Eishockey-Weltmeisterschaft Festival on Ice

Früher von den NHL-Spielern belächelt, heute ein wichtiger Termin: Viele Eishockey-Superstars nahmen an der Weltmeisterschaft teil. Das wertet das Turnier auf - zum Ärger der nordamerikanischen Profiliga.
Jubelnde Schweden nach dem WM-Triumph

Jubelnde Schweden nach dem WM-Triumph

Foto: Monika Skolimowska/ dpa

Es war bereits nach Mitternacht, die Kollegen feierten längst den 2:1-Finalerfolg über Kanada, als der Eishockey-Torwart Henrik Lundqvist noch immer auf die Reporterfragen antwortete. Mächtig schwitzend stand der Schwede da in seiner monströsen Ausrüstung im Kabinengang, in der einen Hand seine Torwartkelle, in der anderen den Weltmeisterpokal.

Lundqvist, 35 Jahre alt, Star-Torwart der New York Rangers, ertrug das alles klaglos. Und gab die Antworten, die man in einer solchen Situation gibt: mit vielen Adjektiven, von "großartig" über "unglaublich" bis "überragend". Das tat er zwar routiniert, aber nicht emotionslos. Regelrecht beseelt war er. Mehr als ein Jahrzehnt hatte er als einer der besten Eishockey-Torhüter der Welt nichts gewonnen. Nun war er endlich wieder oben.

Die Aussicht auf seinen zweiten Titel nach dem Olympiasieg 2006 war allerdings nicht der einzige Grund für sein Kommen. Die WM sei "ein Festival des Eishockeys", ein Turnier "mit Atmosphäre und Geschichte", sagte Lundqvist. Worte, die man lange nicht von einem Spieler seiner Güte gehört hatte. Neun Jahre lang machte Lundquist einen Bogen um das Turnier. Nun war er wieder da - nicht als einziger Eishockey-Promi.

17-tägige Party gefeiert

Seit einigen Jahren erlebt die früher belächelte WM einen Aufschwung. Dieses Jahr kamen knapp 685.000 Zuschauer, die eine 17-tägige Party feierten. Da sangen Russen mit Letten, da tanzten Schweden mit Finnen. Gern in schrägen Kostümen.

Noch beeindruckender war die Spielerauswahl. Als Kanadas Legende Joe Sakic, 47 Jahre alt, am Sonntag in die Hall of Fame des Weltverbandes IIHF aufgenommen wurde, sagte er: "Als ich ein Kind war, hatte ich nur einen Wunsch: die NHL. Heute wollen die Kids auch für ihr Land spielen."

Das galt früher eher für Olympia, nun kommen immer mehr Top-Stars zur WM. Aufsehen erregte vor allem das Turnier 2015 in Prag, als Sidney Crosby, Alexander Owetschkin und Jaromir Jagr spielten. Wenn selbst die drei kommen, hieß es danach, wie soll dann ein weniger bedeutender Spieler aus Bequemlichkeit absagen?

"Eine gute Erfahrung"

Dieses Jahr sorgte vor allem der Kader des neuen Weltmeisters für Aufsehen: Neben Torwart Lundqvist kamen weitere Weltklasse-sieler wie Victor Hedman und Nicklas Bäckström sowie Supertalent William Nylander.

Auch die Kanadier schickten Prominenz nach Köln. Zwar nicht die allererste Garde, bis auf wenige Ausnahmen aber ausschließlich Millionäre aus der NHL. Und selbst die USA, die früher bessere College-Teams entsendeten, waren mit 21 Spielern aus der besten Liga der Welt vertreten. "Das ist hier eine gute Erfahrung für mich", sagte Jungstar Jack Eichel, "andere spielen zu Hause weiter in den Playoffs und werden besser, ich wollte meine Saison auf Top-Niveau verlängern."

Auch Tschechen und Schweizer hatten starke Spieler, wenn auch keine absoluten Top-Kader. Nationen wie Deutschland, Frankreich, Lettland, Weißrussland und Norwegen brachten dafür jeden mit, den sie kriegen konnten.

NHL sauer

Natürlich gab es auch Ausnahmen. Die Finnen hatten kaum erfahrene NHL-Spieler dabei - und waren ab dem Halbfinale chancenlos. Die Slowaken waren nur ein Schatten ihrer selbst, was aber an internem Streit lag. Italiener und Slowenen waren schlicht überfordert. Dass die Russen neben wenigen NHL-Spielern wie Nikita Kucherov, Artemi Panarin und Jewgeni Kusnezow vor allem auf Spieler aus der heimischen KHL setzten, lag an Olympia 2018. Nach derzeitigem Stand gibt die NHL ihre Spieler dafür nicht frei, also sollte sich ein russisches Team aus KHL-Akteuren einspielen.

Bleibt es beim Nein der nordamerikanischen Liga, dürfte das die WM weiter aufwerten. Doch auch bei diesem Turnier ist die NHL nicht über die Maßen kooperativ. Die ärgert es maßlos, dass sie an den Turnieren kaum verdient - obwohl es doch ihre Spieler sind, die in der Olympia- oder WM-Manege Kunststückchen aufführen. Zumal beide Turniere parallel zur eigenen Saison stattfinden. Olympia bekam deswegen schon mal eine Absage, gestern war der Weltverband dran: Statt wie sonst üblich am Abend setzte die NHL ihr fünftes Halbfinale zwischen Pittsburgh und Ottawa (7:0) nachmittags an: parallel zum WM-Finale.

Wenn es schon Länderturniere geben soll, dann unter ihrer Führung, wie den World Cup of Hockey im vergangenen September. Dann verdient auch nur sie. Eine echte Konkurrenz für die WM sei das Turnier trotzdem nicht, sagt DEB-Präsident Franz Reindl: Der World Cup sei für Nordamerika, die WM für Europa. Gut für ihn, dass mittlerweile selbst zahlreiche Nordamerikaner im WM-Fieber sind.

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