclure 03.05.2019
3.
Zitat von der_aufklaererFrankfurt mit dem 1-1 aber sowas von gut bedient . In der zweiten Halbzeit spielte nur Chelsea. Man konnte sehen dass Frankfurt eine limitierte Mannschaft ist und Rebic an allen Ecken und Enden fehlt. Chelsea war quasi eine Klasse besser und vergab in der 2.HZ mehrere Hochprozentige um das Halbfinale bereits in Frankfurt zu entscheiden. In London braucht Frankfurt ein Wunder. Oder einen Rebic.
Na ja, auch Frankfurt hatte seine Chancen; Gacinovic bspw. hätte alleine aufs Tor zulaufen können anstatt zu reklamieren (was auch immer das war). Und allein für den leidenschaftlichen Kampf haben die Frankfurter sich das Remis gegen eine Topmannschaft verdient. Eine Chance hat Frankfurt im Rückspiel auf jeden Fall.
olwel 03.05.2019
4. Schlimmer Hexenkessel
Unwürdig, der sportlichen und wirtschaftlichen Überlegenheit der Gäste keinerlei Respekt entgegenzubringen. Ich empfehle Curling.
istdochegal73 03.05.2019
5. Typisch Deutsch!
Anstatt sich über das gute Abschneiden im internationalen Wettbewerb als noch einzige deutsche Mannschaft zu freuen, wird hier nur das Haar in der Suppe gesucht und alles schlecht geredet. Das ist mal so richtig typisch Deutsch. Nur Nörgler unterwegs. Entweder sind es Bayern-Anhänger oder Leute die zum Lachen in den Keller gehen. Heult euch woanders aus, aber nicht hier! Apropos Fans. Lieber solche, die bedingungslos die Manschaft unterstützen, als jene die auch bei einem 3:0 noch pfeifen...
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