Sieg der Elfenbeinküste Mit Drogba kam die Wende

Seine Einwechslung brachte den Sieg: Didier Drogba schoss zwar kein Tor, aber mit dem Superstar drehte die Elfenbeinküste das Spiel und gewann gegen Japan. Trainer Lamouchi hatte offenbar alles richtig gemacht.

AFP

Aus Recife berichtet


Ungeduldig lief Didier Drogba an der Außenlinie entlang. Er wollte endlich mitmachen bei dieser Weltmeisterschaft. Trainer Sabri Lamouchi hatte den Superstar der Elfenbeinküste überraschend nicht von Beginn an gegen Japan aufgestellt.

Also wartete der Stürmer und machte sich warm, als wolle er allen in der Arena in Recife zeigen: Nein, ich bin nicht angeschlagen. Die Fans riefen immer ungeduldiger seinen Namen. Und dann wurde die Einwechslung des Stürmers nach einer Stunde tatsächlich zum kolossalen Wendepunkt dieser Partie. 0:1 lagen die Ivorer zu diesem Zeitpunkt nach einem Treffer von Keisuke Honda zurück - fünf Minuten später führten sie 2:1.

"Als Didier auf den Platz kam, hat sich alles geändert", sagte Lamouchi später. Man hätte dem Trainer nun vorhalten können, dass er dem WM-Publikum und seiner Mannschaft diesen wunderbaren Fußballer eine Stunde lang vorenthalten hat, aber Lamouchi war sogar stolz auf seine Entscheidung. "Es ist sehr nützlich, so einen Spieler auf der Bank zu haben", erklärte der Franzose.

Drogba raubt den Japanern den Glauben an ihren Erfolg

Zwar hatte Drogba nach seiner Einwechslung kein Tor erzielt oder vorbereitet. Aber seine Präsenz machte den Unterschied. "Drei oder vier Gegenspieler sind total auf Didier fokussiert, und für diese Leute reißt er die Räume auf", sagte Lamouchi. Drogbas Körperlichkeit, verbunden mit der Fähigkeit, Bälle auch auf engsten Räumen zu sichern und weiterzugeben, raubte den Japanern den Glauben an den eigenen Erfolg.

"Natürlich war ich frustriert, dass ich nicht in der Startelf stand, eigentlich war ich bereit", sagte Drogba selbst: "Aber die Strategie des Trainers ist aufgegangen."

Bereits Sekunden nach seiner Einwechslung stürzte der Stürmer die japanische Abwehr mit einem kleinen Hackentrick in ein wildes Durcheinander - eine Szene, die noch folgenlos blieb. Doch in der allgemeinen Unordnung, die sich nun auf das Spiel der Japaner übertrug, verwandelten Wilfried Bony (62. Minute) und Gervinho (66.) jeweils mit Kopfbällen nach Flanken von Rechtsverteidiger Serge Aurier den Rückstand in einen 2:1-Sieg und einen gelungenen WM-Auftakt für die Elfenbeinküste.

Zum ersten Mal ins Achtelfinale?

Trainer Lamouchi sagte, er habe Drogba auf die Bank gesetzt, weil der wegen verschiedener Blessuren "seit vier Monaten kein Spiel mehr über 90 Minuten absolviert hat" - einerseits. Und andererseits "aus strategischen Gründen".

Japans Trainer Alberto Zaccheroni war zwar der Meinung, die Ursache für diese rasante Wende sei nicht Drogba gewesen. "Die Elfenbeinküste hat wegen ihrer Flügelspieler gewonnen, denen wir zu viel Raum gelassen haben", sagte der Italiener. Allerdings hatte auch er das Gefühl, dass die Ivorer mit der Einwechslung "irgendwie gewachsen" seien. Die Menschen im Stadion hatten das ebenfalls gespürt, am Ende feierten sie Drogba. "Die Leute haben mich sehr berührt", sagte der 36-Jährige: "Die Atmosphäre in diesem Land erinnert mich an die Elfenbeinküste."

Wobei die 42.000 Zuschauer fassende Arena längst nicht voll war. Schon bei mehreren WM-Spielen gab es auffällig große Lücken auf den Rängen: Wie schon 2010 in Südafrika sind die Eintrittskarten für viele Einheimische zu teuer.

Die Elfenbeinküste ist dank dieses Coups nun zum ersten Mal mit einem Sieg in eine WM gestartet und hat bei verbleibenden Partien gegen Kolumbien und Griechenland hervorragende Chancen, erstmals ein Achtelfinale zu erreichen.

Drogba hat nebenbei Argumente für seinen wohl letzten Millionenvertrag gesammelt. Unmittelbar vor dem Spiel war durchgesickert, dass der italienische Meister Juventus Turin angeblich kurz vor einer Verpflichtung des Angreifers steht.

Elfenbeinküste - Japan 2:1 (0:1)
0:1 Honda (16.)
1:1 Bony (64.)
2:1 Gervinho (66.)
Elfenbeinküste: Barry - Aurier, Bamba, Zokora, Boka (75. Djakpa) - Tiote, Serey Die (62. Drogba) - Gervinho, Toure, Kalou - Bony (78. Ya Konan)
Japan: Kawashima - Uchida, Yoshida, Morishige, Nagatomo - Hasebe (54. Endo), Yamaguchi - Okazaki, Honda, Kagawa (86. Kakitani) - Osako (67. Okubo)
Schiedsrichter: Enrique Osses (Chile)
Zuschauer: 40.267
Gelbe Karte: Bamba, Zokora - Yoshida, Morishige
Torschüsse: 20:7
Ecken: 8:5
Ballbesitz in Prozent: 57:43

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insgesamt 4 Beiträge
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Schlunze 15.06.2014
1. Lol
Heißt der Trainer echt "La Muschi"?
c_c 15.06.2014
2. das
einzig relevante an dem Artikel: "Wobei die 42.000 Zuschauer fassende Arena längst nicht voll war. Schon bei mehreren WM-Spielen gab es auffällig große Lücken auf den Rängen: Wie schon 2010 in Südafrika sind die Eintrittskarten für viele Einheimische zu teuer."
Hulda 15.06.2014
3. Erfahrungsdefizit
Zitat von sysopAFPSeine Einwechslung brachte den Sieg: Didier Drogba schoss zwar kein Tor, aber mit dem Superstar drehte die Elfenbeinküste das Spiel und gewann gegen Japan. Trainer Lamouchi hatte offenbar alles richtig gemacht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/elfenbeinkueste-drogba-sorgt-gegen-japan-fuer-die-wende-a-975267.html
Ein solcher Stossstürmer wie Drogba zieht sofort 3 Gegenspieler auf sich und schafft so den Raum für seine Kollegen. Das kennt Löw nicht. Weil er dies in seiner aktiven Zeit als Stürmer auf der Bank nie erlebte. Ein guter Trainer arbeitet immer mit einem gefürchteten Knipser in der Mitte, der die Verteidiger beschäftigt. Aber das muss ein Knipser aus dem Naturell sein und kein umfunktionierter Läufer.
skbram 15.06.2014
4. Tickets sind nicht zu teuer!!!
Nein, es handelt sich um einen Mythos, dass die Plätze leer bleiben, weil die Tickets zu teuer für die Einheimischen sind. 20 Euro normal und 10 Euro in der billigsten Kategorie für Studenten, Schüler und Rentner sind für Brasilianer nicht zu teuer und auch nur unwesentlich teurer als ein normales Ligaspiel der ersten, zweiten oder dritten Liga. Es handelt sich eher um ein Verteilungsproblem der Fifa. Tickets werden zurückbehalten und erst im letzten Moment für Einheimische freigegeben. Vor Monaten hiess es schon, dass die Spiele ausverkauft sind und jetzt gibt es noch Karten.
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