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22. Juni 2008, 14:11 Uhr

EM 2008

Ballack kritisiert Gomez, Türkei schickt Torhüter in den Sturm

Deutsche Luxusprobleme gegen existentielle Sorgen der Türkei: Michael Ballack hat vor dem EM-Halbfinale die Wechselverhandlungen seines Mitspielers Mario Gomez kritisiert. Bei den Türken wird der Ernstfall geprobt. Zur Not muss ein Torhüter aufgrund der Personalnot im Sturm aushelfen.

Hamburg - Der Kapitän hat ein Machtwort gesprochen: Michael Ballack hat die Verhandlungen um einen Wechsel von Stürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart zu Bayern München während der Fußball-EM kritisiert.

Kapitän Ballack: "Das stört die Konzentration"
DPA

Kapitän Ballack: "Das stört die Konzentration"

"Ich finde es komisch, dass ausgerechnet während der Europameisterschaft verhandelt wird. Das ist für den Spieler nicht gut und stört die Konzentration. Ich habe immer geschaut, dass ich so etwas vor oder nach einem Turnier gemacht habe, damit man sich währenddessen nicht mit so etwas beschäftigen muss", sagte der 31-Jährige in einem Interview im "Express".

Ballack hat mit dem 22 Jahre alten Angreifer bereits ein Gespräch geführt, in dem Gomez ihm jedoch versichert hätte, mit der Situation umgehen zu können. "Aber ich weiß aus Erfahrung, dass es dennoch beeinflusst, wenn hinter den Kulissen etwas abläuft und dein Name die ganze Zeit in den Medien steht", erklärte der Mittelfeldspieler vom FC Chelsea.

Ganz andere Sorgen hat der deutsche Gegner im Halbfinale am Mittwoch in Basel (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Der türkische Nationaltrainer Fatih Terim reagiert mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf den personellen Notstand in seinem Team: Der 54-Jährige will nach dem drohenden Ausfall von neun Spielern beim Halbfinale gegen Deutschland seinen Ersatzkeeper Tolga zum Feldspieler umfunktionieren.

"Als Einwechselspieler könnte er zum Ende des Spiels als letzter Mann oder als Mittelstürmer zum Einsatz kommen. Wir können uns nicht mehr den Luxus erlauben, dass sich die Spieler aussuchen, wo sie spielen wollen", sagte Terim am Sonntag. Trotz der massiven Personalsorgen ist Terim vor der Begegnung gegen Favorit Deutschland nicht bange. "Wir haben bereits mehrfach gezeigt, dass wir das Unmögliche möglich machen können. Ich glaube fest an mein Team und an das Finale", sagte Terim.

Am Samstag hatte sich die ohnehin schwierige Personallage bei den Türken noch einmal verschärft. Bei Stürmerstar Nihat wurde nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Kroatien ein Ödem in der Leiste festgestellt. Der Angreifer des spanischen Erstligisten FC Villarreal, der zwei EM-Tore für die Türken erzielt hatte, fällt voraussichtlich sechs Wochen aus. Zudem sind zahlreiche weitere Spieler gesperrt oder angeschlagen.

Die Türkei darf trotz der personellen Probleme keine Spieler nachnominieren. Uefa-Medienchef William Gaillard sagte am Sonntag: "Die Turnierregeln standen vor Turnierbeginn fest, und wir haben nicht die Absicht, sie während des Turniers zu ändern. Nachnominiert werden im Verletzungsfall konnte ein Spieler nur vor dem ersten Spiel seiner Mannschaft."

mig/sid

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