Portugals EM-Aus "Das ist nicht fair"

Er brachte Portugal ins Halbfinale - und vergab dort die große Chance zum Sieg. Angreifer Cristiano Ronaldo hatte beim EM-Auftritt seines Landes die Hauptrolle, konnte das Aus gegen Spanien aber nicht verhindern. Doch der 27-Jährige hat bereits das nächste Ziel: den "Goldenen Ball" des Weltfußballers.

Portugal-Star Ronaldo: "Frustrierend, so zu verlieren"
DPA

Portugal-Star Ronaldo: "Frustrierend, so zu verlieren"


Hamburg - Als alles vorbei war, stand Cristiano Ronaldo einfach nur auf dem Rasen, die Arme in die Hüfte gestemmt, und starrte ins Leere. Nacheinander kamen sein Mitspieler Custodio, sein Trainer Paulo Bento und Portugals Fußball-Idol João Pinto zu ihm, um ihn zu trösten - doch Ronaldo schien sie nicht wahrzunehmen. Dann winkte er kurz den Fans zu und verschwand in den Katakomben der Donbass-Arena in Donezk.

"Ich zeige in solchen Momenten immer meine Gefühle", sagte Ronaldo nach dem 2:4 im Elfmeterschießen des EM-Halbfinals gegen Spanien: "Das ist nicht fair und immer frustrierend, auf so eine Weise zu verlieren. Elfmeterschießen ist wie eine Lotterie." Für Ronaldo war es ein Déjà-vu: Bereits im Champions-League-Halbfinale war er mit Real Madrid im Elfmeterschießen ausgeschieden - gegen Bayern München.

Gegen Spanien hätte Ronaldo schon vor dem Elfmeterschießen zum großen Helden werden können: In der 90. Minute kam er nach einem Konter im Strafraum frei zum Schuss - doch sein Versuch ging deutlich vorbei. Im Elfmeterschießen war er dann als fünfter und letzter Schütze vorgesehen - doch die Entscheidung fiel schon früher.

"Das ist Schicksal"

Weil João Moutinho und Bruno Alves verschossen, musste Ronaldo gar nicht mehr antreten - Cesc Fàbregas verwandelte den fünften spanischen Elfmeter und sorgte so für den Finaleinzug seines Teams. "Das ist Schicksal", sagte Ronaldo.

Dass Portugal bis ins Halbfinale vorgedrungen war, hatte die Mannschaft von Trainer Bento vor allem ihrem Superstar zu verdanken. Mit seinen beiden Toren gegen die Niederlande sowie seinem Kopfballtreffer gegen Tschechien war er der auffälligste portugiesische Spieler.

Fotostrecke

21  Bilder
EM-Halbfinale: Glückliche Spanier, Pechvogel Alves
Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass Ronaldo ein positives EM-Fazit zog. "Ich denke, dass wir stolz auf uns sein können", sagte der 27-Jährige. "Ich hatte zwar auf etwas mehr gehofft bei diesem Turnier. Aber dazu fehlte uns nur das Glück. Ich bin sehr glücklich darüber, wie die Mannschaft, der Trainer und sein Team hier zusammengearbeitet haben."

Ronaldo hofft, durch seine EM-Leistungen der Auszeichnung zum Weltfußballer einen großen Schritt näher gekommen zu sein. "Ich bin sehr, sehr zuversichtlich", sagte der Real-Profi: "Aber die letzte Entscheidung liegt bei anderen." Ende des Jahres werden die Nationaltrainer und Kapitäne der Fifa-Mitgliedsländer den Gewinner des "Goldenen Balls" küren. In den vergangenen drei Jahren hatte sich stets Barcelona-Star Lionel Messi durchgesetzt.

Auch bei der Europameisterschaft verfolgte ihn der argentinische Angreifer: Von den Fans gegnerischer Mannschaften wurde Ronaldo immer wieder mit "Messi, Messi"-Sprechchören verhöhnt. So auch am Mittwochabend in Donezk durch die spanischen Anhängern. Das spanische Blatt "Sport" ist sich jedenfalls sicher, dass Ronaldos Träume sich nicht erfüllen werden: "Adiós, Ronaldo! Der Portugiese verabschiedet sich von der EM - und vom Goldenen Ball", titelte die Zeitung.

Portugal - Spanien 2:4 (0:0, 0:0, 0:0) n.E.
Alonso verschießt
Moutinho verschießt
0:1 Iniesta
1:1 Pepe
1:2 Piqué
2:2 Nani
2:3 Ramos
Alves verschießt
2:4 Fàbregas
Portugal: Patricio - Pereira, Pepe, Alves, Coentrão - Veloso (106. Custodio) - Meireles (113. Varela), Moutinho - Nani, Ronaldo - Almeida (81. N. Oliveira)
Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Ramos, Alba - Busquets - Xavi (87. Pedro), Alonso - Silva (60. Navas), Iniesta - Negredo (54. Fàbregas)
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
Zuschauer: 48.000
Gelbe Karten: Pereira, Pepe, Alves, Coentrão, Veloso - Arbeloa, Ramos, Busquets, Alonso

bka/dpa

insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ofelas 28.06.2012
1. Wir halt bestraft
Zitat von sysopDPAEr brachte Portugal ins Halbfinale - und vergab dort die große Chance zum Sieg. Angreifer Cristiano Ronaldo hatte beim EM-Auftritt seines Landes die Hauptrolle, konnte das Aus gegen Spanien aber nicht verhindern. Doch der 27-Jährige hat bereits das nächste Ziel: den "Goldenen Ball" des Weltfußballers. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841486,00.html
Almeida und Ronaldo hatten mehrere klare Chancen aus weniger als 15 Meter auf das Tor zu schiessen, und haben beide den Ball dann klar vorbeigeschossen.
Parthenon 28.06.2012
2. Falscher Cowboy
Ronaldo ist schon ein "toller" Kapitän: er wäre als 5. Schütze angetreten. Anstatt dass er den Anfang macht und dabei noch verwandelt, damit die Team-Kameraden selbstbewusst an den 11er-Punkt treten können, drückt er sich! Aber Ronaldo entfaltet sein Potenzial nur in der heimischen Liga am besten, wenn es nämlich gegen insolvenz- und abstiegsbedrohte Clubs geht. Interessant ist auch, wie er bei Freistößen immer als Cowboy antritt (um dann den Ball in den Himmel zu befördern). Warum ist er denn gestern nicht auch als Cowboy beim 11er Schießen angetreten?!
frubi 28.06.2012
3. .
Zitat von sysopDPAEr brachte Portugal ins Halbfinale - und vergab dort die große Chance zum Sieg. Angreifer Cristiano Ronaldo hatte beim EM-Auftritt seines Landes die Hauptrolle, konnte das Aus gegen Spanien aber nicht verhindern. Doch der 27-Jährige hat bereits das nächste Ziel: den "Goldenen Ball" des Weltfußballers. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841486,00.html
Portugal war die deutlich bessere Manschaft in den 90 Minuten. Meireles hat defensiv eine wahnsinnige Leistung gezeigt. Nani war leider zu sehr darauf aus, Freistöße innerhalb des spanischen Drittels rauszuholen. Einmal hätte er sehr gut durchlaufen können.
taubenvergifter 28.06.2012
4. Verwöhntes Spanien
So tickt man, wenn man über Jahre die stärkste Nationalmannschaft und die stärksten/investitionsfreudigsten Vereinsmannschaften stellt: am Ende interessiert man sich nur noch dafür, ob man irgendwelche Nebenerzeugnisse wie den goldenen Ball für den Weltfußballer abgreifen kann. Ronaldo war auf dem Wege in meinem Ansehen zuzulegen - was ihm getrost schnurz sein wird - aber die seine Fokussierung auf diesen Rummelplatztrostpreis "Goldball" passt zu einem Zirkusfußballer wie ihm und zu einem Verein wie Real passt so eine Einstellung auch. Dort sieht man ja zu, dass schon der Platzwart irgendwelche internationalen Dingsbumsmedaillen abgegriffen hat. Naja, solange die höchstpotenten spanischen Banken diesen Größenwahn stützen... können....
AlbertWesker 28.06.2012
5.
Zitat von taubenvergifterSo tickt man, wenn man über Jahre die stärkste Nationalmannschaft und die stärksten/investitionsfreudigsten Vereinsmannschaften stellt: am Ende interessiert man sich nur noch dafür, ob man irgendwelche Nebenerzeugnisse wie den goldenen Ball für den Weltfußballer abgreifen kann. Ronaldo war auf dem Wege in meinem Ansehen zuzulegen - was ihm getrost schnurz sein wird - aber die seine Fokussierung auf diesen Rummelplatztrostpreis "Goldball" passt zu einem Zirkusfußballer wie ihm und zu einem Verein wie Real passt so eine Einstellung auch. Dort sieht man ja zu, dass schon der Platzwart irgendwelche internationalen Dingsbumsmedaillen abgegriffen hat. Naja, solange die höchstpotenten spanischen Banken diesen Größenwahn stützen... können....
[QUOTE=taubenvergifter;10455846]So tickt man, wenn man über Jahre die stärkste Nationalmannschaft und die stärksten/investitionsfreudigsten Vereinsmannschaften stelltQUOTE] Ronaldo ist Portugiese und nicht Spanier.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.