Elegante Uefa-Lösung Liverpool darf Titel verteidigen

Sie hofften auf einen Gnadenakt der Uefa - und am Ende erfüllten sich ihre Träume. Titelverteidiger FC Liverpool darf im kommenden Wettbewerb starten, obwohl sich das englische Team sportlich nicht qualifiziert hatte. Daum-Club Fenerbahce Istanbul - eigentlich Qualifikant - ist durch die Entscheidung automatisch gesetzt.


Liverpooler Jubel: Spieler Hamann (l.) und Dudek mit dem Pokal
REUTERS

Liverpooler Jubel: Spieler Hamann (l.) und Dudek mit dem Pokal

London - "Die Uefa hat sich dazu entschieden, die Regeln für die zukünftigen Champions-League-Wettbewerbe so zu ändern, dass dem Gewinner die Gelegenheit zur Titelverteidigung gegeben wird", erklärte der Verband auf seiner Website. Für den FC Liverpool gibt es also ein Happy End, die "Reds" müssen allerdings in der Qualifikation zur Champions League starten. Die Spiele der ersten Runde werden am 12./13. und 19./20. Juli ausgetragen.

"Wir haben diese Entscheidung einstimmig getroffen, weil sie für die beste Lösung halten", sagte Uefa-Sprecher William Gaillard. Der Verband hatte sich zuvor allerdings selber in Schwierigkeiten gebracht. Bislang setzte die Uefa offensichtlich voraus, dass sich der Champions-League-Sieger sportlich für einen der 16 Plätze qualifiziert, die automatisch zur Teilnahme an der Champions League berechtigen.

Der FC Liverpool, der am 25. Mai den AC Mailand im Endspiel bezwang, hatte in der nationalen Meisterschaft nur den fünften Platz belegt und damit die Qualifikation für die europäische Königsklasse verpasst. Die Lösung ist elegant: Fenerbahce Istanbul, in der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa laut Koeffizient das beste Team der nicht direkt qualifizierten Mannschaften, rückt auf den für den Titelverteidiger frei gehaltenen Platz unter den ersten 16 Vereinen. Die dadurch entstandene Lücke in der Qualifikation schließt der FC Liverpool. "Es heißt Champions League und deshalb sollte der Champion seinen Titel auch verteidigen können", sagte Liverpools Kapitän Steven Gerrard.

Die Anhänger der "Reds" freuten sich über die Entscheidung, hätten sich aber einen späteren Einstieg in die Qualifikations-Phase gewünscht: "Ich kann nicht behaupten, dass die Mehrheit der Anhänger sich überschwenglich darüber gefreut hat, dass Liverpool in der ersten Runde einsteigt", sagte Rich Peddar, Vorsitzender des FC Liverpool Supporters Club. "Doch die Hauptsache ist, dass wir dabei sind", so Peddar weiter.

Ab der Saison 2006/2007 wird es so sein, dass der Titelverteidiger automatisch für die Champions League qualifiziert ist. Im Fall Liverpool wurde für die kommende Spielzeit eine Ausnahme gemacht. "Die Anzahl der Clubs, die pro Verband zugelassen wird, ergibt sich weiter aus dem Uefa-Koeffizienten", betonte die Uefa. Die englische Premier League verfügt beispielsweise über vier Plätze für die Champions League: Der Meister und der Tabellenzweite sind direkt qualifiziert, die Ränge drei und vier berechtigen zur Teilnahme an der Qualifikation. Liverpool startet 2005/2006 wegen der Uefa-Sonderregelung zusätzlich.

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Der FC Liverpool kann nun doch seinen Titel verteidigen, nachdem die Uefa ihr Reglement geändert hat. Begrüßen Sie die Entscheidung?

"Das sind großartige Neuigkeiten. Wir sind begeistert und werden unser Bestes tun, unseren Erfolg in der neuen Saison zu verteidigen", freute sich der deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann, der gestern seinen Vertrag in Liverpool um ein Jahr verlängert hatte.

Der englische Fußballverband hatte sich geweigert, den viertplatzierten FC Everton für den Uefa-Cup zu melden und statt dessen Liverpool in die Qualifikation zur Champions League zu schicken. 2000 hatte der spanische Verband für Real Madrid eine Ausnahme gemacht. Der Rekordmeister gewann die Champions League, wurde in der Meisterschaft aber nur Fünfter. Dennoch konnte der Club in der Champions League spielen, denn die spanischen Fußballfunktionäre meldeten den Tabellenvierten Real Saragossa für den Uefa-Cup.

Schon im Vorfeld hatte Liverpool prominente Befürworter gefunden, die den Champions-League-Sieger auch in der kommenden Spielzeit in der Königsklasse sehen wollten. So sprach sich WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer ebenso für die Engländer aus, wie auch Uefa-Präsident Lennart Johansson. "Der Sieger sollte die Möglichkeit haben, seinen Titel zu verteidigen", hatte der Schwede Ende Mai gesagt.

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