Elfmeter-Streit bei Leipzig gegen Schalke "Da kam nix"

Schalke war seit zwölf Pflichtspielen ungeschlagen, Leipzig feierte sieben Siege in Serie. RB hat das Duell der Formstarken gewonnen - eine Elfmeter-Entscheidung sorgte dabei für Diskussionsstoff.

Torhüter Fährmann, Schütze Werner, Schiedsrichter Dankert
DPA

Torhüter Fährmann, Schütze Werner, Schiedsrichter Dankert

Von


Die Ausgangslage: Es war das Duell der beiden Teams der Stunde in der Bundesliga. Schalke hatte seit zwölf Pflichtspielen nicht verloren und die vergangenen fünf gewonnen. RB gewann gar seine letzten sieben Spiele und hat in dieser Bundesligasaison überhaupt noch nicht verloren. Vielleicht jetzt? Trainer Ralf Hasenhüttl jedenfalls wähnte sich vor der "komplettesten Aufgabe der bisherigen Saison. Alles ist angerichtet für ein Fußballfest".

Ergebnis: 2:1 (1:1) für RB Leipzig, das weiter mit drei Punkten Vorsprung auf Bayern München die Tabelle anführt. Ein Fußballfest war es nicht wirklich, ein ziemlich gutes Bundesligaspiel schon.

Aufstellungen
Leipzig: Gulacsi - Schmitz (23. Kaiser), Ilsanker, Orban, Halstenberg - Keita, Demme - Sabitzer, Forsberg (90.+1 Khedira) - Poulsen, Timo Werner (83. Burke)
Schalke: Fährmann - Höwedes, Naldo, Nastasic - Geis (86. Reese) - Schöpf (86. Junior Caicara), Goretzka, Bentaleb (81. Konopljanka), Kolasinac - Choupo-Moting, Meyer

Die erste Hälfte: Manchmal fällt einem ein Zitat so richtig auf die Füße. "Wir werden Leipzig eine Aufgabe stellen, und dann werden wir sehen, ob RB sie so gut löst wie in den letzten Wochen", hatte Schalkes Trainer Markus Weinzierl angekündigt. Nach 19 Sekunden hatten die Streber aus Leipzig die Antwort parat, allerdings schummelten sie dabei (dazu später mehr). Timo Werner traf per Elfmeter zum 1:0. Zwei Minuten später schoss Yussuf Poulsen erst aus zwei Metern S04-Keeper Ralf Fährmann an und anschließend gegen den Pfosten. RB überrollte Schalke in der Anfangsphase. Erst nach 30 Minuten hatte Schalke den ersten Torschuss (Alessandro Schöpf), nach 31 Minuten den ersten Treffer (Sead Kolasinac). Mit 1:1 ging es in die Pause.

Fotostrecke

11  Bilder
RB Leipzig ringt auch Schalke nieder: Die Serie hält

Die zweite Hälfte: Wieder dauerte es nur zwei Minuten bis zum RB-Treffer. Emil Forsberg hatte eine Freistoßflanke von links auf den ersten Pfosten gebracht und Kolasinac verlängerte ins eigene Tor. Schalke steckte den Rückschlag aber deutlich besser weg als in der ersten Hälfte die Teams waren sich ebenbürtig bei Passquoten, Zweikämpfen - und bei Ballbesitz. Dazu zwang Schalke die Leipziger geradezu, die eigentlich lieber den Gegner spielen lassen und nach der Balleroberung schnell umschalten. RB blieb aber die bessere Mannschaft, hätte noch mehrere Tore schießen können, war aber im Abschluss zu unkonzentriert.

Aufreger des Spiels: Nach 19 Sekunden hatte Schiedsrichter Bastian Dankert Elfmeter gepfiffen, bis Timo Werner zum 1:0 traf vergingen fast zwei Minuten. Der Grund: heftige Beschwerden der Schalker. Werner hatte den Ball gelupft, über Fährmann und neben das Tor, um anschließend den Keeper als Einfädelhilfe zu nutzen. Auch ohne Berührung fiel Dankert darauf herein, pfiff und zeigte Fährmann Gelb (für das "Foul") und nicht Werner. Der Leipziger begründete die Aktion nach dem Spiel damit, dass ein Trikotzupfen von Naldo den Sturz ausgelöst habe. Zwischen dem Griff des Brasilianers und Werners Sturz lagen aber mehrere Schritte des Stürmers und der Fehlschuss. "Das sieht wirklich blöd aus, wie eine Schwalbe", sagte Werner bei Sky, "das tut mir leid". Er habe Dankert sogar noch darauf hingewiesen, dass Fährmann ihn nicht berührt habe, so Werner. Auch der Schalke-Keeper berichtete das. Doch der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung, "vielleicht hat er es überhört", sagte Werner. Dankert hielt später dagegen. Als der Spieler zum Elfmeter antrat, habe er gefragt: "Was war da?" Eine Antwort blieb Werner aber schuldig, "da kam nix", so Dankert. Davor habe er keine Aussage Werners wahrgenommen. Zur Szene selbst sagte der Schiedsrichter, nachdem er die Zeitlupe gesehen hatte: "Das war eine Fehlentscheidung."

Rangnick-Regel des Spiels: "Es ist statistisch nachgewiesen, dass man ab 15 Sekunden durchschnittlicher Ballbesitzzeit fast keine Chance mehr auf ein herausgespieltes Tor hat", hatte Ralf Rangnick vor dieser Saison in einem Interview gesagt. Der RB-Sportchef wird sich aber kaum darüber gefreut haben, dass Schalke ihn beim 1:1 so schön bestätigte. Einwurf Max Meyer, Flanke Johannes Geis, Kopfballverlängerung Eric-Maxim Choupo-Moting, Schuss Leon Goretzka, Parade RB-Keeper Peter Gulacsi, Nachschuss Kolasinac - Tor. Dauer: genau 15 Sekunden.

Fazit: Die Serie von Schalke 04 ist gerissen. Das lag aber nicht daran, dass die Mannschaft von Trainer Weinzierl gegen Leipzig weniger gut organisiert gewesen wäre als in den Partien zuvor. RB spielt einfach gerade so schnellen und mutigen Fußball, wie es eines Tabellenführers würdig ist - und der solche Aktionen wie die von Werner überhaupt nicht nötig hätte.

Pointe des Spielplans: Die Schalke-Fans werden diese Woche ein bisschen auf ihren Blutdruck aufpassen müssen. Nach der Schwalbe von Werner fluteten sie die Sozialen Netzwerke mit Hass-Posts, gegen die die normalen RB-Kritiken geradezu sachlich sind. Die Wut wurde auch bis zum Abpfiff nicht weniger und auch die Europa League verspricht keine Linderung: Am Donnerstag spielt Schalke bei RedBull Salzburg (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).



insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vor.morgen 03.12.2016
1. Zur Pause war es Unentschieden.
Sich also auf den Elfmeter in der 3 Minute für ein verlorenes Spiel auszureden, wird der Leistung von RB Leipzig nicht gerecht. Speziell in der 2. Spielzeit haben nur mehr die Bullen etwas fürs spiel getan. Waren drückend überlegen. Wo die jungen Bullen noch Schwächen haben, ist einfach bei der Chancenauswertung. Also war es ein verdienter Sieg. So hat es übrigens auch ein Schalker gesehen, der nach Ende des Spieles von sky gefragt wurde. Unglaublich wie der Aufsteiger spielt. Die Jungs sind hungrig. Macht das den Unterschied?
experte1305 03.12.2016
2. Gott sei Dank hat Leipzig gewonnen!
Schalke, auf Wiedersehen im Mittelmaß!
trohejoe 03.12.2016
3. Als völlig Neutraler nur eins
es haben schon ganz andere Größen im Fußball Schwalben produziert ( soviel zu den vielen Hasskommentaren und den Sky Experten ) aber das Spiel haben die Leipziger völlig , aber auch wirklich völlig , verdient gewonnen . Dem schlechten Gewissen des Schiedsrichters hat Schalke noch zu verdanken dass es nicht noch 2 Gelbe und eine davon gelb/ Rot, gab.
creusa 03.12.2016
4. Der Spielverlauf ist nicht zu unterschätzen!
Natürlich kann man ein Spiel auch dann noch gewinnen, wenn man nach 3 Minuten unberechtigt hinten liegt. Aber es ist tatsächlich signifikant schwerer. Insbesondere wenn man ohnehin auswärts gegen eine sehr starke und selbstbewusste Mannschaft spielt. Leipzig war für mich der klare Favorit und je länger der Favorit ohne Tor bleibt, desto besser ist das für den Außenseiter. Sicher hat Leipzig wieder super gespielt, aber das wichtig Führungstor haben sie sich durch Betrug erschlichen und damit womöglich den Schalker Matchplan direkt zerstört. Wenn man dann später beim Stande von 2-1 gute Chancen zum 3-1 hat, nachdem die Gäste auch auf eine Schlussoffensive hin gewechselt haben, ist das eben nicht nur Ausdruck der eigenen Überlegenheit, sondern auch der Tatsache dass Schalke, wegen dem Rückstand entsprechend risikoreicher gespielt haben. Es läuft sich immer leichter, wenn man vorne liegt.
elisenstein 03.12.2016
5. Schiedsrichterleistungen
die Ansprüche an die Leistung der Schiedsrichter werden immer grösser, weil die Spieler immer raffinierter und abgebrühter handeln. Allerdings, wenn der angeblich gefoulte Spieler dem Schiedsrichter sagt da war nichts und selbst der Beschuldigte das gehört hat, wundert es doch sehr dass ausgerechnet der Schiedsrichter das nicht gehört haben will. Hinterher kann man als Schiedsrichter dann ja Reue zeigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.