Eklat nach Derby-Remis HSV-Stürmer Guerrero attackiert Zuschauer

Diese Szene dürfte für HSV-Angreifer Paolo Guererro empfindliche Konsequenzen haben: Nach dem torlosen Remis gegen Hannover schleuderte der Peruaner einem Fan eine Wasserflasche ins Gesicht. HSV-Vorstandschef Hoffmann kündigte eine Strafe an.
HSV-Angreifer Guerreo (r.): Flaschenwurf gegen Hamburger Zuschauer

HSV-Angreifer Guerreo (r.): Flaschenwurf gegen Hamburger Zuschauer

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Der Hamburger Angreifer Paolo Guerrero hat nach dem 0:0 gegen Hannover 96 für einen Eklat gesorgt: Vor dem Gang in den Kabinentunnel warf der Peruaner eine gefüllte Plastikflasche nach einem Zuschauer auf der Tribüne und traf diesen im Gesicht. Im Anschluss mussten Ordner den 26-Jährigen davon abhalten, weiter auf den Fan zuzulaufen.

"Das darf nicht passieren", sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann im Anschluss dem TV-Sender Sky. "Egal, was es vorher für einen Wortwechsel gegeben hat - so etwas hat in einem Fußballstadion nichts verloren." Man habe dies dem Spieler mitgeteilt und werde entsprechend reagieren, so Hoffmann weiter. Über die Schärfe der Sanktionen gegen den Stürmer wollte Hoffmann keine Angaben machen. Es war Guerreros erstes Spiel in der Hamburger Arena seit seinem Kreuzbandriss vor rund sieben Monaten.

"So etwas darf natürlich nicht passieren, auch wenn es extreme Beschimpfungen gab. Wir werden mit dem Spieler reden", sagte HSV-Coach Bruno Labbadia.

Nach dem Abpfiff hatten die rund 57.000 Zuschauer die Leistung des HSV mit einem Pfeiffkonzert quittiert und damit offenbar für Unmut bei den Hamburger Profis gesorgt. "Wir brauchen auch die Unterstützung der Fans. Die hat uns heute gefehlt", sagte Verteidiger Dennis Aogo nach dem Spiel.

Trotz über 30 Minuten in Überzahl war es den Gastgebern aus Hamburg zuvor nicht gelungen, das Nordderby gegen Hannover für sich zu entscheiden. 96 musste ab der 59. Minute mit zehn Spielern auskommen, Angreifer Jiri Stajner hatte innerhalb von sieben Minuten erst die Gelbe, dann die Gelb-Rote Karte gesehen. Der HSV bleibt mit 45 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz, Hannover belegt Rang 17 (24 Punkte).

Drei Tage nach dem Hinspiel im Europa-League-Viertelfinale gegen Standard Lüttich zeigte die Mannschaft von Trainer Labbadia eine schwache Leistung. Wenig war von den Ankündigungen zu sehen, den Schwung des 2:1-Sieges gegen die Belgier mitzunehmen.

Hannover, das sich unter der Woche in einem Trainingslager in Bad Segeberg auf die Partie vorbereitet hatte, hatte wenig Mühe, die HSV-Stürmer aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Die Gäste hatten sogar Raum, eigene Angriffsaktionen zu starten, agierten dabei aber zunächst zu harmlos. Hannovers Schlussmann Fromlowitz konnte sich erstmals in der sechsten Minute auszeichnen, als er einen Kopfball von Marcus Berg mit den Fingerspitzen parierte.

In der 23. Minute klärte Fromlowitz erneut nach einem Fernschuss des Schweden, der für den an Leistenproblemen leidenden Mladen Petric aufgeboten wurde. Gegen den 22-Meter-Schuss von Dennis Aogo (27.) war auch Fromlowitz chancenlos, der Ball landete jedoch an der Latte und Ruud van Nistelrooy schob den Abpraller aus Abseitsposition am Tor vorbei. Zur Halbzeit quittierten die HSV-Fans die schwache Leistung ihres Teams mit lauten Pfiffen. Van Nistelrooy wurde nach der Pause durch Guerrero ersetzt.

Dieser hatte auch gleich eine sehenswerte Aktion, als er sich im 96-Strafraum durchsetzte, Berg seinen Rückpass aber nicht verwerten konnte. Auch in Überzahl nach Stajners Platzverweis fiel den Gastgebern gegen die schwächste Abwehr der Bundesliga nicht viel mehr ein. Hannover zog sich noch konsequenter zurück und ließ den HSV vergeblich anrennen.

Hoffenheim geht in Wolfsburg unter

Mit einer starken Offensivleistung hat der Deutsche Meister VfL Wolfsburg seine Chance auf einen Europacup-Platz gewahrt. Die Niedersachsen besiegten 1899 Hoffenheim 4:0 (1:0) und bleiben fünf Spieltage vor Saisonende im Rennen um Rang sechs, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Nach dem Sieg belegt der VfL mit 43 Punkten den neunten Platz, liegt aber nur einen Zähler hinter dem sechstplatzierten Hamburger SV. Durch einen Erfolg gegen Hannover 96 im zweiten Sonntagsspiel könnte sich der HSV aber wieder absetzen.

Torjäger Edin Dzeko feierte seinen sechsten Doppelpack (25. und 75. Minute) in der laufenden Saison. Neben dem Bosnier trafen Andrea Barzagli (51.), der seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielte, sowie Kapitän Zvjezdan Misimovic (74.).

Im ersten Durchgang profitierten die Gastgeber von der schwachen Chancenverwertung der Hoffenheimer, die beste Torgelegenheiten ungenutzt ließen. In der Schlussphase des Spiels tat der VfL vor 28.107 Zuschauern nur noch das Nötigste, das Team schien Kräfte für das Viertelfinal-Rückspiel der Europa League am Donnerstag (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den FC Fulham sparen zu wollen.

Vor der Begegnung hatte Wolfsburgs Trainer Lorenz-Günther Köstner seine Mannschaft kurzfristig umstellen müssen. Alexander Madlung, der am Donnerstag das wichtige Anschlusstor beim Hinspiel in Fulham (1:2) erzielt hatte, zog sich während des Aufwärmens eine Oberschenkelzerrung zu. Für den Innenverteidiger rückte der Japaner Makoto Hasebe in die Startaufstellung. Sascha Riether übernahm Madlungs Position in der Abwehrkette. Die Umstellung in der Defensive bereitete den Platzherren zunächst Probleme, so dass die Gäste in der Anfangsphase immer wieder zu Chancen kamen.

Gute Chancenverwertung beim VfL - Doppelschlag von Dzeko

Die erste Torgelegenheit hatte Hoffenheims Kapitän Per Nilsson, der nach einer Flanke von Maicosuel frei am Fünfmeterraum zum Kopfball kam, den Ball jedoch neben das Tor setzte (16.). Kurz darauf hatte Maicosuel selbst den Führungstreffer für 1899 auf dem Fuß, scheiterte jedoch mit einem Schuss aus zehn Metern an VfL-Keeper Diego Benaglio (24.). Im Gegenzug nutzte Wolfsburg gleich ihre die erste gute Möglichkeit zum 1:0. Nach einer Flanke von Christian Gentner stieg Dzeko im gegnerischen Strafraum am höchsten und köpfte unhaltbar für Hoffenheims Torwart Daniel Haas zur VfL-Führung ein.

Die Chance zum Ausgleich vor der Pause vergab Carlos Eduardo, der einen Angriff der Gäste zu ungenau abschloss. Nach dem Seitenwechsel intensivierten die Gastgeber ihre Offensivbemühungen. Zunächst nutzte Barzagli eine Freistoßflanke von Misimovic per Kopf zum 2:0, dann traf der bosnische Spielmacher mit einem Schuss aus 20 Metern selbst. Nur eine Minute nach Misimovic trug sich erneut Dzeko mit seinem 18. Saisontreffer in die Torschützenliste ein. Damit zog der Angreifer in der mit Kevin Kuranyi (Schalke 04) und Stefan Kießling von Bayer Leverkusen gleich.

jok/sid/dpa
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