Barcelona verliert gegen Real Madrid Wenn Niederlagen im Clásico zur Gewohnheit werden

Reals Sommerzugang David Alaba hat sich für seine Torpremiere eines der prestigeträchtigsten Spiele der Welt ausgesucht – oder was davon übrig ist. Barça-Trainer Koeman gerät weiter unter Druck.
Er ist eine der Hoffnungen beim FC Barcelona, konnte die Niederlage im Clásico aber auch nicht verhindern: Ansu Fati

Er ist eine der Hoffnungen beim FC Barcelona, konnte die Niederlage im Clásico aber auch nicht verhindern: Ansu Fati

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JOSEP LAGO / AFP

Szene des Spiels: In Spanien dürfte noch nicht allen bewusst gewesen sein, was sich Real Madrid mit David Alaba für einen wunderbaren linken Fuß geangelt hat. Der Innenverteidiger hatte nach seinem Wechsel vom FC Bayern noch keinen Pflichtspieltreffer für die Hauptstädter erzielt, ausgerechnet im Clásico änderte sich das: In der 32. Minute sprintete Alaba bei einem Konter nach einer Ecke mit nach vorn, bekam von Karim Benzema den Ball serviert und zog aus vollem Lauf von der Strafraumgrenze ab. Der Ball schlug im rechten Eck ein, unhaltbar für den deutschen Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen.

Das Ergebnis: Neben Alaba traf auch noch Lucas Vázquez für Real (90.+4) und Sergio Agüero für Barcelona (90.+7). 2:1 (1:0) gewann Real in einem der prestigeträchtigsten Spiele der Welt. Oder in dem, was davon übrig ist. Zum vierten Mal in Folge übrigens .

Die Ausgangslage: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi prägten das Duell der beiden größten spanischen Klubs über Jahre, nach Ronaldos Abgang nach Italien im Jahr 2018 fand der Clásico diesmal auch ohne Messi statt. Geblieben sind auf beiden Seiten alternde Stars, die an der Seite von teils blutjungen Supertalenten (Barcelonas Gavi wurde mit 17 Jahren und 80 Tagen der jüngste Spieler in diesem Jahrhundert, der im Clásico auflief ), um irgendwie noch so viel sportlichen Erfolg und damit Einnahmen zu garantieren, dass die horrenden Schulden nicht das Ende der Klubs bedeuten.

Erste Hälfte: Für Barcelona hätte es anders laufen können. Sergiño Dest vergab die erste große, eigentlich riesige Chance, als er nach einer Einzelaktion von Memphis aus rund zehn Metern völlig frei vor Thibaut Courtois auftauchte, aber über das Tor schoss (25. Minute). Noch bitterer für Barça dürfte nur sein, dass es sehr lange die letzte Chance aus dem Spiel heraus blieb. Lediglich über Standards wurden die Katalanen gefährlich, wie bei einem Kopfball von Gerard Piqué (35.). Sonst fehlte die Durchschlagskraft gegen tief stehende Madrilenen, um den Alaba-Treffer zu kontern.

Koemans Vorsichtsmaßnahme: Die (vermeintlich) torgefährlichen Defensivspieler hatte Real nicht exklusiv. Der umstrittene Ronald Koeman ließ sich für seine womöglich letzten Meter als Barcelona-Trainer auf einen taktischen Kompromiss ein: Um die langsamen Innenverteidiger Piqué und Eric García gegen Reals Außenraketen Vinícius und Rodrygo abzusichern, baute der schnelle Jordi Alba in einer Dreierkette mit auf, Memphis ließ sich dafür immer wieder auf den linken Flügel fallen. Der etatmäßige Rechtsverteidiger Dest spielte hingegen den rechten Flügelstürmer, was sich in der 25. Minute fast auszahlte.

Zweite Hälfte: Es war aber wie so häufig unter Koeman: Das Grundprinzip war verständlich, die Umsetzung aber schlicht nicht konsistent. Ein Großteil der Angriffsbemühungen Barcelonas beschränkte sich auf hohe Flanken, die kaum einmal für nennenswerte Gefahr sorgten. Benzema verpasste zweimal die Vorentscheidung (62., 72.), ehe Vázquez nach einem erneuten Konter in der Nachspielzeit zum 2:0 abstaubte (90.+4.). Dem eingewechselten Agüero gelang nur noch der Anschluss (90.+7), es ist sein erster Pflichtspieltreffer für Barcelona.

Schon wieder kein Sieg im Clásico für den FC Barcelona

Schon wieder kein Sieg im Clásico für den FC Barcelona

Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Der Ausblick: Bei Barcelona soll Trainer Koeman bereits seit Monaten vor dem Rauswurf stehen, die Niederlage im Clásico dürfte sein Ansehen nicht gerade verbessert haben, seit 1940 verlor kein Barça-Coach mehr seine ersten drei Clásicos . Dabei gibt vor allem Koemans Spielstil zu denken, kaum etwas ist übrig geblieben vom systematischen Angriffsspiel, wenn man Standardsituationen nicht gerade dazuzählt. Hoffnung macht Agüeros Tordebüt, aber auch, dass Spieler wie Fati, Gavi oder die verletzten Pedri oder Ousmane Dembélé ihre besten Tage wohl noch vor sich haben. Bleibt die Frage, ob Koeman die Chance bekommt, das Team um sie herum zu entwickeln.