EM 2008 Westermann fliegt nach Hause, der Ball unberechenbar

Die Familie geht vor: Heiko Westermann verzichtet auf das Testspiel gegen Weißrussland, um bei seiner hochschwangeren Frau zu sein. Italiens Torhüter mögen den EM-Ball nicht. Österreich verliert einen Schlussmann. Die Niederländer sollten ein Elfmeterschießen vermeiden.


Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw muss im Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Weißrussland in Kaiserslautern auf Abwehrspieler Heiko Westermann von Bundesligist Schalke 04 verzichten.

Nationalspieler Westermann (r.): Heimflug nach Bielefeld
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Nationalspieler Westermann (r.): Heimflug nach Bielefeld

Westermann verließ am Dienstagvormittag nach Absprache mit Löw das Mannschaftsquartier in Homburg und machte sich auf den Weg nach Bielefeld, da dort bei seiner schwangeren Frau die Wehen eingesetzt hatten. Sollte die Geburt reibungslos verlaufen, wird Westermann am Mittwochvormittag im Trainingslager der deutschen Mannschaft auf Mallorca zurückerwartet.

Italiens Nationaltorhüter haben sich über das offizielle Spielgerät der EM beschwert. "Dieser Ball ist noch schlechter als jener der WM 2006. Da werden all jene zufrieden sein, die viele Tore sehen wollen", klagte Marco Amelia im Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft in Coverciano bei Florenz. Grund des Unmuts: Der Ball sei schwer zu fangen, meinte der Keeper des italienischen Erstligaabsteigers AS Livorno. Viele Torhüter würden bei der EURO deshalb Bälle fausten, statt sie zu fangen, um sicher zu sein.

Die Nummer eins der Squadra Azzurra, Gianluigi Buffon von Juventus Turin, meinte weniger kritisch: "Vielleicht gewöhnen wir uns noch an den Ball. Aber wie auch immer: Ich halte ihn trotzdem." Wie bei der WM 2006 in Deutschland ist auch bei der Euro 2008 erneut der deutsche Sportartikelhersteller Adidas Hersteller des offiziellen Spielballs.

Der spanische Nationaltrainer Luis Aragones sorgt sich um die Konzentration einiger seiner Leistungsträger im Vorfeld der EM. Zuletzt standen Fernando Torres, David Villa und Daniel Guiza im Mittelpunkt von Transferspekulationen. "Es beunruhigt mich, denn es handelt sich ja nicht nur um einen Spieler", sagte Aragones. Im Gespräch ist eine Millionen-Offerte für Torres (FC Liverpool) vom Champions-League-Finalisten FC Chelsea, Valencias Villa soll bei Meister Real Madrid auf der Liste stehen, und Real Mallorcas Guiza wird mit dem FC Barcelona und Clubs aus der englischen Premier League in Verbindung gebracht.

Die rumänische Nationalmannschaft musste sich einer unangemeldeten Trainingskontrolle unterziehen. Nach Angaben der Sportzeitung "Gazeta Sporturilor" wurden zehn Spieler der Auswahl Rumäniens im Trainingslager in Bukarest durch zwei Kontrolleure der Uefa getestet. Der Verband hatte 160 Kontrollen schon in der Trainingsphase angekündigt, 124 weitere Tests sollen im Turnierverlauf folgen. Erstmals sind Blut-Analysen, die auch die Einnahme von Epo und Bluttransfusionen nachweisen können, geplant.

Iwan Sajenko vom 1. FC Nürnberg ist der einzige Bundesliga-Profi und zugleich der einzige Legionär im endgültigen Aufgebot der russischen Nationalmannschaft. Der Stürmer gehört dem 23-köpfigen Kader an, den Trainer Guus Hiddink am Dienstag nominierte. Uefa-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg stellt sechs Spieler, darunter die von vielen Clubs begehrten Pawel Pogrebnijak und Andrej Arschawin.

Der russische Verband will indes mit einer speziellen Prämienregelung die Sbornaja für ein Erreichen der K.o. -Runde bei der EM motivieren. Verbandschef Witali Mutko enthüllte am Dienstag, dass jeder Nationalspieler pro Vorrundensieg jeweils 10.000 Euro kassieren werde. Zudem würde beim Viertelfinal-Einzug für pro Spieler zusätzlich ein Bonus in Höhe von 60.000 Euro fällig werden.

Mit vier Bundesliga-Profis sowie zehn EM-Helden von 2004 will Trainer Otto Rehhagel den Titel mit Griechenland erfolgreich verteidigen. Als letzten Spieler strich der Trainer Abwehrspieler Sokratis Papastahopoulos (AEK Athen) aus dem vorläufigen Kader. Dabei sind aus der Bundesliga die Frankfurter Ioannis Amanatidis und Sotirios Kyrgiakos, Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen) und Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg).

Stürmer Jan Vennegoor of Hesselink wird bei der Euro 2008 wohl keine Elfmeter für die niederländische Nationalmannschaft schießen. Beim Elfmetertraining in Hoenderloo leistete sich der Angreifer des schottischen Meisters Celtic Glasgow gleich vier Fehlschüsse gegen die drei Torhüter Edwin van der Sar, Maarten Stekelenburg und Henk Timmer. Nach Trainingsende am Montag ließ Bondscoach Marco van Basten alle 21 Feldspieler zum Elfmeterschießen antreten. Wer daneben traf, musste zur Strafe eine Platzrunde laufen. Im ersten Durchgang unterliefen neben Vennegoor auch Ruud van Nistelrooy, Klaas Jan Huntelaar, Ryan Babel und Mario Melchiot Fehlschüsse.

Bei Gastgeber Österreich ist aus einem Torhütrr-Dreikampf ein Zweikampf geworden. Helge Payer von Meister Rapid Wien musste am Dienstag nach einem Untersuchungsmarathon mit einem "Teilverschluss von einzelnen Venen im Bauch" (Mannschaftsarzt Dr. Schopp) aus dem Trainingslager der Österreicher abreisen. Die Diagnose erfordert laut Schopp einen sofortigen Therapiebeginn sowie eine längere Pause vom Leistungssport. Payer wird durch Ramazan Özcan von Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim ersetzt, dem allerdings keine Chancen auf den Stammplatz eingeräumt werden.

Trainer Josef Hickersberger hatte zuletzt offen gelassen, wer während der EM-Endrunde das Tor der Gastgeber hüten werde. Payer und Jürgen Macho (AEK Athen) sowie Alex Manninger (AC Siena) wechselten sich ab und lagen in der Gunst Hickersbergers gleichauf.

luk/sid/dpa



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